ORF überträgt Jägerstätter-Seligsprechung direkt
Wien-Linz, 22.10.07 (KAP) Am 26. Oktober wird der Märtyrer Franz Jägerstätter im Linzer Dom selig gesprochen. Der Bauer und Mesner aus dem Innviertel hatte sich von seinem christlich gebildeten Gewissen her geweigert, mit der Waffe in der Hand für die nationalsozialistischen Welteroberungsfantasien zu kämpfen und war deshalb am 9. August 1943 im Zuchthaus Brandenburg an der Havel hingerichtet worden. Der ORF überträgt am Nationalfeiertag von 10 bis 12 Uhr den Seligsprechungsgottesdienst aus dem Linzer Dom live im TV-Programm ORF 2 und in Radio Oberösterreich. Die eigentliche Seligsprechung nimmt der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Jose Saraiva Martins, vor. Hauptzelebrant des Gottesdienstes ist der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, Konzelebranten sind die österreichischen Bischöfe mit Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze. Kommentatoren der TV-Übertragung sind Mathilde Schwabeneder und Pfarrer Gilbert Schandera, im Radio kommentieren Bert Brandstetter und P. Bernhard Eckerstorfer OSB. Vor der Übertragung gibt es in Radio und Fernsehen eine umfangreiche Vorberichterstattung. Weitere Berichte sind in den tagesaktuellen ORF-Produktionen in Radio, Fernsehen, Internet und Teletext vorgesehen.
Die Seligsprechungsmesse im Linzer Dom wird im Sinne des einfachen Bauern und Mesners Franz Jägerstätter als Gottesdienst mit Volksgesang gestaltet. Bei der Feier der Seligsprechung werden auch Jägerstätters Frau Franziska und seine Töchter mit ihren Familien anwesend sein. Vertreter aus der Politik werden am Gottesdienst ebenso teilnehmen wie Gläubige aus vielen europäischen Ländern und aus den USA, wo Jägerstätter zu einer Leitfigur der Friedensbewegung geworden ist. Mitgestaltet wird der Gottesdienst von "Pax Christi" und der Mesnervereinigung.
Um 9.05 Uhr ist am Nationalfeiertag in ORF 2 der Film "Gott hab' ihn selig - Der Leherbauer Franz Jägerstätter" von Bettina Schimak zu sehen. Der Beitrag zeigt, dass es nach wie vor in Jägerstätters Heimatgemeinde St. Radegund "ambivalente Gefühle" im Hinblick auf die tragische Geschichte des "Leherbauern" gibt: Noch sind Stimmen nicht verstummt, die meinen, Jägerstätter hätte durch seine "starre Haltung" seine Familie im Stich gelassen. Ein St. Radegunder Ex-Wehrmachtssoldat, der sieben Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war, sieht in der Seligsprechung eine Verurteilung jener, die nicht wie Jägerstätter gehandelt hätten. Die Jägerstätter-Tochter Maria hingegen erinnert sich daran, dass doch "alle, die gefallen sind, automatisch Helden waren. Die Kriegsdienstverweigerer hat man als Außenseiter betrachtet". Der Bürgermeister von St. Radegund spricht davon, dass Jägerstätter wohl zuallererst "seiner Familie gehört - dann aber uns, den St. Radegundern". Für Bischof Manfred Scheuer, der sich seit vielen Jahren mit viel Engagement für die Seligsprechung Franz Jägerstätters einsetzt, ist Jägerstätter "ein Märtyrer - gestorben für das Erste Gebot".
Nach dem Film gibt es in ORF 2 um 9.30 Uhr ein kurzes "kreuz&quer"-Studiogespräch unter dem Titel "Taugt Franz Jägerstätter als Vorbild?" Günter Kaindlstorfer diskutiert mit dem Innsbrucker Historiker und Politikwissenschafter Andreas Meislinger, dem Innsbrucker Theologen Jozef Niewiadomski und dem Publizisten Peter Huemer.
Gedenken in Ö1
Die Ö 1-Reihe "Erfüllte Zeit" (7.05 Uhr) war bereits am Sonntag, 21. Oktober, der Oper "Franz Jägerstätter" des Komponisten Viktor Fortin gewidmet, die im September im Grazer Franziskanerkloster uraufgeführt wurde. "Besser die Hände als der Wille gefesselt": So lautet der Titel der von Wolfgang Slapansky gestalteten Dokumentation am Freitag, 26. Oktober, um 10.30 Uhr in Ö 1. Darin wird der lange Weg zur Seligsprechung Jägerstätters nachgezeichnet. Im alliierten Bereich, vor allem in den USA, war die Bedeutung Jägerstätters relativ früh entdeckt worden. In Österreich hingegen gab es Befürchtungen, man könnte ehemalige Kriegsteilnehmer "vor den Kopf zu stoßen". Erst 1997 wurde der Seligsprechungsprozess für Jägerstätter eingeleitet.
Die "Mittagsglocken" aus Jägerstätters Dorf St. Radegund erklingen am Montag, dem 22. Oktober, um 12 Uhr in den ORF-Regionalradios. 1372 erstmals urkundlich erwähnt und fünfzig Jahre später, 1422, geweiht, ist die kleine spätgotische Dorfpfarrkirche in St. Radegund aus Tuffstein errichtet. Inmitten des Friedhofs gelegen, ist sie der "Schmerzhaften Muttergottes" (Mater dolorosa) geweiht. An der östlichen Außenmauer der Kirche befindet sich, nahe dem Eingangsportal, die letzte Ruhestätte von Franz Jägerstätter, der hier Mesner war.
Mit der Dokumentation "Jägerstätters Zeugnis - Eine Rekonstruktion" stimmt Radio Oberösterreich seine Hörerinnen und Hörer am Nationalfeiertag um 9 Uhr auf die Seligsprechungsmesse im Linzer Mariendom ein. Zu Wort kommen u.a. Franziska Jägerstätter, Bischof Ludwig Schwarz, Bischof Manfred Scheuer, Bischof Maximilian Aichern, Prof. Roman A. Siebenrock, Hildegard Goss-Mayr, Erna Putz, Hubertus Trauttenberg, Benno Schinagl. Die Sendung fasst nochmals die Chronologie der Ereignisse bis hin zur Seligsprechung zusammen. Darüber hinaus wird dargestellt, wie sich die öffentliche Meinungsbildung zum Fall Jägerstätter gewandelt hat. Gestalter der Sendung sind Alfred Pittertschatscher und Katharina Maurer. (ende)