Kirchen tragen zur Einheit Europas bei
Bukarest-Wien, 3.7.07 (KAP) Als Beitrag zur Überwindung der "tiefen kulturellen und spirituellen Spaltung zwischen Ost- und Westeuropa" verstand sich die von der Wiener Stiftung "Pro Oriente" in Rumänien organisierte 4. Patristische Tagung. Vom 27. bis 30. Juni diskutierten 27 renommierte Patristik-Experten aus ganz Europa im rumänisch-orthodoxen Kloster Brancoveanu bei Sibiu unter dem Titel "Die Einheit und Katholizität der Kirche" über Kirchen- und Einheitsverständnis der Kirchenväter. Kardinal Christoph Schönborn, der die Tagung eröffnen sollte, konnte nicht teilnehmen, weil die Flugverbindung nach Sibiu unterbrochen war. Der Wiener Erzbischof musste seinen Rumänien-Besuch, in dessen Rahmen er auch zwei Ehrendoktorate entgegennehmen sollte, auf die zweite Jahreshälfte verschieben. An der Tagung nahm auch der rumänisch-orthodoxe Erzbischof von Sibiu und Metropolit von Siebenbürgen, Laurentiu (Streza), teil. Unter den Referenten waren u.a. Prof. Theresia Hainthaler von der Hochschule Frankfurt-St. Georgen, Prof. Ysabel de Andia vom "Centre National de Recherche Scientifique" in Paris und P. Michel van Parys OSB von der seit Jahrzehnten im ökumenischen Gespräch engagierten belgischen Benediktinerabtei Chevetogne.
Im Abschlußkommunique der Tagung wird betont, dass der Begriff von Einheit bei den Kirchenvätern "weder Gleichförmigkeit noch Nivellierung bedeutet, sondern Besonderheiten zulässt". Ein solches, im trinitarischen Gottesbild wurzelndes Einheitsverständnis könne dazu beitragen, "die in Europa bestehenden Spaltungen zu überwinden". Die Diskussion habe deutlich werden lassen, dass "östliches und westliches Christentum keine zwei disparaten Welten darstellen" und eine Intensivierung des Austausches zwischen Ost- und Westkirche zu einer Überwindung der Spannungen in Europa beitragen könne.
Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, betonte in einem Grußtelegramm die "ökumenische Bedeutung" der weiteren Erforschung und Reflexion der Begriffe Einheit und Katholizität.
Die vorausgegangenen drei patristischen Tagungen befassten sich mit den Themen "Christus" (Wien, 2001), "Heiliger Geist" (Wien, 2003) und "Gott als Vater und Schöpfer" (Luxemburg 2005). Die patristischen Tagungen waren von Kardinal Schönborn initiiert worden, um die junge und mittlere Theologen- und Historikereneration aus Ost- und Westeuropa, Katholiken und Orthodoxe, im wissenschaftlichen Gespräch über die Kirchenväter zusammenzuführen. Orientierungspunkt ist dabei die Auseinandersetzung mit dem Denken der Kirchenväter aus dem ersten Jahrtausend, bei der die eigentlichen geistigen und kulturellen Wurzeln freigelegt werden sollen, die Ost- und Westeuropa gemeinsam haben.
Wie bei den vorhergehenden Tagungen geschehen, sollen auch die Beiträge dieser Tagung in einem Band veröffentlicht werden. Bisher sind im "Tyrolia"-Verlag die Dokumentationsbände "Christus bei den Vätern" (2003), "Der Heilige Geist im Leben der Kirche" (2005) und "Gott, Vater und Schöpfer" (2007) erschienen.
Der Tagungsort der "Pro Oriente"-Begegnung hatte besondere Bedeutung, weil er die tragische Geschichte Rumäniens symbolisiert. Das Kloster Brancoveanu gilt als eines der rumänischen Nationalheiligtümer; es wurde 1696 durch den Großfürsten der Walachei, Constantin Brancoveanu, gestiftet. Er starb gemeinsam mit seinen vier Söhnen und seinem Schwiegersohn 1714 in Istanbul als Märtyrer; sie hatten sich alle geweigert, die "Shahada" zu rezitieren und damit zum Islam überzutreten. 1992 wurde Constantin Brancoveanu von der rumänisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen. Als 1783 die Rumänen Siebenbürgens gegen ihre soziale Ausbeutung durch die österreichischen Oberherren und deren ungarische Verbündete einen Aufstand unternahmen, galt das Kloster als eines der Zentren des Rumänentums und wurde vom Wiener General Bukow 1785 zerstört. Erst 1926 begannen Wiederbesiedlung und Wiederaufbau. Seither pilgern pro Jahr wieder hunderttausende Rumänen zum Heiligtum.