Ausstellung dokumentiert die Shoah in Wien
Wien, 3.7.07 (KAP) "Ordnung muss sein": Unter diesem lakonischen Titel gibt das Jüdische Museum Wien ab Mittwoch Einblick in lang verschollene, penibel geführte Archivbestände der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) vor allem aus der Zeit der Shoah (1938-1945). Voraus ging ein Aufsehen erregender Fund: In einem Zinshaus der Kultusgemeinde stießen Mitarbeiter in einer leer stehenden Wohnung auf einen vom Boden bis an die Decke reichenden Stapel großformatiger Bücher und von 800 Umzugskartons, vollgefüllt mit Akten und Dokumenten. Es stellte sich heraus, dass rund 500.000 Seiten davon penibel die Auswirkungen der NS-Herrschaft in Österreich auf die Israelitische Kultusgemeinde dokumentieren, vermischt mit jüngerem, aber auch mit älterem Material aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.
In Kooperation mit der Anlaufstelle der IKG Wien für jüdische NS-Verfolgte und mit Unterstützung der "Central Archives for the History of the Jewish People" Jerusalem präsentiert das Jüdische Museum Wien jetzt erstmals diese lange vergessenen Archivbestände der IKG Wien, deren älteste Dokumente bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen.
Die Ausstellung zeigt wesentliche Aspekte der Geschichte der Wiener jüdischen Gemeinde. In einer in Umfang und Vollständigkeit einzigartigen Weise werden 300 Jahre der jüdischen Präsenz in Wien bis zur Zeit nach dem Holocaust belegt. Die Ausstellung beschäftigt sich aber auch mit der Frage des Archivs als Gedächtnisort sowie mit dem Problem der Systematisierung und Ordnung von historischen Informationen.
Die Schau "Ordnung muss sein. Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" ist von 4. Juli bis 21. Oktober täglich außer Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. (Informationen: Internet: www.jmw.at).