Österreicher leisten in Rumänien Versöhnungsarbeit
Sibiu, 7.9.07 (KAP) Österreicher leisten in Rumänien Versöhnungsarbeit zwischen der rumänisch-orthodoxen und der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche. Die Stiftung "Pro Oriente" präsentierte am Donnerstagabend bei der Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) in Sibiu ein interkonfessionelles Forschungsprojekt, das die historischen Wurzeln der gegenwärtigen Spannungen zwischen den beiden Kirchen aufarbeitet. Bei dem Hearing informierten der Präsident der Stiftung "Pro Oriente", Hans Marte, der Ostkirchenfachmann und Initiator des Projektes, em. Prof. Ernst-Christoph Suttner, der rumänisch-orthodoxe Kirchenhistoriker Prof. Viorel Ionita und die in Alba Iulia lehrende griechisch-katholische Kirchenhistorikerin Laura Stanciu. Mehr als 100 Interessierte - darunter ein Großteil der österreichischen EÖV3-Delegation - hatten sich zu dem Hearing in der Aula der Orthodoxen Fakultät von Sibiu eingefunden.
Präsident Marte erläuterte die historischen Hintergründe: Die rumänische griechisch-katholische Kirche (RGKK) entstand im Lauf des 18. Jahrhunderts, nachdem die Habsburger ihren Einflussbereich nach Südosteuropa ausgeweitet hatten. Im 20. Jahrhundert waren zunächst beide Kirchen als Staatskirchen anerkannt, das Verhältnis beider Kirchen war gut. Nach der Machtübernahme der Kommunisten wurden die Unierten 1948 verboten, die Kirche ging in den Untergrund.
Die "Wende" 1989 brachte die Aufhebung des Verbots, allerdings nicht die Rückgabe der enteigneten, meist von der rumänisch-orthodoxen Kirche übernommenen Kirchengüter. Seither herrscht Streit um die Restitution: Die RGKK verlangt die Rückerstattung aller Kirchengebäude, die ihr vor 1948 gehörten, der rumänische Staat will nur entsprechend der heutigen Anzahl der Gläubigen restituieren. Die Angaben über die Zahlen schwanken: Bei der Volkszählung von 1992 bezeichneten sich nur 228.000 Rumänen als griechisch-katholisch, die RGKK selbst dagegen gibt die Zahl ihrer Gläubigen mit einer dreiviertel Million an.
In der Forschungsgruppe von "Pro Oriente" arbeiten unter der Leitung von Prof. Suttner seit nunmehr sechs Jahren Wissenschaftler aus allen fünf Konfessionen Siebenbürgens (neben rumänisch-orthodoxen und griechisch-katholischen auch römisch-katholische, lutherische und reformierte Fachleute) zusammen, um - wie Marte sagte - herauszufinden, "was damals wirklich geschah und aus welchen Gründen". Ziel sei eine von allen getragene Publikation, die zur Aussöhnung der Kirchen beitragen soll. Dogmatische Differenzen zwischen den Konfessionen seien dabei nicht das Problem, so Marte, es gehe vielmehr um "außertheologische Hindernisse".
Prof. Ionita nannte gegenüber "Kathpress" die Restitutionsfrage als Hauptkonfliktpunkt. Einen wichtigen positiven Impuls zur Beseitigung der alten Konfliktlinien hätten Johannes Paul II. und der kürzlich verstorbene rumänisch-orthodoxe Patriarch Teoctist I. im Zuge der Rumänienreise des Papstes im Mai 1999 gegeben. Sie und der Gegenbesuch Teoctists im Oktober 2002 seien wichtige Etappen des Dialogs gewesen, so Ionita.
Dialog auch mit siebenbürgischen Juden
Die österreichische EÖV3-Delegation pflegt in Sibiu auch die interreligiösen Beziehungen: Auf Initiative des Generalsekretärs des österreichischen Koordinierungssausschusses für christlich-jüdische Begegnung, Markus Himmelbauer, besuchte eine Gruppe von 35 Delegierten die Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Synagoge und den dortigen Rabbiner, der die 32 noch in Sibiu lebenden Juden betreut. Obwohl die jüdische Gemeinde Sibius während des Zweiten Weltkrieges von Verfolgung weitgehend verschont blieb, habe sich die Zahl der Gläubigen durch Emigration nach Israel in den letzten Jahrzehnten stark dezimiert, berichtete Himmelbauer. Der Weiterbestand der Gemeinde sei mittelfristig gefährdet.
Himmelbauer erinnerte daran, dass die EÖV2 1997 in Graz auf österreichische Initiative in der Schlusserklärung Freude darüber zum Ausdruck gebracht habe, dass das Judentum in Europa wieder wächst. Er sprach sich dafür aus, dass auch bei der Versammlung in Sibiu "theologisch nicht ausgeblendet" werde, dass Juden und Christen an den einen "Gott Israels" glauben. (ende)
