Gesamtschule auch an katholischen Privatschulen möglich
Wien, 13.10.07 (KAP) Die Leiterin des Schulamtes der Erzdiözese Wien, Christine Mann, kann sich eine Teilnahme katholischer Privatschulen am Modellprozess "Neue Mittelschule" vorstellen. Dies könnte gerade dort geschehen, wo in kirchlichen Schulzentren Gymnasium und Hauptschule schon derzeit parallel betrieben werden, sagte Mann im ORF-Mittagsjournal am Samstag. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) und VP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer haben sich diese Woche auf Eckpunkte zur Schaffung von Modellregionen für eine Gesamtschule ("Neue Mittelschule") für die 10- bis 14-Jährigen geeinigt. Kommende Woche sollen weitere Details verhandelt werden.
Laut Mann "wird und soll es nicht sein", dass sich katholische Privatschulen künftig nur als Eliteschulen für jene positionieren, die nicht die "Neue Mittelschule" besuchen wollen. "Es wäre erstmalig, dass sich die katholischen Privatschulen einer Entwicklung nur verweigern und nur sagen: Wir sind die große Alternative. Das war nie unsere Philosphie", hob die Wiener Schulamtsleiterin hervor.
Katholische Privatschulen hätten beim "Pisa-Test" besonders gut abgeschnitten, "und es wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre; wir haben jahrhundertelange Erfahrung als Kirche in Sachen Bildung", so Mann. Es sei es aber immer Anliegen der Kirche gewesen, dass es gute Schulen für alle gibt.
Im ORF-Mittagsjournal kam auch der Direktor des von den Benediktinern geführten Wiener Schottengymnasiums, P. Johannes Jung, zu Wort. Es sei zu erwarten, dass bei Nichtteilnahme einer Schule an dem Modellprozess "Neue Mittelschule" diese einen weiteren Zustrom erlebe, gerade bei Schulen wie dem Schottengymnasium, "von denen man annimmt, dass schon jetzt von den Anforderungen her eine gewisse Latte legen". Das Schottengymnasium könne schon derzeit jedes Jahr nur 50 neue Schüler aufgenommen werden, zwei Drittel der Interessenten müsse man trotz guter Eignung wegschicken. Seine Schule habe aber - so Jung - auch schon Kinder aufgenommen, die in Hauptschulen Schwierigkeiten hatten und "abgeschrieben waren", etwa weil sie aus Zuwandererfamilien kamen und Sprachprobleme hatten. Man haben diese die Chance geboten, durch ein gutes Umfeld mitgezogen zu werden, und meist sei das auch geglückt. (ende)