Papst zelebriert seine Tagesmesse nicht "tridentinisch"
Vatikanstadt, 19.7.07 (KAP) Papst Benedikt XVI. zelebriert seine tägliche Messe nicht nach dem "alten Usus", hat Vatikansprecher P. Federico Lombardi SJ, klargestellt. Die US-amerikanische Nachrichtenagentur "Catholic World News" (CWS) hatte am 16. Juli eine entsprechende Behauptung in Umlauf gesetzt, dass Benedikt XVI. täglich "tridentinisch" zelebriere. CWS berief sich auf anonyme "informierte Kreise" im Vatikan als Quelle, die Agentur garnierte ihre Nachricht mit Bemerkungen darüber, dass der Papst "ein glühender Verteidiger der katholischen liturgischen Tradition" sei. Allerdings räumte CWS ein, dass Benedikt XVI. bei öffentlichen Messfeiern immer das postkonziliare Messbuch von Paul VI. benütze.
Nachdem die CWS-Nachricht erschienen - und auch von gleichgesinnten Websites im deutschsprachigen Bereich zitiert worden war - wandte sich die offiziöse US-amerikanische katholische Nachrichtenagentur "Catholic News Service" (CNS) an P. Lombardi. Der vatikanische Pressesprecher meinte lapidar, die Verwirrung könne vielleicht durch Bilder entstanden sein, auf denen man den Papst bei der Zelebration der Tagesmesse in seiner Privatkapelle sehe. In der Privatkapelle sei der Altar seit jeher so positioniert, dass eine Zelebration "versus populum" (mit dem Gesicht zum Volk) nicht möglich ist.
Liturgiefachleute verweisen darauf, dass die Zelebrationsrichtung - "versus populum" (zum Volk) oder "versus orientem" (nach Osten) - nichts mit dem Messritus zu tun hat. Auch nach dem "neuen Usus" (dem Messbuch von Paul VI.) sei die Zelebration "versus orientem" möglich. In beiden Fällen handle der Priester "in persona Christi" (an Stelle von Christus), bei der Zelebration "versus populum" versammle er das Volk um sich, bei der Feier "versus orientem" gehe er dem Volk Gottes gleichsam voran. Der "Osten" stehe dabei für den Sonnenaufgang als Symbol der Auferstehung; das geläufige Wort "Orientierung" stammt aus diesem geistesgeschichtlichen Hintergrund. (ende)