Liturgie: Sorge um Konflikte in den Pfarren
Linz, 27.7.07 (KAP) Die Freigabe der früheren Liturgie (Messbuch von 1962) durch das jüngste Papstdokument "Summorum pontificum" könnte nicht zur "Einheit in der Vielfalt", sondern eher zu "Konflikten in den Pfarren" beitragen: Diese Sorge äußerte der Linzer Pastoraltheologe em. Prof. Wilhelm Zauner in einem Interview mit der "KirchenZeitung der Diözese Linz". Zauner erinnerte daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Würde aller Getauften wieder in den Mittelpunkt der Lehre von der Kirche gestellt hatte. Das habe sich logischerweise auch in der Liturgie zeigen müssen: "Der Priester ist nicht mehr der Messeleser, dem das Volk zuhört, sondern alle Getauften sind Träger der Liturgie. Dieser Übergang hat sich in den sechziger Jahren - vorbereitet durch die Liturgische Bewegung - in Harmonie vollzogen". Man könne "ohne wenn und aber" sagen, dass die neuen Formen den Christen geholfen haben, "tiefer in die Liturgie einzudringen".
Vor allem junge Leute habe diese Theologie und die daraus folgende Praxis angesprochen, so Zauner: "Ich habe selbst eine große Freude damit. Denn es wurden durch das Konzil theologische Einseitigkeiten bereinigt". Es gehe nicht um die sprachliche Alternative "Lateinisch oder Deutsch". So habe z.B. Papst Paul VI. den Hymnus "Dies Irae" (Tag des Zornes) aus der Totenliturgie genommen, damit nicht der Eindruck entsteht, dass am Ende des Lebens ein zorniger und rächender Gott auf die Menschen wartet.
Er sei zuversichtlich, dass "wirklich gläubige Menschen Wege finden, weiterzuentwickeln, was im Zweiten Vatikanischen Konzil grundgelegt worden ist", betonte der emeritierte Linzer Pastoraltheologe. Für ihn sei die erneuerte Liturgie die Form, in der er seinen Glauben am besten ausdrücken könne - "in deutscher und in lateinischer Sprache", so Zauner.