Theologe Metz in Salzburg ausgezeichnet
Salzburg, 2.8.07 (KAP) Der Münsteraner Theologe em. Prof. Johann Baptist Metz wurde mit dem "Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen" ausgezeichnet. Die Jury würdigte am Donnerstagabend das Lebenswerk des Priesters, der als Begründer der "Neuen Politischen Theologie" gilt. Mit seinen Werken "Theologie der Welt", "Glaube in Geschichte und Gesellschaft" oder "Gottespassion" habe Metz eine unverwechselbare Perspektive in der modernen Theologie eröffnet, so die Jury.
Metz ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Theologen. Großen Einfluss hatte er auf die Befreiungstheologie in Lateinamerika. Als Berater prägte er in den siebziger Jahren die Würzburger Synode der deutschen Diözesen. Für sein Lebenswerk wurde Metz mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er in Wien die Ehrendokotorwürde sowie die Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
Der 1928 im oberpfälzischen Auerbach geborene Metz studierte in Bamberg, Innsbruck und München Philosophie und Theologie. 1954 wurde er zum Priester geweiht, ab 1963 lehrte er an der Universität Münster. Nach seiner Emeritierung hatte er in den neunziger Jahren eine Gastprofessur in Wien inne.
Publikumspreis für junge Theologin
Der mit 1.000 Euro dotierte "Publikumspreis für wissenschaftliche Kommunikation" der "Salzburger Hochschulwochen" wurde heuer zum zweiten Mal vergeben und ging an die Theologin Kristell Köhler. Die Theologin sprach in ihrem Vortrag "Wer bin ich? Macht und Ohnmacht in der Offenbarung des Johannes" von der "Offenbarung des Johannes" (Apokalypse) als einer "Gegenwelt, in der das Böse endgültig besiegt wird". Angesichts der Bedrohung der jungen Christenheit durch die römische Staatsmacht habe die Notwendigkeit innerer Krisenbewältigung durch den Aufbau von Gegenwelten bestanden: "Nur wo ein Ausweg angeboten wird, kann vermittelt werden, dass Geschichte einen Sinn macht. Erst dann wird es für den Einzelnen sinnvoll, selber Stellung zu beziehen". Der Autor der "Apokalypse" greife auf eine vorgefundene Symbolwelt zurück, "die kreative Leistung liegt in der Zusammenstellung der Bilder, mit der er gekonnt spielt und die dem Leser die Möglichkeit gibt, die Bilder neu zu denken".
Die Zuhörerschaft in Salzburg war beeindruckt - und vergab für diesen inhaltlich fundierten und sprachlich gut nachvollziehbaren Vortrag mit großer Mehrheit den ersten Preis des "Publikumspreises für wissenschaftliche Kommunikation". Die Preisträgerin Kristell Köhler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neues Testament der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn. Mit dem Preis verbunden ist die Veröffentlichung des Sieger-Vortrags im Tagungsband der "Hochschulwochen".
Als Kommunikationsprofi erwies sich der 1973 in Köln geborene Jürgen Nielsen-Sikora, Lehrbeauftragter der Steinbeiß-Hochschule Berlin und Mitarbeiter am "Historischen Seminar Köln". Er erhielt den mit 500 Euro dotierten zweiten Preis für seine Ausführungen zum Thema "Von Übermenschen und Untertanen". Er unterhielt mit launigen Vergleichen der politischen Verhaltensweisen der Regierung Bush und den Machenschaften des Film-Bösewichts Darth Vader in "Star Wars". "Es ist leichter, gigantisch zu sein, als gut", war Nielsen-Sikoras Grundthese.
Er lag mit einer Stimme vor der dritten Preisträgerin Maria Katharina Moser, die sich der Wahl mit dem soziologischen Thema "Sind Opfer absolut ohnmächtig" stellte. Moser ist Assistentin am Lehrstuhl für Sozialethik und Praktische Theologie der Universität des Saarlandes. Sie sprach über die positiven und negativen Auswirkungen der "Opferrede", also des beinahe inflationären Redens über "Opfer". Im Umgang mit weiblichen Opfern sexueller oder körperlicher Gewalt schreibe die "Opferrede" die betroffenen Frauen häufig auf ihre passive Opferrolle fest und beraube sie einmal mehr ihrer persönlichen und körperlichen Integrität.
