Papstbesuch hat auch starken sozialen Aspekt
Wien, 7.8.07 (KAP) Gottes- und Nächstenliebe sind zwei Seiten einer Medaille, hat Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika "Deus Caritas est" betont. Das wird auch bei seinem kommenden Österreich-Besuch deutlich: Die Kollekte der beiden Gottesdienste in Mariazell (8. September) und Wien (9. September) kommt Hilfsprojekten in Wien und Bosnien zu Gute. Jeweils die Hälfte der Kollekte geht an die Caritas für ihre Hilfe für Mütter und Kinder in Not sowie an die Erzdiözese Sarajevo für ihren Europakindergarten.
Unmittelbar nach dem Mitteleuropäischen Katholikentag im Mai 2004 sind die Diözesen Gurk und Sarajevo eine Diözesanpartnerschaft eingegangen. Seither gibt es regelmäßige gegenseitige Besuche, von Seiten der Kärntner werden karitative Projekte in Bosnien unterstützt. Eines dieser Projekte ist der "Europakindergarten" am Stadtrand von Sarajevo, der derzeit gebaut wird. Noch ist der Kindergarten eine Baustelle, doch mit Hilfe der Gelder vom Papstbesuch könnte es sich ausgehen, dass das Bauvorhaben noch im Herbst fertig wird, so Kurt Haber, der in der Diözese Gurk für die Partnerschaft zuständig ist. Er spricht von einer "besonders sinnvollen Investition in die Zukunft des Landes".
Der Kindergarten soll grundsätzlich Kindern aus allen Konfessionen offen stehen, aber natürlich soll damit auch die katholische Minderheit in und um Sarajevo gestärkt werden, wie Haber betont. Nur rund zehn Prozent der Bevölkerung im Großraum Sarajevo sind katholisch. Der Dialog mit der muslimischen Mehrheit sei nicht immer ganz einfach.
Umso notwendiger bräuchten die bosnischen Katholiken die Unterstützung aus dem Ausland. Haber: "Die Menschen fühlen sich vielfach im Stich gelassen. Wir wollen ihnen zeigen, dass das nicht so ist". Zuletzt besuchte der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz im April Sarajevo und machte sich von den Baufortschritten beim Kindergarten ein Bild.
Der Europakindergarten ist aber nur ein Projekt im Rahmen der Diözesanpartnerschaft. Auf verschiedenen Ebenen wie Pfarren, Schulen, Priesterseminare, Caritasorganisationen wurden Kontakte geknüpft.
"Freunde des Lebens"
Das innerösterreichische Caritas-Projekt, das aus der Kollekte der Papstgottesdienste finanziert wird, soll deutlich machen, dass Christen "Freunde des Lebens" sind. Für viele Frauen, die zur Caritas kommen und Hilfe brauchen, ist die Geburt eines Kindes überschattet von existenziellen Sorgen: Sorgen um das Wohl des Kindes, um das finanzielle Auskommen, um das "Wohin" und "Wie kann es weitergehen". In den Beratungsstellen der Caritas finden sie ein offenes Ohr, konkrete Hilfe und auch finanzielle Unterstützung, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu erfüllen. Zusätzlich gibt es gratis Babykleidung, Babyausstattung oder Gutscheine, wenn Möbel oder Lebensmittel benötigt werden.
Die Caritas betreibt österreichweit 32 Sozialberatungsstellen und acht Mutter-Kind-Häuser. In diesen Häusern können Mütter mit ihren Kindern nach schwierigen Erfahrungen wie Delogierung, Trennung oder Gewaltausübung des Partners eine Herberge finden. Meist leben sie ein bis zwei Jahre in den Zimmern und kleinen Wohnungen und erhalten Unterstützung, um ihr Leben wieder neu zu orientieren.
Wenn sich Frauen ein Leben mit ihrem Kind aber überhaupt nicht vorstellen können, haben sie die Möglichkeit, ihr Kind an einem sicheren Ort, der sogenannten "Babyklappe", anonym abzugeben. So bietet etwa die Caritas in Graz Frauen, die diese Babyklappe in Anspruch nehmen, eine spezielle anonyme Beratung und Betreuung an. Denn auch in diesen Fällen sei es wichtig, Frauen in Not nicht im Stich zu lassen, sondern ein offenes Ohr für ihre Sorgen zu haben und ihnen professionellen Beistand zu bieten.