Lutheraner reichen Muslimen die Hand
Wien, 30.10.07 (KAP) "Nur die gelebte Religionsfreiheit und die zuerst im Vertrauen gereichte Hand werden auf Dauer überzeugen", betont die Synode der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich in einem "Wort zum Verhältnis von Christen und Muslimen", das am Dienstag mehrheitlich angenommen wurde. Evangelische Gemeinden sollten initiativ auf Muslime in ihrem Gemeindegebiet zugehen und sich um Verständigung bemühen. "Es gibt keine Alternative zu Gespräch und verstehender Nachbarschaft", heißt es in der Erklärung. Die Forderung, dass Muslime in islamisch dominierten Ländern mit Christen ebenso umgehen müssen, sei zwar berechtigt, kann jedoch nach Ansicht der Synode "keine Bedingung für unser Verhalten als Christen und Europäer sein".
Die bestehenden Ängste müssten aber ernst genommen werden. "Gleichwohl ist es die christliche Aufgabe, Frieden zu stiften - durch Aufklärung, durch persönliche Begegnungen, durch Mediation bei Konflikten", so die Synode. Sich der Welt nicht anzugleichen, bedeute heute eine Absage an die populistischen Versuche, Konflikte zu schüren.
Die wachsende Zahl von Muslimen in Österreich sei auch eine religiöse Herausforderung. Jeder Christ, jede Christin müsse mehr denn je Rechenschaft über den eigenen Glauben geben können. Das setze Bildung auch hinsichtlich anderer Religionen voraus. Oberflächliche Vergleiche, aus dem Zusammenhang gerissene Sätze aus dem Koran oder aus Traktaten islamischer Rechtsgelehrter verzerrten die Auseinandersetzung. Hier könne "Bildung als protestantisches Profil" in der Begegnung mit Muslimen einen "heilsamen Beitrag zur Versachlichung" bringen.
In dem Wort erinnert die evangelisch-lutherische Kirche an ihre eigene Minderheitensituation. Lange sei sie "fremd im eigenen Land" gewesen und könne daher die Situation muslimischer Immigranten verstehen. Der biblische Aufruf, die Fremden zu lieben, habe nichts mit naiver Blauäugigkeit zu tun. "Wo Hass gepredigt wird, wo Verbrechen geschehen oder Terroranschläge vorbereitet werden, darf es keine Nachsicht geben. Es gehört aber zur protestantischen Überzeugung, dass die einzelnen Schuldigen dafür zur Verantwortung gezogen werden müssen und nicht die öffentliche Atmosphäre durch Pauschalverdächtigungen vergiftet werden darf", so die lutherische Synode. (ende)