Pfadfinder feierten 100-Jahr-Jubiläum
Vatikanstadt, 1.8.07 (KAP) Die internationale Pfadfinder-Bewegung hat ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Besuch beim Papst gefeiert. Zur Generalaudienz von Benedikt XVI. kamen am Mittwoch 200 europäische Repräsentanten der Pfadfinder in traditionellen Uniformen in den Vatikan, um an die Gründung der heute weltgrößten Jugendorganisation am 1. August 1907 zu erinnern.
Der Papst würdigte den Beitrag der Pfadfinder zum kirchlichen Leben. Ihr Versprechen verpflichte sie zum Dienst für Gott und den Nächsten. Er wünsche sich, dass die Bewegung auch künftig zur menschlichen, geistlichen und zivilen Erziehung in allen Ländern der Welt beitrage.
Der 100. Gründungstag der Bewegung (die heute rund 28 Millionen Mitglieder zählt) wurde am 1. August weltweit begangen. Der Engländer Robert Baden-Powell (1857-1941) hatte die Scout-Bewegung mit einem Camp auf der Insel Brownsea ins Leben gerufen. Ziele der Pfadfinder-Organisation sind Erziehung zu Tüchtigkeit, Pflichterfüllung und Hilfsbereitschaft sowie internationale Verständigung. Zentrum der Feierlichkeiten ist Chelmsford nordöstlich von London, wo derzeit mit rund 40.000 Teilnehmern - darunter 500 Österreichern - ein Pfadfindergroßlager, ein so genanntes "Jamboree", stattfindet. An der Eröffnung der Veranstaltung am vergangenen Wochenende nahm auch der britische Prinz William teil.
Die italienischen Bischöfe würdigten die katholischen Pfadfinder in einer Botschaft als "wertvolles Element im kirchlichen und sozialen Geflecht des Landes" und als Schule des Christseins. Die Hauptveranstaltung zu den Jubiläumsfeiern in Italien findet seit Dienstag im römischen Circus Maximus statt. Rund 10.000 Jugendliche erneuerten dort am Mittwochmorgen zeitgleich mit den Scouts weltweit ihr Pfadfinder-Versprechen.
Gottesdienst in Chelmsford
Wie der Pressesprecher der österreichischen Pfadfinder, Philipp Pertl, im Gespräch mit "Kathpress" betonte, spiele der Baden-Powell'sche Grundsatz der Verwurzelung in der eigenen Religion und der Hochschätzung der anderen Religionen eine wichtige Rolle beim laufenden Jubiläums-Jamboree in Chelmsford. So gebe es in Chelmsford eine eigene Zeltstadt "Faith and Belief", mit u.a. einer modellartigen katholischen Abtei. Am Mittwoch fanden konfessionell getrennte Gottesdienste auf der Hyland Park-Plaza zum Jubiläum statt. Geschätzte 12.000 Pfadfinder, darunter mehrere Hundert Österreicher, hätten am katholischen Gottesdienst teilgenommen, den der Erzbischof von Westminster, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, leitete.
"Der Pfadfinder sucht den Weg zu Gott"
Die Bedeutung der religiösen Komponente bei den Pfadfindern betonte im Zusammenhang mit dem Jubiläum auch der für Österreich zuständige Bundeskurat P. Franz Hauser. Der Ordensmann hatte am 17. Juni den großen Jubiläumsgottesdienst mit den österreichischen Pfadfindern katholischer Konfession in der Wiener Votivkirche gefeiert.
Im Gespräch mit "Kathpress" verwies der niederösterreichische Salesianerpater auf das Pfadfindergesetz, in dem es gleich zu Beginn wörtlich heißt: "Der Pfadfinder sucht den Weg zu Gott". Dieses Grundprinzip müsse alle Bereiche des Pfadfinderwesens durchziehen, so der Kurat, der auf Bundesebene für die Unterstützung der Pfadfinder in religiösen und spirituellen Belangen verantwortlich ist. Neben dem Bundeskuraten gibt es in Österreich auch noch eine Reihe von Landeskuraten. Ähnlich stellt auch die evangelische Kirche Kuraten für die Pfadfinder.
Die erste österreichische Pfadfindergruppe entstand 1910 in Wiener Neustadt - die heute noch bestehende "Gruppe Wiener Neustadt 1". In kurzer Zeit entwickeln sich in ganz Österreich-Ungarn zahlreiche Pfadfindergruppen.
Die Bewegung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Sie "entmilitarisierte" sich und öffnete sich, etwa in den Bereichen Soziales und Umwelt. Geblieben ist das Ziel, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.
In den vergangenen Jahren sei wieder ein deutlicher Trend hin zu mehr Spiritualität wahrnehmbar, berichtete P. Hauser. Dem wolle man von Seiten der Leitung auch durch spezielle Teams für Spiritualität entgegen kommen. Diese Teams, denen neben Priestern vor allem Laien angehören, sollen den Pfadfindern etwa bei der Gestaltung gottesdienstlicher Feiern behilflich sein, so Hauser.
Den Erfolg der Pfadfinder erklärt sich der Salesianerpater mit dem breit gefächerten Angebot: "Naturerlebnis, Persönlichkeitsbildung, Gemeinschaft, internationale Kontakte und Spiritualität. Bei den Pfadfindern geht es um den ganzen Menschen und das in sehr altersgerechter Weise". Dieser Aspekt habe ihn auch besonders angesprochen, als er - erst als 40-jähriger - zu den Pfadfindern stieß.
Als besonders wertvoll erlebe er auch, dass die Leitung der Pfadfindergruppen Erwachsenen obliege, die sich durch zahlreiche Schulungen dafür qualifizieren müssen. Das garantiere neben Qualität auchBeständigkeit. P. Hauser: "Wer einmal einige Jahre bei den Pfadfindern war, der ist davon sein Leben lang geprägt und kann sehr viel Wertvolles mitnehmen".
