Küberl begrüßt Schönborn-Appell in Sachen Abtreibung
Wien, 13.7.09 (KAP) Caritas-Präsident Franz Küberl hat am Donnerstag im Gespräch mit "Kathpress" das neue Nachdenken über die Abtreibung begrüßt, das durch die Rede von Papst Benedikt XVI. in der Hofburg und den Appell von Kardinal Christoph Schönborn zur Bildung einer "Allianz für das Leben" ausgelöst wurde. Insbesondere müsse auch die stärkere Berücksichtigung der Verantwortung der Väter eingemahnt werden. "Wir müssen in Österreich eine Form finden, dass über verantwortete Vaterschaft mehr gesprochen wird", so der Caritas-Präsident wörtlich. Alle Fragen rund um werdende Leben seien bislang meist reine Frauenfragen. Das greife aber zu kurz.
Küberl forderte weiters einen starken Ausbau der psycho-sozialen Beratung für Frauen in schwierigen Situationen sowie ein massives Umdenken im Bereich der Wirtschaft in Richtung Frauen- und Kinderfreundlichkeit. Heute hätten schwangere Frauen praktische keine Chance auf Arbeit. In Zukunft müsse die Wirtschaft solche Frauen aber bevorzugt behandeln. Es brauche viel mehr persönliche Unterstützung sowie Respekt und Achtung diesen Frauen gegenüber, die nicht zuletzt die "Hoffnungsträgerinnen der Zukunft" seien.
Der Caritas-Präsident betonte die Bereitschaft seiner Organisation, Initiativen für das Leben mitzutragen.
"Aktion Leben" erfreut
Die "Aktion Leben" zeigte sich am Donnerstag erfreut, dass sich Kardinal Schönborn für einen "Runden Tisch" zur Umsetzung der "Flankierenden Maßnahmen" zum Schutz des Lebens einsetzt. Das sei auch eine langjährige Forderung der "Aktion Leben". "Wir wünschen uns, dass diesem Anliegen nun, über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg, Gehör geschenkt wird", betonte die Generalsekretärin der "Aktion Leben", Martina Kronthaler.
Die "Aktion Leben" trete für einen Maßnahmenkatalog zur Linderung der Not vieler schwangerer Frauen und für ein kinderfreundliches Österreich ein, erinnerte die Generalsekretärin. Dazu gehöre u.a. die Schaffung unabhängiger Schwangerenberatungsstellen, die kontinuierliche Werbung für Schwangerenberatung durch die öffentliche Hand, die Einrichtung eines staatlichen Hilfsfonds für Schwangere in Not sowie "vielfältige und kreative Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie". Es müsse aber auch die Bereitschaft bestehen, Frauen in schwierigen Situationen - wie etwa einer überraschenden Schwangerschaft - beizustehen. (Infos: Internet: http://www.aktionleben.at/).
KAÖ verweist auf Problem "Spätabtreibung"
Die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Luitgard Derschmidt, sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien, ihre Organisation unterstütze voll die Forderungen Kardinal Schönborns. Besonders wichtig sei die Erforschung der Motive von Abtreibungen, um aufzuzeigen, in welchen Bereichen vor allem unterstützende Maßnahmen gesetzt werden müssen.
Ein großes Problem seit weiters die Spätabtreibung bei einer vermeintlichen Behinderung des Kindes. Das widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz der österreichischen Verfassung und diskriminiere auch alle lebenden Menschen mit Behinderung. Hier hält Luitgard Derschmidt eine Grundsatzdiskussion für absolut notwendig: "Kein Mensch darf über Wert oder Unwert menschlichen Lebens entscheiden". Die Geschichte des 20. Jahrhunderts habe gezeigt, wozu eine solche Wertung führen kann, sagte die KAÖ-Präsidentin.
Um Verbesserungen in Richtung einer kinderfreundlicheren Gesellschaft zu erreichen, schlug Derschmidt u.a. die Einführung einer Familienverträglichkeitsprüfung bei allen Gesetzen vor. (ende)