"Belvedere" zeigt Kunst aus Warschau
Wien, 4.7.07 (KAP) Das Wiener Belvedere ist ab sofort eine europäische Top-Adresse für Freunde mittelalterlicher Kunst: Ab Donnerstag, 5. Juli, sind Hauptwerke der Mittelaltersammlung des Warschauer Nationalmuseums in der Orangerie zu sehen. Skulpturen, Flügelaltäre und Tafelbilder veranschaulichen die wichtigsten Entwicklungen der gotischen Kunst Polens, entstanden in Breslau, Krakau und Danzig, in Regionen wie Schlesien oder Pommern.
Und ebenfalls ab 5. Juli bietet das Schaudepot im Prunkstall des Prinzen Eugen neue Einblicke in die umfangreiche hauseigene Mittelaltersammlung des Belvedere, die damit - so Direktorin Agnes Husslein bei der Pressepräsentation am Mittwoch - erstmals in ihrer Gesamtheit der Öffentlichkeit zugänglich ist. Das barocke Baujuwel, in dem einst die Lieblingspferde des Prinzen untergebracht waren, befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Orangerie.
Dort geben bis 16. September 27 Meisterwerke aus dem 12. bis zum frühen 16. Jahrhundert einen beeindruckenden Überblick über die Entwicklung der Gotik in Polen. Die in Wien gezeigten Flügelältäre, Skulpturen und Tafelbilder aus der höchst wertvollen und zugleich wenig bekannten Sammlung des Warschauer Nationalmuseums sind auf ihrer jetzigen Ausstellungstour - bisherige Stationen waren Pfäffikon (Schweiz) und Lissabon - erstmals außerhalb Polens zu sehen. Herausragend ist ein "Crucifixus Dolorosus" aus Breslau (um 1350/60), ein mannshohes Beispiel eines "Mystikerkreuzes" in drastisch-realistischer Darstellung des leidenden Christus, ein zweiflügeliger Altar ("Diptychon"; um 1430) aus der Danziger Marienkirche mit einer "Maria lactans" (säugende Gottesmutter), dem Schmerzensmann und der verklärten Maria Magdalena, sowie eine um 1400 in Schlesien gefertigte Statue der Heiligen Katharina von Alexandrien. Geworben wird für die Schau mit einer ebenfalls gezeigten, schlesischen "Johannesschüssel" mit dem Kopf des enthaupteten Täufers aus dem Jahr 1500. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Art Centre in Basel sowie dem Nationalmuseum Warschau.
Eine Auswahl von Meisterwerken des Mittelalters zeigt das Belvedere seit Mai im Oberen Belvedere, die ergänzende Studiensammlung ist ab Donnerstag im barocken Prunkstall des Unteren Belvedere zu sehen. Hier finden sich themenspezifisch angeordnet 150 Meisterwerke der Tafelmalerei und Skulpturen sowie gotische Flügelaltäre, darunter einer der frühesten Altäre dieser Art - der bereits um 1400 entstandene Obervellacher Altar. Neben prominenten Meistern wie Friedrich Pacher oder Hans Klocker werden zahlreiche Werke anonymer Maler und Bildschnitzer präsentiert - teils renovierungsbedürftig und in "nicht perfektem Zustand", wie Direktorin Husslein einräumte. Aber es handle sich ja nicht um eine Ausstellung, sondern um ein "Schatzhaus Mittelalter" betiteltes Depot. Wie die Kustodin der Mittelaltersammlung, Veronika Pirker-Aurenhammer, bei der Pressekonferenz hervorhob, stehe im Schaudepot die wissenschaftliche Auseinandersetzung und pädagogische Vermittlung besonders im Vordergrund. Es werde Fachseminare, Führungen und Schulprogramme geben. Patenschaften sollen die Erhaltung der Exponate befördern. (Informationen: Internet: www.belvedere.at).
