Papst Benedikt XVI. hat österreichische Wurzeln
Linz, 13.8.07 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat österreichische Wurzeln. Die Autoren Christoph Hurnaus und Martin Kugler haben in ihrem Buch "Papst Benedikt XVI. und Österreich" darauf aufmerksam gemacht, die Linzer Tageszeitung "Neues Volksblatt" ist jetzt nachgestoßen. Die Wurzeln von Benedikt XVI. weisen nach Freinberg im Bezirk Schärding - einem Gebiet, das allerdings erst im späten 18. Jahrhundert österreichisch wurde.
Unter Berufung auf den Passauer Diözesanarchivar Wolfgang Fronhöfer sind im Buch von Hurnaus und Kugler die entsprechenden Details zu erfahren. So bewohnte um 1600 das Bauernpaar Georg und Apollonia Ratzinger den "Ratzingerhof" in Freinberg, das bis 1786 zur Pfarre St. Severin in Passau-Innstadt gehört hatte. Seit 1786 ist die nunmehr oberösterreichische Pfarre Freinberg selbständig.
Um 1688 zogen die Vorfahren von Papst Benedikt XVI. nach Unterhaselbach bei Tiefenbach, nördlich von Passau. Die nächste Generation lebte in Thalham in der Pfarre Kirchberg vorm Wald, die übernächste in Kading in der Pfarrei Schwanenkirchen. Um 1801 erwarben die väterlichen Vorfahren Joseph Ratzingers einen Hof in Rickering in der Pfarre Schwanenkirchen im Bayrischen Wald, wo auch der Vater des Papstes geboren wurde.
"Ich bin sehr stolz darauf, dass immer wieder Leute kommen, die interessiert sind, die Wurzeln des Papstes zu sehen", sagte der jetzige Bewohner des Freinberger "Ratzingerhofs", Johann Schachner, im Gespräch mit dem "Neuen Volksblatt". Seine Familie wohnt seit 1930 auf dem "Ratzingerhof". Der Name des Hofes geht bis ins 15. Jahrhundert, zu einem gewissen Jakob Ratzinger, zurück. Von diesem sollen alle weiteren Ratzingers abstammen.
Diözesanarchivar Fronhöfers Forschungen bestätigten den Stammbaum. Dieser hängt mittlerweile auch in dem als Museum gestalteten Papst-Geburtshaus in Marktl am Inn.
Immer mehr Menschen interessieren sich für den Hof aus dem 15. Jahrhundert und besuchen die Familie Schachner in Freinberg. "Mein Vater hat 1930 auf den Hof geheiratet", so Schachner: "Das Holzhaus ist sehr gut erhalten, wir haben jedoch etwas renoviert und das Dach erneuert".
Auch Vorfahren aus Südtirol
Der Papst hat aber auch Vorfahren aus Altösterreich, nämlich aus Südtirol. Seine Mutter,Maria Peintner, wurde am 8. Jänner 1884 in Mühlbach am Eingang des Pustertales geboren. Eine entsprechende Eintragung im Taufbuch wurde erst vor drei Jahren entdeckt.
Der Aufenthalt seiner Mutter in Südtirol war allerdings nur kurz. Unmittelbar nach der Geburt wanderten Ratzingers Großeltern mütterlicherseits nach Bayern aus, wo seine Mutter am 25. Februar auch getauft wurde.
Ratzingers Großeltern hießen Maria Tauber und Anton Peintner. Anton Peintner wurde am 3. Mai 1862 in Mühlbach geboren. Von Maria Tauber scheint hingegen kein Geburtsdatum auf. Die beiden lebten in einem Häuschen, einer "Schupfe", an einer Mühle am Valser Bach, berichtete Pfarrer Hugo Senoner. Die "Schupfe" befand sich wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe des "Moosmüllerhofes".
Am 8. Jänner 1884 kam Töchterchen Maria zur Welt, die spätere Mutter von Georg, Joseph und Maria Ratzinger. Bald nach der Geburt des Töchterchens verließ die Familie das Dorf. Höchstwahrscheinlich deshalb, weil die Fluten des Valser Bachs die Mühle und das Häuschen mitgerissen hatten.
Die Eltern zogen nach Bayern. In Oberaudorf wurde Maria Peintner am 25. Februar 1884 getauft; das Töchterchen war ein uneheliches Kind. Die Eltern Anton Peintner und Maria Tauber heirateten aber später kirchlich. Wie aus der Eintragung im Taufbuch hervorgeht, wurde die Ehe staatlich allerdings nicht anerkannt. Über die Gründe gebe das Taufbuch nicht Aufschluss, so die Südtiroler Tageszeitung "Dolomiten".
Aus dem Mühlbacher Taufbuch geht weiters hervor, wie die Urgroßeltern (mütterlicherseits) des Papstes hießen: Anton und Elisabeth Tauber. "Urgroßvater Anton Tauber war Müllermeister", so Pfarrer Senoner.
Marktl gehörte zur Erzdiözese Salzburg
Auch der Geburtsort des Papstes, Marktl am Inn, hat eine "österreichische" Vergangenheit, denn es handelt sich um eine alte Salzburger Pfarre. Heute gehört die Pfarre allerdings zur Diözese Passau. Die napoleonischen Wirren beendeten die Zugehörigkeit zur Erzdiözese Salzburg.
Marktl war bis dahin Teil des Salzburg unterstellten Archidiakonats Gars am Inn. Das vom Garser Stiftspropst geleitete Archidiakonat Gars zählte 50.000 Katholiken in 77 Pfarren. Nach der Säkularisation kam der größere Teil der Salzburger Pfarren westlich des Inn zur Erzdiözese München und Freising, einige auch an Passau. Gars mit seinen 1.100 Gläubigen wurde königliche Patronatspfarre.
Die Geschichte von Gars geht bis ins Jahr 764 zurück. Nach dem Willen des Salzburger Bischofs Virgil sollte das Benediktinerkloster Gars vor allem als Ausgangspunkt für eine flächendeckende Missionierung der ländlichen Gebiete dienen. Außerdem wurde hier eine Klosterschule errichtet.
1122 ging Kloster Gars an die Augustiner-Chorherren über. Im Dreißigjährigen Krieg durchlebte das Kloster eine tiefe Krise. Als 1632 die Schweden über den Inn anrückten, flohen die meisten Chorherren ins Kloster Herrenchiemsee. Durch die aus Graubünden stammenden Architekten und Baumeister aus der Zucalli-Familie wurden die Klosteranlagen wiederaufgebaut.
Im Jahre 1803 wurde durch die Maßnahmen der Säkularisation das Augustiner-Chorherrenstift aufgelöst. 1858 bezogen die Redemptoristen die zum Teil verfallenen Klostergebäude und errichteten ein Progymnasium, an dem unter anderem der im Jahr 1988 selig gesprochene Pater Kaspar Stanggassinger (1871-1899) als Internatserzieher wirkte. Im Jahr 1907 entstand in Gars eine Philosophisch-Theologische Hochschule, an der bis 1973 die Kleriker der Münchner Provinz ihr Theologiestudium absolvierten. Nach der Schließung der Hochschule wurde das Institut für Lehrerfortbildung errichtet.