Sonntagsöffnung bei Fußball-EM bleibt Ausnahme
Wien, 23.10.07 (KAP) Ihren neuen Wochenkalender "52 freie Sonntage" hat die "Allianz für den freien Sonntag" am Montagabend in Wien präsentiert. Der Vorsitzende der Fraktion der Sozialdemokratischen GewerkschafterInnen in der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP), Franz Georg Brantner, verteidigte dabei die Sonntagsöffnung während der Fußball-Europameisterschaft 2008. Man sei sich bei der Verhandlung des Sonderkollektivvertrags für diesen Anlass stets der "Gefahr eines Dammbruchs" bewusst gewesen und habe daher eine zeitlich wie lokal begrenzte Regelung gefunden, betonte Brantner.
Kritik an der Zustimmung der Gewerkschaft zu der Sonntagsöffnung während der EM hatte u.a. die "Allianz für den freien Sonntag" vorgebracht. Die Kritik sei nachvollziehbar, so Brantner, jedoch zeige der Blick auf andere Länder wie Deutschland, wo sich fast alle Bundesländer bereits dem Druck zu einer Ausweitung der Sonntagsöffnung gebeugt haben, dass man mit dem verhandelten begrenzten Vertrag auch aus Sicht der Allianz durchaus zufrieden sein müsste.
Der Vertrag, der Anfang Oktober zwischen der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer (WKÖ) und dem Bereich Handel in der GPA ausverhandelt wurde, sieht vor, dass die Geschäfte in den betroffenen Städten Wien, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck an den Sonntagen der EM von 12 bis 18 Uhr aufsperren dürfen. Außerdem sind die Arbeitgeber verpflichtet, für etwaige Kinderbetreuungskosten in dieser Zeit aufzukommen. Auszubildende sind von der Regelung ausgenommen. Sie dürfen nicht zur Sonntagsarbeit verpflichtet werden. Der Ball liegt nun bei den Bundesländern. Diese haben im Vorfeld aber bereits signalisiert, bei einer Sozialpartner-Einigung eine erweiterte Ladenöffnung umsetzen zu wollen.
"Der Mensch braucht Zeitrhythmen"
Markus Schlagnitweit, Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe), wies darauf hin, dass Wirtschaft immer nur eine "Dienstfunktion" für den Menschen übernehmen könne. Wo der Mensch hingegen "immer mehr zum Diener der Wirtschaft" werde, komme das Verhältnis zwischen Mensch und Wirtschaft aus dem Gleichgewicht: "Der Mensch funktioniert nicht rund um die Uhr, er braucht Tages- und Lebensrhythmen", so Schlagnitweit. Stress und "burn out" hätten heute häufig mit einem Mangel an Zeitrhythmus zu tun. Gegen einen "ausschließlich von Wirtschaftsfaktoren bestimmten Wohlstandsbegriff" müsse man den Begriff des "Zeitwohlstands" hervorheben, da nur so das "Humanum im Wohlstandsdenken" gerettet werden könne.
Freier Sonntag "entschleunigt"
"Zeitwohlstand" stehe auch im Zentrum des neuen Wochenkalenders "52 freie Sonntage", so Renate Csörgits, Sprecherin der "Allianz für den freien Sonntag" und Frauensprecherin des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Der freie Sonntag trage zu einer gesellschaftlichen "Entschleunigung" bei und ermögliche Zeit für Begegnung mit anderen Menschen, so Csörgits in einem gemeinsamen Vorwort mit Bischof Ludwig Schwarz und dem Generaldirektor des Wirtschaftsforums der Führungskräfte, Friedrich Macher. Ohne die "Allianz" wäre es "im Kampf um den freien Sonntag niemals so weit gekommen". Von politischer Seite gebe es großen Respekt vor der Allianz, "da sich die Politik nicht gerne mit so großen Organisationen wie der Allianz anlegt", so Csörgits.
Woche für Woche findet sich in dem neuen Kalender eine andere Stimme für den freien Sonntag - es wurden Menschen aus den verschiedensten Lebenszusammenhängen (von Reinigungsfrauen über Behindertenbetreuer, Schüler bis hin zu Langzeitarbeitslosen) um ihren persönlichen Beitrag gebeten. Außerdem erläutern die Mitgliedsorganisationen der "Allianz" ihr jeweiliges Engagement für den freien Sonntag.
Der "Allianz für den freien Sonntag" gehören mehr als 50 Organisationen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Kirchen, Gewerkschaften und Wirtschaft an, darunter auch die Bundesjugendvertretung, der Österreichische Alpenverein, die Naturfreunde, der ÖGB oder das Wirtschaftsforum der Führungskräfte.
Der Kalender bietet 52 mit Farbfotos und Texten zum freien Sonntag illustrierte Wochenblätter. Erhältlich ist der Kalender unter der Telefonnummer 01/310.51.59, bei den Mitgliedsorganisationen der "Allianz für den freien Sonntag" oder über das Internet (www.freiersonntag.at). Der Kalender kostet 11 Euro inkl. Portokosten. (ende)
