Hospizbewegung: Ausbau durch neue Kooperationen
Wien, 5.10.07 (KAP) Zur Förderung und zum Ausbau der ehrenamtlichen Hospizarbeit in Österreich hat der Dachverband Hospiz Österreich mit dem "Österreichischen Sparkassenverband" eine zweijährige Kooperation vereinbart. Wie die Vorsitzende von "Hospiz Österreich", Sr. Hildegard Teuschl, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien betonte, sollen die von der Sparkassengruppe zur Verfügung gestellten Mittel von jährlich 60.000 Euro insbesondere in die Finanzierung der Ausbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiter im Bereich der mobilen Hospizarbeit sowie der Sterbebegleitung fließen. Darüber hinaus sollen Strukturen zur Supervision der derzeit rund 3.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter geschaffen werden und der Spesenersatz neu geregelt werden.
Weitere Verträge auf Bundesländerebene ermöglichen die Nutzung von Sparkassen-Räumen zu Schulungszwecken oder für Hospiz-Tagungen. Außerdem soll eine erste Kontaktaufnahme mit den regionalen Hospizeinrichtungen in den Filialen der örtlichen Sparkassen ermöglicht werden.
"Wir brauchen eine 'Pflegestufe H'"
Laut Prof. Karl Harnoncourt, Obmann des Hospizverbandes Steiermark und federführend bei der Ausarbeitung des Kooperationsvertrags mit der Sparkassengruppe, bedarf es weiterer gesetzlicher Klärung im Bereich Hospizbegleitung. So forderte Harnoncourt: "Wir brauchen eine 'Pflegestufe H', die es ermöglicht, dass ein Hospizpatient finanziell abgesichert ist und bis zu seinem Tod zu Hause in einem Pflegeheim oder in einem Hospiz leben kann." Derzeit gebe es in Österreich auf Grund der unterschiedlichen Zuständigkeiten auf Ebene der Ministerien einen "gesetzgeberischen Stillstand".
Für den Bereich der Palliativmedizin zeichnet derzeit das Bundesgesundheitsministerium verantwortlich, für den Bereich Pflegegeld/Hospizpflege sind das Sozial- sowie das Wirtschaftsministerium zuständig. Die Förderung ehrenamtlicher Strukturen wiederum liegt in der Verantwortung der Länder und Gemeinden. Hier sei eine dringende Klärung der Kompetenzen gefordert, damit in den nächsten Jahren ein österreichweites Netz ehrenamtlicher Mitarbeiter geschaffen werden kann, das die öffentlichen Hospiz-Einrichtungen effektiv unterstützt, betonte Harnoncourt.
Österreich europaweit führend
Wie Teuschl weiters betonte, sei Österreich auf dem Sektor der Palliativmedizin und Hospizarbeit europaweit führend. Dazu habe sowohl die Einigkeit der Landeshospizverbände in der Schaffung gemeinsamer Standards beigetragen als auch die Professionalisierung der Ausbildung. Derzeit müssten Ehrenamtliche einen 70-stündigen "Befähigungskurs" sowie ein Praktikum absolvieren, bevor sie als Sterbebegleiter tätig werden können, so Teuschl.
Im Jahr 2006 wurden in Österreich allein durch die mobilen Hospizteams rund 7.000 Sterbende betreut. Die geleistete ehrenamtliche Arbeit belief sich auf rund 260.000 Stunden. Derzeit sind österreichweit 120 mobile Hospizteams im Einsatz, weiters sechs stationäre Hospize, zwei Tageshospize, 22 Palliativstationen, 26 mobile Palliativteams und 25 Palliativkonsiliardienste, die in Einrichtungen fachlich beratend zur Seite stehen.
Am Samstag, 6. Oktober, wird der "Internationale Hospiz- und Palliative Care-Tag" begangen. Ziel des Tages ist es, auf die Situation schwer kranker und sterbender Menschen aufmerksam zu machen und die Hospizarbeit und Palliativmedizin stärker ins Bewusstsein zu rücken. In den vergangenen Jahren beteiligten sich über 70 Länder mit Konzerten ("Voices for Hospices"), Vorträgen, Workshops und Hospizbesuchen an dem Hospiztag. In Österreich gibt es in allen Bundesländern Fachtagungen, Vorträge und Filmvorführungen. (Informationen: www.hospiz.at bzw. www.worldday.org (ende)
