"Christen muss man an ihrer Zivilcourage erkennen"
Eisenstadt, 16.7.07 (KAP) "Einen Christen muss man daran erkennen, dass er Zivilcourage hat": Dies betonte der Grazer Ethik-Ordinarius Prof. Leopold Neuhold bei der diesjährigen Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung (KMBÖ) in Bad Tatzmannsdorf (Burgenland). Ein Christ müsse daher auch den Mut haben, die Ursachen und Strukturen der Ungerechtigkeit aufzuzeigen und in Frage zu stellen.
Wie das konkret aussehen kann, legten bei der von Militärbischof Christian Werner eröffneten Akademietagung der Grazer Pfarrer Wolfgang Pucher ("Vinzidorf") und die Flüchtlingshelferin Maria Loley dar. Pucher erinnerte daran, dass es "schöne" und "hässliche" Armut gibt. In den von ihm begründeten Einrichtungen der "Vinzenzgemeinschaften" würden 300 Menschen beherbergt, für die niemand gerne eintrete und für die manche "überhaupt nichts übrig haben": Haftentlassene, Drogenabhängige, Alkoholiker, Prostituierte. Maria Loley - eines der "Briefbomben-Opfer" - berichtete, wie sie auch heute noch Menschen mit Problemen durch Zuhören hilft: "Wenn wir für unsere Mitmenschen ein offenes Ohr haben, können wir viel in ihrem Leben bewegen".
Die Jägerstätter-Biografin Erna Putz zeigte am Beispiel des Kriegsdienstverweigerers und Märtyrers auf, was religiöse Zivilcourage bewirken kann: "Ich danke Gott für das Zeichen, das er uns in Franz und Franziska Jägerstätter gegeben hat. Sie zeigen uns, was Glaube und Menschlichkeit bedeuten". Der deutsche Theologe Prof. Gotthard Fuchs betonte, dass die Frage der mangelnden Zivilcourage mit der Furcht vor Verletzung und Verwundung zusammenhängt: "Christus soll uns in dieser Hinsicht ein Vorbild sein, was es bedeutet, sich für jemand anderen zu opfern".
Zum Abschluss der Sommerakademie diskutierten die Moskauer ORF-Korrespondentin Susanne Scholl und Caritas-Präsident Franz Küberl über die politische Zivilcourage. Susanne Scholl unterstrich auf dem Hintergrund ihrer russischen Erfahrungen, dass Zivilcourage bedeutet, "nicht wegzuschauen, wenn etwas Schlimmes passiert". Für Franz Küberl ist das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter ein Vorbild: "Während die Kirchenleute im Gleichnis wegschauen, tut der Fremde, der Samariter, das Notwendige. Ohne selbstlose Hilfe und Zivilcourage kann die Gesellschaft nicht existieren". (ende)