Katholische Frauen solidarisch mit Kolumbianerinnen
Wien, 13.11.07 (KAP) Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) solidarisiert sich mit den leidenden Frauen in Kolumbien, wo mit Unterbrechungen seit Jahrzehnten Bürgerkrieg herrscht. Lokaler Kooperationspartner ist die Frauenorganisation "Organizacion Feminina Popular" (OFP), der allein in der nordkolumbianischen Region Magdalena Medio rund 3.000 Frauen angehören. Wie die Pressereferentin der Katholischen Frauenbewegung, Eleonore Bayer, am Rande einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien im Gespräch mit "Kathpress" betonte, werde die kfb in den kommenden drei Jahren 78.000 Euro für die Arbeit der OFP zur Verfügung stellen (26.000 Euro pro Jahr). Damit werde "eine lange und gute Zusammenarbeit fortgesetzt und ein deutliches Zeichen der Solidarität unter Frauen gesetzt", so Bayer. Mit den Geldern aus Österreich werden insbesondere Bildungsprojekte und Vorhaben zur Ernährungssicherung sowie zur medizinischen Versorgung finanziert. Bereits seit 1991 unterstützt die Katholische Frauenbewegung dieOFP in Kolumbien. 2008 wird die Arbeit der Frauen in Kolumbien ein Schwerpunktthema bei der "Aktion Familienfasttag" darstellen.
Bei der von der Katholischen Frauenbewegung gemeinsam mit der Agentur "Südwind" und anderen Organisationen in Wien veranstalteten Pressekonferenz berichtete die Geschäftsführerin der OFP, Jacqueline Rojas Castaneda, über den Druck, dem Menschenrechtsorganisationen wie die OFP ausgesetzt sind. Insbesondere die "Paramilitares", von denen allein in der Region Magdalena Medio noch 26 Gruppierungen aktiv sind, versetzen die Bevölkerung "in einen permanenten Angstzustand", so Rojas Castaneda. Obwohl die Regierung mit einem "Demobilisierungsprogramm" die ursprünglich zur Bekämpfung der Guerilleros eingesetzten paramilitärischen Einheiten aufgelöst hat, seien im ganzen Land neue Gruppierungen entstanden.
Am 4. November wurde die Direktorin der OFP, Yolanda Becerra, in ihrer Wohnung in Barrancabermeja, der Hauptstadt der Region, von Unbekannten überfallen, verprügelt und mit dem Tod bedroht, falls sie nicht binnen 48 Stunden "verschwinde". Am selben Tag sollte offensichtlich auch Jacqueline Rojas Castaneda überfallen werden, doch war sie nicht in ihrer Wohnung, als die Täter kamen.
Die Tätigkeit der OFP bestehevor allem auch in Informations- und Netzwerkarbeit, so Rojas Castaneda. Es sei für die Frauen in Kolumbien "unendlich ermutigend", wenn es weltweite Solidarität gebe. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Katholischen Frauenbewegung in Österreich bedeute immer wieder eine besondere Stärkung und Ermutigung.
Bei der Pressekonferenz in Wien wurde eine Initiative vorgestellt, die unter dem Titel "Eine Million Freundinnen und Freunde" steht und zu einer weltweiten Solidarisierung durch Unterschriftenlisten und Spenden führen soll. Wie Rojas Castaneda betonte, sei dies für eine Organisation wie die OFP von großer Bedeutung, da sich die kolumbianische Regierung "um ein positives Image in der Weltöffentlichkeit bemüht" und jeden öffentlichen Protest im Blick auf die Menschenrechtslage im Land daher ernst nimmt.
Die OFP ist 1972 in der Diözese Barrancabermeja entstanden. In diesem Gebiet - dem Zentrum der kolumbianischen Erdölindustrie - sind Armut und Gewalt weit verbreitet, Morddrohungen und Gewaltdelikte gegen die Aktivistinnen sind an der Tagesordnung. Seit dem Jahr 2000 sind drei Mitarbeiterinnen der OFP Mordanschlägen zum Opfer gefallen. Das Netzwerk der OFP umfasst in der Region rund 3.000 Aktivistinnen, zumeist Witwen, Mütter und Schwestern von Opfern der Gewalt. Seit einigen Jahren baut die OFP zusammen mit dem Frauennetzwerk "Ruta Pacifica" (Friedlicher Weg), in der sich über 300 Organisationen zusammengeschlossen haben, eine landesweite "Soziale Bewegung von Frauen gegen den Krieg" auf. (Informationen: Internet: www.ofp.org.co).
Im kommenden Jahr führt die Katholische Frauenbewegung zum 51. Mal die "Aktion Familienfasttag" durch. Die auch 2008 wieder unter dem Motto "Teilen macht stark" stehende Aktion sammelt Spenden für ausgewählte Projekte in den Schwerpunktländern Indien, Sri Lanka, und Kolumbien.