"Forum Ostarrichi": Mehr Leidenschaft in der Kirche
St. Pölten, 25.8.07 (KAP) "Ich wünsche mir von mir und anderen mehr leidenschaftliches Engagement in der Kirche": Wie die Wiener Theologin Veronika Prüller-Jagenteufel beim diesjährigen "Forum Ostarrichi" des Katholischen Laienrates in Neuhofen an der Ybbs ausführte, gelte es in der Kirche mehr Mut zu zeigen. Die Katholiken sollten sich mit ganzem Herzen und nicht mit quasi angezogener Handbremse engagieren. "Könnten wir nicht Leidenschaft als Strukturprinzip auch in unseren Gemeinden und kirchlichen Gruppen mehr zum Tragen kommen lassen?", fragte die Theologin in ihrem Referat über heutige Herausforderungen an die Kirche.
Als feministische Theologin wolle sie auch "leidenschaftlich, nicht gehässig", um den Weg der Kirche streiten, so Prüller-Jagenteufel weiter: "Wenn wir einander mehr von dem zeigen würden, wofür tief drinnen unser Herz schlägt, würden wir uns vielleicht leichter tun, zu verstehen, warum wir uns für verschiedene Richtungen einsetzen." Dem allem liege zu Grunde: "Heute Christ zu sein und Kirche zu leben, das gelingt mir wohl dann am besten, wenn ich Gott leidenschaftlicher zu lieben lerne".
Im Mittelpunkt des diesjährigen "Forum Ostarrichi" steht das Thema "Bauplatz Kirche". Veronika Prüller-Jagenteufel unterstrich, dass es dabei nicht um "wohlfeile Ratschläge an die Kirchenleitung" gehe: "Herausforderungen für die Kirche sind zunächst vor allem als solche relevant, die ganz konkret mich selbst in Anspruch nehmen".
Im Blick auf die gegenwärtigen "Zeichen der Zeit" und deren Deutung im Licht des Evangeliums nahm die Theologin Bezug auf die bereits von Papst Johannes XXIII. in seiner Enzyklika "Pacem in terris" (1963) genannten "Aufbrüche", die im Prinzip immer noch aktuell seien: den Aufbruch der Arbeiterschaft, den Aufbruch der Völker des "Südens" und den Aufbruch der Frauen. "Ich kann und will nicht mehr Kirche sein, Teil der Nachfolgegemeinschaft Jesu Christi, ohne in irgendeiner Form am Großprojekt einer gerechten Gesellschaft des guten Lebens für alle beteiligt zu sein", so Veronika Prüller-Jagenteufel wörtlich. Konkretes soziales Engagement könnten jeder Christ und jede Christin im je eigenen Bereich umsetzen: "Da gibt es z.B. die Therapeutin, die einen Teil ihrer Zeit Bedürftigen gratis zur Verfügung stellt; da gibt es die Pfarrgemeinde mit Notunterkunft für Asylanten; da gibt es Kirchenvertreter, die sich in der Öffentlichkeit für sozialpolitische Anliegen stark machen..."
Veronika Prüller-Jagenteufel erteilte jedem "Kulturpessimismus" eine Absage. Die Gesellschaft sei nicht nur "erlösungsbedürftig", sie sei auch "Ort der Gegenwart und des Segens Gottes". Durch alle Ambivalenzen hindurch müssten Orte und Entwicklungen entdeckt werden, in denen "Menschen mehr zu Menschen im Sinne von 'Ebenbild Gottes' werden".
Kirche muss im Internet präsent sein
Walter Fikisz, Chefredakteur der Eisenstädter "KirchenZeitung", stellte am Samstag beim "Forum Ostarrichi" neue technische Möglichkeiten der Kommunikation vor. Den kontinuierlichen Einbußen im Bereich der Leserzahlen kirchlicher Printmedien stehe ein "enormer Anstieg der Benutzerzahlen kirchlicher Online-Angebote" gegenüber, erläuterte Fikisz. Dem Internet komme dadurch - auch als eine Möglichkeit der Seelsorge - eine immer bedeutendere Rolle zu. Vor allem, wenn es um die jüngere Generation gehe: "Soll es kirchlichen Institutionen heute gelingen, Jugendliche zu erreichen, so müssen sie auch die Sprache der Jugendlichen sprechen und deren gewohnte Kommunikationskanäle nützen".
Den Mitgliedern des Laienrates stellte Fikisz neue Anwendungsmöglichkeiten im Internet wie "weblogs" oder "podcasts" vor und präsentierte erste diesbezügliche Versuche auf katholischen Websites. Gleichzeitig betonte Fikisz aber auch die Schattenseiten vieler neuer Medienformate: Kurzlebigkeit und fehlende Möglichkeiten der Archivierung. Als eine Form niederschwelliger Angebote stellte er die erfolgreiche SMS-Aktion der Diözese St. Pölten sowie die aktuelle Papst-SMS-Aktion vor. In beiden Fällen können Handybesitzer nach Anmeldung über einen bestimmten Zeitraum täglich ein Bibel- bzw. Papst-Zitat als SMS erhalten.