"Otto-Mauer-Preis" 2007 geht an Ursula Mayer
Wien, 23.10.07 (KAP) Der "Otto-Mauer-Preis" geht heuer an die in Oberösterreich geborene und jetzt in London lebende Künstlerin Ursula Mayer. Die 11.000 Euro dotierte Auszeichnung vergibt der Otto-Mauer-Fonds alljährlich für das gesamte bisherige Werk österreichischer Künstlerinnen oder Künstler unter 40 Jahren. Überreicht wird der Preis vom Wiener Weihbischof Franz Scharl am Mittwoch, 14. November, im Wiener Erzbischöflichen Palais.
Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der überzeugenden filmischen Position Ursula Mayers "zwischen Fiktion, Dokumentation und Inszenierung". Ihr Schaffen rankt sich um Inszenierungs- und Wahrnehmungsmuster in Fotografie und Film; Mayer bezieht sich dabei auch auf populäre Musik, Avantgarde- und frühe Hollywood-Filme sowie auf Architektur. Die Künstlerin arbeite in ihren "installativen Filmprojektionen" mit räumlichen und atmosphärischen Situationen: Sie entführe den Betrachter in das "kühle, klare Ambiente von moderner Architektur" und kontrastiere dies mit sich darin bewegenden Frauen, die "eigenartig vorläufig, unbestimmt und vage" bleiben, heißt es in der Würdigung der Jury. Die Frauen würden sich immer wieder entziehen und in ihrem Umraum verschwinden: "Die Untiefen von Ursula Mayers filmischen Weltkonstruktionen lassen Fragen nach dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren aufkommen." Als "beeindruckende Darstellung der Spannung zwischen individuellem Leben und dem Anspruch der Moderne" seienUrsula Mayers Filme "bedeutende Beispiele zu einem aktuellen medienreflexiven Diskurs".
Ursula Mayer wurde 1970 in Oberösterreich geboren. Von 1990 bis 1996 studierte sie an der Wiener Akademie der bildenden Künste, ab 1995 auch am "Royal College of Art" in London, wo sie derzeit lebt und arbeitet. Einzelausstellungen gestaltete Mayer u.a. heuer unter dem Titel "Zeitkristalle/The Crystals of Time" im Linzer Lentos Kunstmuseum, in Rom und in Utrecht. Ihre erste Einzelausstellung fand 2003 in der Sammlung Essl in Klosterneuburg statt.
Vom 16. bis 30. November 2007 präsentiert Ursula Mayer ausgewählte Arbeiten in einer Ausstellung im "JesuitenFoyer" (Bäckerstraße 18, 1010 Wien). Eröffnet wird die Werkschau am Donnerstag, 15. November 2007, um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist gratis, die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Samstag 13 bis 18 Uhr und Sonntag 10.30 bis 12.30 Uhr.
Seit 1981 verleiht der "Otto Mauer-Fonds" der Erzdiözese Wien den "Msgr. Otto-Mauer-Preis für bildende Kunst". Der Fonds wurde von Kardinal Franz König und dem Wiener Hochschulseelsorger Prälat Karl Strobl gegründet, um das besondere Anliegen des legendären Akademikerseelsorgers und Kunstförderers Msgr. Otto Mauer im Hinblick auf den Dialog zwischen Kirche, Kunst und Wissenschaft lebendig zu halten. Unter den bisherigen Preisträgern sind bekannte Namen wie Alfred Klinkan (1981), Erwin Bohatsch (1983), Erwin Wurm (1984), Gunter Damisch (1985), Franz West (1986), Peter Kogler (1988), Brigitte Kowanz (1989), Florian Pumhösl (2000) oder Dorit Margreiter (2002). Im Vorjahr wurde der steirische Künstler Bernhard Fruehwirth ausgezeichnet.
Viele weitere Förderungsprojekte
Neben der jährlichen Vergabe des "Otto-Mauer-Preises" fließt der weitaus größte Teil der Mittel des "Otto Mauer-Fonds" in die Förderung aktueller Projekte in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Theater, Wissenschaft und Erziehung und Erwachsenenbildung. "Sicht: Wechsel" nannte sich das Internationale Integrative Kulturfestival, das mit Unterstützung des Fonds im Juni 2007 in Linz stattfand. Ziel des Projektes waren generell der Abbau von Vorurteilen sowie im besonderen Aufklärung und Information über die vielfältigen Möglichkeiten und Ausformungen künstlerischer Betätigung von behinderten Menschen.
Oliver Ressler stellte in seinem vom "Otto-Mauer-Fonds" geförderten Videoprojekt "What is Democracy?" die Frage, wie Gesellschaft demokratisch organisiert werden kann. In "Herr Bimbo aus Linz" beschäftigten sich Mohammed Kasseh sowie Patricia und Arne Marchart auf humorvolle Weise mit rassistischen Vorurteilen. Dies war dem "Otto-Mauer-Fonds" ebenso eine Unterstützung wert wie die Installationen in der Grazer Leechkirche und im Innsbrucker Jakobs-Dom während des Advents und der Fastenzeit. (Infos: www.otto-mauer-fonds.at) (ende)