Caritas: Kinderarmut ist "beschämendes Problem"
Caritas ruft unter dem Motto "Armut kann man abschaffen" zur Novembersammlung für Menschen in Not im Inland auf - Küberl: Kinder bei Mindestsicherung mehr berücksichtigen - Landau: "Caritas ist oft letzter Rettungsanker"
Wien, 24.10.07 (KAP) Auf die dramatische Situation von verarmten Kindern und Jugendlichen hat die Caritas am Mittwoch hingewiesen. Im Hinblick auf die Caritas-Novembersammlung für die Inlandshilfe unter dem Motto "Armut kann man abschaffen" erinnerten Caritas-Präsident Franz Küberl und der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien daran, dass es in Österreich armutsgefährdete 270.000 Kinder und Jugendliche gibt. 96.000 von ihnen leben bereits unter der Armutsgrenze. Insgesamt leben in Österreich rund 420.000 Menschen unter der Armutsgrenze, rund eine Million Menschen gilt als armutsgefährdet.
| Caritas-Präsident Franz Küberl |
Wie Caritas-Präsident Franz Küberl betonte, wolle die Caritas mit der Novembersammlung dazu beitragen, dass insbesondere für Kinder ausreichend Winterkleidung zur Verfügung steht. Es gehe aber auch darum, dass die Heizkosten und die Kosten für Lebensmittel nicht zu einem noch größeren Armutsrisiko für Familien werden. Es gelte, die "fatale Armutsspirale aus Heiz- und Mietkosten, Kleidungskosten, Krankheit und Arbeitslosigkeit" zu durchbrechen, so Küberl. Laut Statistik Austria sind allein in den vergangenen sechs Jahren die Lebenshaltungskosten im Bereich Wohnen, Wasser und Energie um rund 20 Prozent gestiegen. Die Novembersammlung wolle hier einen "ersten wichtigen Schritt" setzen. Mit einer Spende von nur 20 Euro könne man die Lebensmittelkosten einer Person pro Woche sicherstellen, so der Appell des Caritas-Präsidenten.
"Gewaltiger Korrekturbedarf"
Erfreut zeigte sich Küberl darüber, dass auch staatlicherseits im Rahmen der Finanzausgleichsverhandlungen "bei der Mindestsicherung wichtige Eckpunkte" beschlossen wurden, um "den Sozialstaat Österreich armutsfest zu machen". Es sei nun geboten, dass Bund, Länder und Gemeinden diesen Weg "konsequent weiter gehen", so Küberl. Dennoch bestehe insbesondere in den Bereichen der Kinderarmutsbekämpfung und bei der Berücksichtigung der Alleinerziehenden weiterhin ein "gewaltiger Korrekturbedarf". So fordert die Caritas eine "deutlich stärkere Berücksichtigung der Kinder" bei der Berechnung der Mindestsicherung. Außerdem müsse bei der Berechnung der Mindestsicherung für Alleinerziehende deren besondere Situation bedacht werden. Dabei könne man sich an den Familienzuschüssen der Bundesländer ein Beispiel nehmen, so Küberl, da diese den tatsächlichen Bedarf alleinerziehender Haushalte "realitätsnäher berücksichtigen".
| Caritas-Präsident Franz Küberl |
"Eines der beschämendsten Probleme"
Die Kinderarmut sei "eines der beschämendsten Probleme in Österreich und Europa" und gehöre daher "ganz oben auf die politische Agenda" betonte der Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien, Msgr. Michael Landau.
| Caritas-Direktor Michael Landau (Wien) |
Die Erfahrung aus der Beratungsarbeit der Caritas zeige, dass insbesondere alleinerziehende Frauen unter einem hohen Armutsrisiko leiden. So ist diese Gruppe von Hilfesuchenden unter den Caritas-Klienten rund drei mal so stark vertreten, wie es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung eigentlich entspräche. Für viele werde die Caritas somit zu "einem letzten Rettungsanker", wenn sie sich zwischen Mietzahlung, Heizkosten und Nahrungsmitteln für ihre Kinder entscheiden müssen, so Landau. Dies sei ein "Alarmsignal" und mache deutlich, dass gerade für diese Gruppe "deutlich mehr getan werden muss als bisher".
| Caritas-Direktor Michael Landau (Wien) |
Nach EU-Kriterien (EU-SILC 2005) gilt ein Haushalt als armutsgefährdet, wenn sein Pro-Kopf-Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens liegt. Demnach waren im Jahr 2005 etwa eine Million Personen bzw. 12,3 Prozent der österreichischen Bevölkerung armutsgefährdet (EU-Durchschnitt: 16 Prozent). 5,2 Prozent der Österreicher (zirka 420.000 Personen) leben in manifester Armut.
Im Rahmen der Novembersammlung präsentierte die Caritas außerdem eine Hilfskampagne gemeinsam mit dem Tee-Produzenten "Sonnentor", der einen speziellen "Elisabeth-Tee" entwickelt hat. 20 Cent des Verkaufspreises von 2,30 Euro kommen der Caritashilfe für Menschen in Not zu Gute. (Spendenkonto: Kto. Nr. PSK 7.700.004, Kennwort: "Inlandshilfe", BLZ: 60.000). (ende)