"Eine Stellungnahme für die Ökumene"
Vatikanstadt, 10.7.07 (KAP) "Es ist eine Stellungnahme für die Ökumene, nicht gegen die Ökumene", hieß es am Dienstag im Vatikan im Hinblick auf die neue Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation, die "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" gibt. Die Erklärung, in der Antworten auf fünf Fragen gegeben werden, wurde gemeinsam mit einem umfangreichen "Kommentar" veröffentlicht. Ausgangspunkt der Erklärung ist die Feststellung des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche "verwirklicht" ist (lateinisch: "subsistit in"). Um diese Formulierung war beim Konzil lange gerungen worden, sie bedeutete - und bedeutet - eine Öffnung gegenüber den anderen christlichen Kirchen. Im "Kommentar" zur Erklärung der Glaubenskongregation heißt es wörtlich: "Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi - trotz der Spaltung der Christen - voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen". In dem vatikanischen Dokument wird auch unterstrichen, dass die Spaltungen der Christen für die Kirche ein "Hindernis" sind, obwohl sie die "Fülle" ("plenitudo") der Einheit und Katholizität besitzt.
In kurialer Sprache wird in dem neuen vatikanischen Dokument die ökumenische Öffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils unterstrichen. Im "Kommentar" wird angedeutet, dass beim Konzil ein langes Ringen zwischen zwei Strömungen herrschte. Die "konservativen" Bischöfe traten dafür ein, die Kirche Christi mit der katholischen Kirche gleichzusetzen; für diese Gruppe war das Wort "est" (ist) kennzeichnend: Die Kirche Christi "ist" die katholische Kirche. Die "progressiven" Bischöfe, die sich schließlich durchsetzten, wollten offener formulieren: Die Kirche "subsistiert" (sie wird verwirklicht) in der katholischen Kirche. Wörtlich heißt es im "Kommentar" dazu: "Entgegen einer Vielzahl von unbegründeten Interpretationen bedeutet der Ersatz des 'est' mit 'subsistit' nicht, dass die katholische Kirche von der Überzeugung ablasse, die einzige wahre Kirche Christi zu sein. Diese terminologische Veränderung bedeutet einfach, dass die Kirche offener ist für das besondere ökumenische Anliegen, den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaft anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen". Den Formulierungen "wirklich kirchlicher Charakter" und "wirklich kirchliche Dimension" wird besondere Bedeutung eingeräumt. Die Identifikation der Kirche Christi mit der katholischen Kirche sei nicht so zu verstehen, dass es außerhalb der katholischen Kirche ein "kirchliches Vakuum" gibt.
Das Doppel-Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation benennt keinen unmittelbaren Anlass für die Veröffentlichung, vielmehr wird deutlich, dass es um eine "Summa" der Diskussion der letzten Jahrzehnte im inner- wie außerkatholischen Bereich geht. Aus vielen Formulierungen lässt sich aber erschließen, dass sich der Text der Glaubenskongregation in erster Linie an innerkirchliche Gesprächspartner richtet, nicht an die ökumenische Öffentlichkeit. Unter anderem wird im "Kommentar" ausdrücklich auf die "Notifikation" der Glaubenskongregation an den brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff Bezug genommen. Boff hatte in einem Buch gemeint, die einzige Kirche Christi könne "auch in anderen Kirchen subsistieren".
Im Hinblick auf die orthodoxen Kirchen äußerte sich die vatikanische Glaubenskongregation weiterführend: "Natürlich muss immer unterstrichen werden, dass der Primat des Nachfolgers Petri, des Bischofs von Rom, nicht als äußere Zutat oder als Konkurrenz gegenüber den Bischöfen der Teilkirchen verstanden werden darf. Der Primat muss als Dienst an der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft ausgeübt werden, und zwar innerhalb der Grenzen, die sich aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen unantastbaren göttlichen Verfassung der Kirche ergeben".
Bei den evangelischen kirchlichen Gemeinschaften, die die apostolische Sukzession (die Nachfolge der Bischöfe im Apostelamt) und das Weihepriestertum nicht bewahrt haben, sei die "Wunde" noch tiefer als bei den orthodoxen Kirchen, wird im Dokument der Glaubenskongregation betont. Deshalb seien sie auch nicht "Kirchen im eigentlichen Sinn". Wörtlich heißt es im "Kommentar" weiter: "Auch wenn diese Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel 'Kirche' zuschreiben könnte. Denn sie nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an. Ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden". Man müsse aber daran erinnern, dass diese Gemeinschaften "zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert" haben.
Amato: Katholische Identität bewahren
Nach den Worten des Sekretärs der Glaubenskongregation, Erzbischof Angelo Amato, will das neue Vatikan-Dokument zur Kirchenlehre "irrige und einseitige Interpretationen der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils" zurechtrücken. Der ökumenische Dialog verlange über eine Öffnung gegenüber den Gesprächspartnern hinaus auch die Bewahrung der katholischen Identität, erklärte der Kurienerzbischof in einem Interview mit "Radio Vatikan". Mit dem Begriff "subsistit" habe das Konzil die Einzigkeit und Nicht-Multiplizierbarkeit der Kirche Christi ausdrücken wollen. Außerhalb der katholischen Kirche gebe es kein "kirchliches Vakuum", sondern "vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit", die auf die katholische Einheit hindrängen, sagte Amato. (Ende)