Pogrome von 1938: Christen gedenken jüdischer Opfer
Wien, 31.10.07 (KAP) Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome des Jahres 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Wien veranstalten auch heuer wieder mehrere kirchliche Organisationen gemeinsam die Bedenkwoche "Mechaye Hametim" (Der die Toten auferweckt). Die Hauptveranstaltung ist ein ökumenischer Gottesdienst am 9. November (dem eigentlichen Jahrestag der dramatischen Ereignisse von 1938) um 19 Uhr in der Ruprechtskirche in der Inneren Stadt. Der Bischofsvikar für Wien-Stadt, Prälat Karl Rühringer, wird den Gottesdienst leiten, der neue evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld hält die Predigt. Im Anschluss an den Gottesdienst findet ein "Schweigegang" zum Mahnmal auf dem Judenplatz statt, wo auch Papst Benedikt XVI. bei seinem Wien-Besuch still der jüdischen Österreicher gedacht hatte, die Opfer der NS-Mordmaschinerie waren.
Die Bedenkwoche beginnt am Samstag, 3. November, um 17 Uhr ebenfalls in der Ruprechtskirche mit einem Gottesdienst, der unter einem Wort aus dem Buch Hiob steht: "Schrei ich: Gewalt!, wird mir keine Antwort". Am Montag, 5. November, lädt der Katholische Akademikerverband um 19 Uhr im Otto-Mauer-Zentrum (1090 Wien, Währinger Straße 2-4) zur Auseinandersetzung mit der Frage "Hat Erinnern noch Zukunft?" ein. Hintergrund ist das 2008 bevorstehende 70-Jahr-Gedenken der Novemberpogrome, die von den Nationalsozialisten zynisch als "Reichskristallnacht" bezeichnet wurden. In der von "Furche"-Redakteur Otto Friedrich moderierten Diskussion zwischen der Künstlerin Minna Antova, dem Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, Raimund Fastenbauer, und dem Historiker Robert Streibel geht es um die Fragen: Wie kann der Ereignisse gedacht werden, ohne dass das Erinnern zu leeren Ritualen erstarrt? Welche Formen der Erinnerung können gefunden werden, um auch die nächsten Generationen anzusprechen?
Am Dienstag, 6. November, wird um 19 Uhr im Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung am Praterstern ein "virtueller Rundgang" durch das jüdisch-christliche Werk des großen weißrussisch-französischen Malers Marc Chagall geboten. Referenten sind der KultursoziologeFriso Heyt und die Journalistin Hanna Molden.
Am Freitag, 9. November, findet bei den "Theologischen Kursen" am Stephansplatz 3 ab 16 Uhr ein Symposion mit dem Frankfurter Theologen em. Prof. Hans Kessler statt. Das Thema lautet: "Ende des Absolutheitsanspruchs? Der entschiedene Glaube an Jesus Christus und die Wertschätzung der anderen Religionen".
Am Samstag, 10. November, geht es - ebenfalls bei den "Theologischen Kursen" - von 9 bis 13 Uhr um den "Trialog zwischen Juden, Christen und Muslimen". Referenten sind für die jüdische Sicht der Züricher Psychologe Raphael Pifko, für die christliche Sicht der Frankfurter Fundamentaltheologe Hans Kessler und für die islamische Sicht der Wiener Islamologe Amir Zaidan.
Am Montag, 12. November, findet von 9 bis 16 Uhr im Kardinal-König-Haus ein Symposion anlässlich des 100. Jahrestages der Geburt von P. Alfred Delp SJ (1907-1945) statt. Der von den deutschen Nationalsozialisten noch angesichts der sicheren Niederlage ermordete Jesuit war eine Schlüsselgestalt des Widerstands gegen Hitler. Referenten sind der österreichische Jesuit (und Redakteur der Münchner Jesuitenzeitschrift "Stimmen der Zeit") P. Andreas Batlogg und der Restitutionsbeauftragte der Stadt Wien, Kurt Scholz. Moderiert wird das Symposion von der römischen ORF-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder.
Bei der Veranstaltungsreihe arbeiten zusammen: die Gemeinde St. Ruprecht, die Evangelische Akademie Wien, die Evangelische Hochschulgemeinde Wien, die Wochenzeitung "Die Furche", das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung, das Kardinal-König-Haus, der Katholische Akademikerverband der Erzdiözese Wien, die Katholische Aktion Österreich, der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die "Theologischen Kurse". (Informationen über "Mechaye Hametim": Otto Friedrich, Tel. 0664/100.84.06, E-Mail: otto.friedrich@gmx.at).
