Integration: Für die Kirchen geht es um das Miteinander
Wien, 13.11.07 (KAP) Für die Kirchen ist im Zusammenhang mit Zuwanderung und Integration die Grundhaltung des Miteinanders, der "gleichen Würde jedes Menschen" bestimmend: Dies betonte der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau als Sprecher der katholischen Kirche bei einem Hearing mit den Religionsgemeinschaften, zu dem Innenminister Günther Platter im Rahmen der "Integrationsplattform" eingeladen hatte. Integration ist, wie Landau betonte, ein "wechselseitiger Prozess", bei dem "alle Beteiligten Schritte aufeinander zu" gehen müssen. In diesem Zusammenhang sprach sich der Caritasdirektor für ein "verpflichtendes Kindergarten- bzw. Vorschuljahr" für alle Kinder aus, das der sprachlichen und sozialen Integration dienen soll. Bildung sei überhaupt der Schlüssel zur Armutsvermeidung, daher müsse auch den Zuwanderern "gleicher Zugang zur Bildung" gewährleistet werden.
Gelungene Integration brauche ein Gesamtkonzept, das auf sechs Säulen beruht, unterstrich Landau: Recht auf Familie, Zugang zum Arbeitsmarkt, faire soziale Absicherung, Zugang zur Bildung, vertretbare Wohnverhältnisse, Möglichkeit der Teilnahme zumindest an der Kommunalpolitik. Es müsse über den heute dominierenden Sicherheitsaspekt hinaus gedacht werden. Die katholische Kirche lade die politischen Verantwortungsträger ein, den Erfahrungen von Caritas und Diakonie Raum zu geben. In einem ersten Schritt muss das heißen, so Landau: "Wer legal in Österreich lebt, muss hier auch legal arbeiten dürfen". Die katholische Kirche unterstütze aber auch die Forderung, dass auch Bildungsministerium, Wirtschaftsministerium und Sozialministerium in die Arbeit der "Integrationsplattform" eingebunden werden. Es handle sich um eine "Querschnittsmaterie", daher sollte auch im Bundeskanzleramt ein Staatssekretariat für Migration und Integration eingerichtet werden. Integration erfordere Strukturen und Zuständigkeitauf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene, unterstrich Landau: "Wofür niemand zuständig und keiner verantwortlich ist, das findet in der Regel auch nicht statt".
Der Wiener Caritasdirektor ließ keinen Zweifel, dass aus Sicht der katholischen Kirche auch von den Zuwanderern etwas verlangt werden muss: Der Respekt vor der Religionsfreiheit, der Rechtsstaatlichkeit, der Gleichheit von Mann und Frau müsse auch für die Migranten verpflichtend sein. Es gehe um das Einhalten einer "gemeinsamen Hausordnung". Eine solche "Hausordnung" sei aber etwas anderes als eine "Monokultur", die allen gleichsam übergestülpt wird.
Integration sei möglich und "gelungene Integration ist für alle Beteiligten ein Gewinn", betonte Landau. Es wäre für Österreich von Vorteil, wenn stärker gesehen würde, dass die Zuwanderer Menschen sind, die "eine Fülle an Talenten und Kompetenzen" einbringen. Eine Gesellschaft sei erst dann vollständig, wenn in ihr auch Zuwanderer "nicht zum Rand, sondern zur Mitte" gehören. Um das zu erreichen, müsse auch in Österreich noch viel getan werden. Die "Integrationsplattform" werde dann hilfreich sein, wenn sie einen verbindlichen Handlungskatalog hervorbringe, "eine Strategie, die zum Ziel hat, dass das Miteinander besser gelingt und auch das Positive, die Chancen sichtbar werden".
Weitere Gesprächsteilnehmer waren der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos, der designierte evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, und der Vorsitzende der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh. Bischof Bünker wies eindringlich darauf hin, dass Religion im Zusammenhang mit Integration "nicht ein Teil des Problems, sondern ein Teil der Lösung" ist. (ende)