"Hunger ist ein Angriff auf die Menschenwürde"
Wien, 31.7.07 (KAP) Als "schlimmste Form der Armut" stellt Hunger nicht nur einen Zustand unzureichender Ernährung dar, sondern einen umfassenden "Angriff auf die Menschenwürde": Dies betonte Caritas-Präsident Franz Küberl am Dienstag in Wien bei der Pressekonferenz zum Auftakt der traditionellen Caritas-Augustsammlung. Die Caritas-Augustsammlung steht im Zeichen des Einsatzes zur Überwindung des Hungers. Es sei ein "Menschenrecht, genug zu essen zu haben", so Küberl. Wo dieses Menschenrecht verletzt werde, zerstöre der Hunger "die Kreativität und die Kraft der Menschen, über den bloßen Moment hinauszudenken". Hunger mache krank, antriebslos, verzweifelt, er sei eine stetiger Angriff auf die Selbstachtung. Mehr als 850 Millionen Menschen haben weltweit nicht genug zu essen. Derzeit sterben laut Caritas-Angaben rund 18.000 Kinder täglich an den Folgen des Hungers und der Unterernährung. Küberl: "Sie sterben, weil sie nichts zu essen und nichts zu trinken haben. Sie sterben an Mangel in einer Überfluss-Welt".
Wie Küberl betonte, mache das Hungerproblem "globale Kraftakte" und eine Berücksichtigung "aller Politikfelder" notwendig. In diesem Zusammenhang erinnerte Küberl an die österreichische Selbstverpflichtung zur Erreichung der UN-Millenniumsziele, was eine Anhebung des Budgets für die Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts (BNP) bis zum Jahr 2015 bedeutet. Der Caritas-Präsident appellierte an die beiden Staatssekretäre Hans Winkler und Christoph Matznetter, den Vorschlag zur Erhöhung der österreichischen Entwicklungshilfeleistung auf 0,52 Prozent des BNP bis 2010 möglichst rasch auszuarbeiten. Eine Anhebung in diesem Ausmaß bedeute "keine unlösbare Aufgabe".
Auch müsse weiter über alternative Quellen für die notwendigen finanziellen Mittel nachgedacht werden. Die Einführung einer Devisentransaktionssteuer ("Tobin-tax") sowie die Besteuerung von Flugbenzin müsse weiterhin politisch beworben werden, außerdem forderte Küberl eine Konzentration der Zahlungen für die Entwicklungszusammenarbeit auf die ärmsten Länder. Nur so könne der "Kraftakt" gelingen, dass "aus Hoffnungslosigkeit Hoffnung, aus Würdelosigkeit Würde und aus Inhumanität Humanität wird", betonte der Caritas-Präsident.
Caritas-Lokalaugenschein im Sudan
Küberlist soeben von einem Lokalaugenschein im Sudan zurückgekehrt. Nach dem jüngsten Hochwasser Mitte Juli seien die humanitären Zustände im Land katastrophal, so Küberl. Allein in der Region um die Hauptstadt Khartum leben rund vier Millionen Inlandsflüchtlinge - zumeist Christen - aus dem Süden in Lehmhütten und anderen Behelfsquartieren. Die Inlandsflüchtlinge sind Opfer des Bürgerkriegs, der mit Unterbrechungen von der Unabhängigkeitserklärung am 1. Jänner 1956 bis vor kurzem angedauert hat (vor der Unabhängigkeit war der Sudan ein anglo-ägyptisches Kondominium). Er stehe "immer noch unter dem Eindruck der Hoffnungslosigkeit", sagte der Caritas-Präsident. Dennoch gebe es "vereinzelte Sonnenstrahlen der Hoffnung". So unterstütze die Caritas mit Spenden aus Österreich Hilfsprojekte der sudanesischen Vinzenz-Gemeinschaft unter der Leitung von Diakon Kamal Tadros in der Hauptstadtregion Khartum. Zu den Projekten der Vinzenzgemeinschaft gehören u.a. Ernährungszentren für 8.000 Babys und Kleinkinder, Waisenhäuser, Berufsausbildungszentren sowie mobile "Lastwagen-Kliniken".
Internet-Aktion mit "eBay"-Österreich
"Mit nur 26 Euro kann die Caritas ein Baby im Sudan ein halbes Jahr ernähren", so Küberl. Gemeinsam mit der Internet-Plattform "eBay"-Österreich wurde ein Projekt initiiert, bei dem unter der Internetadresse www.ebay.at/caritas Nahrungsmittelpakete für Babys und Kleinkinder im Sudan "online" gekauft werden können.
Die Caritas-Augustsammlung ist die wichtigste Sammlung im Rahmen der Auslandshilfe der Caritas; 2006 erbrachte die Sammlung 3,7 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurden weltweit von der österreichischen Caritas 572 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro finanziert, ein großer Teil davon in Afrika. (Spenden: Kto. Nr. PSK 7.700.004, BLZ 60 000, Kennwort: Augustsammlung).
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