Ostkirchenexperte: Fortschritt im Dialog mit Orthodoxie
Wien-Belgrad, 9.11.07 (KAP) Die Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Wien bleibt über das Institut für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens intensiv im katholisch-orthodoxen Dialog involviert. Die Fakultät wird 2008 gemeinsam mit der Stiftung "Pro Oriente" Gastgeberin der Jahrestagung des renommierten internationalen "Orthodox-katholischen Arbeitskreises St. Irenäus" sein, wie der neue Vizedekan und Ostkirchenexperte Prof. Rudolf Prokschi "Kathpress" mitteilte. Im "Irenäuskreis" herrsche große Offenheit, und der Dialog zeige echte Fortschritte, so Prokschi.
Prokschi hatte an der diesjährigen "Irenäuskreis"-Jahrestagung in Velika Plana (Serbien) teilgenommen. Gastgeber der vorwöchigen Tagung war der serbisch-orthodoxe Bischof Ignatije (Midic) von Branicevo. Themen der Arbeitstagung, an der Vertreter zahlreicher orthodoxer Kirchen und 13 katholische Theologen aus acht Ländern Europas und Amerikas teilnahmen, war die Entwicklung des Papsttums in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends.
Im Schlusskommunique heißt es dazu, dass die damaligen entscheidenden Aussagen über das Papsttum, die für die Kirchentrennung verstärkend wirkten, sowohl im historischen Kontext als auch in ihrer Wirkungsgeschichte verstanden werden müssten. "Daher muss ein Weg gefunden werden, bestimmte Positionen der Vergangenheit zu überwinden", wird betont. Der Weg müsse dahin gehen, "die wesentlichen Elemente, die in beiden Traditionen bewahrt wurden, in ein gemeinsames Verständnis des Primats zu integrieren".
Zu den bisher für die Orthodoxie nicht positiv bewerteten starken Päpsten des Mittelalters gehört Gregor VII. (1073-85). Auf ihn geht die Gregorianische Kirchenreform zurück.
Zuletzt ist es jedoch auch orthodoxerseits zu einer Neubewertung dieser Reform gekommen, wie aus dem Kommunique von Velika Plana hervorgeht. Wörtlich heißt es: "Die Gregorianische Reform war von dem Bemühen bestimmt, Missstände in der westlichen Kirche zu beseitigen. In diesem Prozess drängten die damaligen Päpste den Einfluss weltlicher Herrscher auf die Kirche immer mehr zurück, wodurch ihnen zugleich eine immer größere Autorität zuwuchs. Von orthodoxer Seite wird heute der daraus resultierende Machtzuwachs der römischen Bischöfe, der auch Auswirkungen auf ihre Rolle in der Gesamtkirche hatte, kritisch bewertet. Zugleich wird aber die hinter der Gregorianischen Reform liegende positive Intention anerkannt".
Der "Gemeinsame orthodox-katholische Arbeitskreis St. Irenäus" wurde 2004 in Paderborn gegründet. Die vorjährige Jahrestagung hatte im belgischen Benediktinerkloster Chevetogne stattgefunden. (ende)