"Pflege darf nicht am Geld scheitern"
Wien, 4.7.07 (KAP) Ein Karenzgeld für die Familien-Hospizkarenz und ein "Gesamtkonzept zum Thema Pflege" - über die neue Regelung der 24-Stunden-Pflege hinaus - hat der Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, Msgr. Michael Landau, gefordert. Es dürfe nicht am Geld scheitern, dass Menschen jene Betreuung und Begleitung erhalten, die sie brauchen, so Landau am Mittwoch in seiner Dankrede bei der Verleihung des "Greinecker-Seniorenpreises 2006" durch den ORF.
Mit dem vom ORF alljährlich vergebenen Preis - gestiftet 1985 von der Familie Greinecker - wurden heuer Caritasdirektor Landau für sein Engagement in der Hospizbewegung, Altenpflege und für demenzkranke Menschen, die Vorsitzende der "Zweiten Wiener Vereins-Sparcasse" für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, Evelyn Hayden, und Prof. Karl Dantenhofer für das Projekt "Pro mente" zur Begleitung psychisch Kranker ausgezeichnet. Der Preis ist mit insgesamt 6.000 Euro dotiert, sodaß jeder Preisträger 2.000 Euro erhielt. Landau will das Geld - wie er bei der Preisverleihung im ORF-Zentrum in Wien sagte - dem Ausbau der Trauerbegleitung der Pfarrcaritas widmen. Die Laudatio für Landau hielt der Kammerschauspieler und Seniorenvertreter im ORF-Stiftungsrat, Fritz Muliar.
"Pionierdienst für Österreich"
Wie Muliar sagte, habe Landau schon gemeinsam mit Kardinal König die Anliegen der Hospizarbeit öffentlich über alle Parteigrenzen hinweg thematisiert. Mit dem Mobilen Caritas Hospiz, das in Wien heute beinahe jeden zweiten Hospizpatienten begleitet, sei "Pionierdienst für Österreich" geleistet worden, in aller Professionalität, bis zum heutigen Tag, kostenlos für die Betroffenen und ihre Angehörigen, so Muliar: "Und nur, wer einmal am eigenen Leib Hunger, Kälte, soziale Not oder Einsamkeit erfahren hat, der weiß, wie wichtig es ist, dass privat geholfen wird".
Ein Schwerpunkt auf dem Gebiet der Sterbebegleitung der Caritas liegt, ebenso wie bei der Pflege, in der mobilen Versorgung. Die Betreuung wird vor allem durch geschulte, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getragen. Nach dem Motto "Wir helfen. Menschen leben. Bis zuletzt." setzen sich die Caritas-Palliativ- und Hospizteams dafür ein, sterbende und schwer kranke Menschen und ihre Angehörigen zu unterstützen und sie zu begleiten.
Landau appellierte in seinen Dankesworten, "die Schwächsten in unserer Gesellschaft nicht zu vergessen" und mahnte: "Es darf nicht am Geld scheitern, dass Menschen am Ende ihres Lebens jene Betreuung und Obsorge erhalten, die sie brauchen". Es gehe darum, in der Gesellschaft die Würde des Menschen - bis zu seiner letzten Stunde - wieder ganz in den Mittelpunkt zu rücken: "Was zählt, sind die Taten, nicht die Theorien". Gefordert sei eine "Kultur des Hinschauens": Man müsse sich von dem, was man sieht, auch berühren lassen.