Pfarrer Friedl: "Überwältigend positive Reaktionen"
Linz, 19.10.07 (KAP) Von "überwältigend positiven Reaktionen" auf sein Engagement hat der Pfarrer von Ungenach und derzeitige Betreuer der 15-jährigen Arigona Zogaj, Dechant Josef Friedl, berichtet. In einem Interview mit der "Oberösterreichische Rundschau" erzählte Friedl, viele Leute würden ihm Mut zusprechen und sagen: "Endlich einer, der Zivilcourage hat, einer, der aufsteht". Für ihn sei es ein Gebot der Menschlichkeit gewesen, zu helfen, wenn ein 15-jähriges Mädchen "am Ende" und verzweifelt ist. Er sei darum gebeten worden und habe sich zur Verfügung gestellt, so Friedl. Sein größter Lohn sei es gewesen, mitzuerleben, wie Arigona und ihre Mutter nach langer, angsterfüllter Trennung wieder einander begegnet seien: "Dieser Abend war für mich die Belohnung für alles. Ich brauche jetzt nichts mehr. Das war eines der berührendsten Erlebnisse meines Lebens".
Die Situation der durch die Abschiebung des Vaters und einiger Geschwister in den Kosovo getrennten Familie Zogaj sei aber nach wie vor äußerst schwierig, berichtete der oberösterreichische Pfarrer. Die Kinder hätten keinen Bezug zu dem Land, könnten nicht einmal in die Schule gehen, weil sie die Sprache nicht verstehen. "Als die Familie Zogaj geflüchtet ist, war die Mutter mit einem Kind schwanger und eines hatte sie als Baby im Arm. Die kennen den Kosovo nicht", sagte Friedl. Es wäre das Beste für sie, wenn sie wieder nach Frankenburg kommen und bei ihrer Mutter leben könnten. Auf die Frage, ob er Arigonas Geschwister holen würde, wenn er dies könnte, antwortete Friedl: "Selbstverständlich. Ich setz mich sofort ins Auto und fahr hinunter". Was hier passiere, sei "unmenschlich". Es fehle "das Grundgefühl für den Menschen", kritisierte Friedl: "Wie fühlt sich das an: Zwei kleine Kinder, keine Arbeit, kurz vor dem Winter in einem kaputten Haus und nichts zu essen, weil man kein Geld hat".
Bis auf weiteres sorge er für Arigona, die jetzt wieder in die Schule gehe. "Mein Weg ist es, Arigona zu begleiten, so lange es notwendig ist", so Friedl. Wenn es zu weiteren Schwierigkeiten komme, "wird sie bei mir sein. Und bei mir wird sie niemand abholen". (ende)