"Kardinal Lustiger war ein wahrhaft großer Bischof"
Wien-Paris, 6.8.07 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat am Montag seine "tiefe Anteilnahme" mit der Erzdiözese Paris und der katholischen Kirche in Frankreich angesichts des Todes von Kardinal Jean-Marie Lustiger bekundet. Im Gespräch mit "Kathpress" sagte der Wiener Erzbischof, er sei "tief betroffen" durch den Tod "dieses wahrhaft großen Bischofs". Kardinal Schönborn hatte Lustiger noch vor 14 Tagen in Paris besucht, der Pariser Alterzbischof verabschiedete sich mit den Worten: "Au revoir, Aufwiedersehen - hier oder drüben".
Die 24 Jahre Lustigers als Erzbischof von Paris hätten einen "Wendepunkt" in der Geschichte der Kirche in der französischen Hauptstadt bedeutet, sagte Kardinal Schönborn: "Die jungen Priester sprechen von der Zeit 'vor' und 'nach' Lustiger". Lustiger sei von seiner Ernennung zum Erzbischof 1981 an zielstrebig die Erneuerung der Kirche in Paris angegangen. Eckpunkte dieser Erneuerung seien die Formung eines "gut ausgebildeten" und "auch zahlenmäßig beeindruckenden" Klerus, die "Option für die Pfarrgemeinde" und die Betonung eines "geistlichen und intellektuellen Profils", das "die Kirche in Paris zu einer unüberhörbaren Stimme gemacht hat". Zugleich sei Lustiger eine "führende Gestalt in der französischen Öffentlichkeit" gewesen, "eine Stimme, die Gewicht hatte" und in "diesem intellektuell reichen Land" zu den "bedeutsamsten" zählte.
Der in Lustigers Biografie wurzelnde Einsatz für das christlich-jüdische Gespräch sei in den letzten Jahren zunehmend Herzstück der Tätigkeit des Pariser Alterzbischofs geworden, erinnerte Kardinal Schönborn. In diesem Zusammenhang verwies der Wiener Erzbischof insbesondere auf die von Lustiger initiierten Treffen zwischen Kardinälen und Rabbinern. An der ersten Begegnung dieser Art in New York hatte der Wiener Erzbischof selbst teilgenommen; inzwischen habe es vier solcher Treffen gegeben, mit denen "ein Vertrauen und eine Offenheit" gewachsen seien, die es vorher nicht gab.
Im Gespräch mit "Kathpress" unterstrich Kardinal Schönborn, dass ihn in den letzten Jahren das "Projekt Stadtmission" immer wieder mit Kardinal Lustiger zusammengeführt habe. Lustiger sei der "geistige Motor" dieses Projekts gewesen, er habe das "Grundkonzept" formuliert, das mittlerweile schon in mehrereneuropäischen Metropolen zum Tragen gekommen sei.