Glaube ist Absage an Götzen aller Art
Linz, 12.7.07 (KAP) Der Glaube an Gott bedeutet zugleich eine Absage an Götzen aller Art: Das betonte der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz am Mittwochnachmittag bei der Eröffnung der Ökumenischen Sommerakademie in Stift Kremsmünster, die unter dem Generalthema "Die Marke Gott - zwischen Bedeutungslosigkeit und Lebensinhalt" steht. Heute würden im Marketing Produkte einen "spirituellen Mehrwert bekommen", ja, es würden die Marken in der Werbung selbst zu "Gott" gemacht, erklärte Schwarz. Die Bibel verurteile solche Versuche, irdischen Dingen einen letzten Stellenwert beizumessen, als Götzendienst. Von Gott als "Marke" zu reden sei deshalb nicht unproblematisch, so der Bischof. Immer wieder erlägen Menschen der Gefahr, Ersatzobjekte wie das Goldene Kalb anzubeten.
Ein Missbrauch des Namens Gottes sei es auch, wenn unter Berufung auf ihn Gewalttaten verübt werden, betonte Schwarz. Johannes Paul II. habe in seiner großen Vergebungsbitte am ersten Fastensonntag des Heiligen Jahres 2000 auf diesbezügliche Verfehlungen der Christen aufmerksam gemacht. Und Papst Benedikt XVI. habe in seiner "Regensburger Vorlesung" auf die inakzeptable Verknüpfung von Gottesglaube und Gewalt in Strömungen des Islam hingewiesen - "eine Verknüpfung, deren Konsequenzen ein zum Terror bereiter fundamentalistischer Islam vor Augen führt". Der Name Gottes dürfe kein Freibrief für die Zerstörung von Menschenleben sein, "für niemanden", unterstrich Schwarz.
Die europäisch-westliche Kultur laufe heute aber eher Gefahr, den Namen Gottes dadurch zu missbrauchen, dass sie ihm keine Bedeutung mehr beimisst, so Schwarz weiter. Hinter dem recht verstandenen Bildwort von der "Marke Gott" steht laut Schwarz die Überzeugung des biblischen Gottesglaubens, dass der Name Gottes nicht für Unterdrückung, Bereicherung und Tod steht, sondern für das "Leben in Fülle".
Für Bischof Herwig Sturm, den Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), repräsentiert die Sommerakademie in Kremsmünster die gute ökumenische Zusammenarbeit in Österreich. Der ÖRKÖ ist ebenso wie ORF-Oberösterreich und die ORF-Religionsabteilungen, das Land Oberösterreich, die Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz, die Linzer "Kirchenzeitung", das Evangelischen Bildungswerk Oberösterreich und Stift Kremsmünster Veranstalter der Tagung.
Nicht "Marke", sondern Lebensinhalt
Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer stellte in seinen Grußworten die Lebendigkeit der Religionen in Zusammenhang mit ethischer Verantwortung: "Wenn man Religion auf ein Sich-Wohlfühlen reduziert, wird man sich schwer tun bei einem offenen Diskurs mit anderen Religionen". Es sei daher notwendig, Gott nicht als "Marke", sondern als bedeutenden Lebensinhalt zu betrachten.
ORF-Landesdirektor Helmut Obermayr und "Hausherr" Abt Ambros Ebhart begrüßten zu Beginn der Tagung Vertreter von fünf christlichen Kirchen im vollen Kaisersaal des Stiftes Kremsmünster, unter ihnen auch den Wiener griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos. Der oberösterreichische evangelisch-lutherische Superintendent Gerold Lehner wies darauf hin, dass bei der Sommerakademie ein ökumenischer Grundsatz groß geschrieben werde: Gemeinschaft im Wesentlichen und Freiheit in Anderem. Die "Marke Gott" sei nicht beliebig, sondern klar definiert: "Nicht die Kirchen definieren die Marke Gott, sondern sie sind Produkt Gottes", betonte Lehner. (Ende)