Neuer Bischof für altkatholische Kirche in Österreich
Wien, 18.11.07 (KAP) Der neue altkatholische Bischof für Österreich heißt Johannes Ekemezie Okoro. Die Synode der altkatholischen Kirche in Österreich wählte den gebürtigen Nigerianer am Samstag im dritten Wahlgang mit 40 von 71 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Er wird am 1. Jänner 2008 Nachfolger des 65-jährigen Bischofs Bernhard Heitz, der aus Altersgründen aus dem Amt scheidet.
Okoro wurde am 21. August 1949 im nordnigerianischen Kano geboren und ist seit 1994 österreichischer Staatsbürger. Von 1974 bis 1978 studierte er in Innsbruck Theologie, 1977 wurde er in Dornbirn zum römisch-katholischen Priester geweiht. 1980 promovierte er in Innsbruck auch in Psychologie. Anschließend war er in Nigeria als Seelsorger tätig und lehrte Psychologie und Ethik am Priesterseminar in Enugu. 1988 kehrte er nach Österreich zurück und begann mit einer psychoanalytischen Lehranalyse; seit 1991 ist er in die österreichische Psychotherapeutenliste eingetragen.
1988 wurde er Kaplan in Lustenau und war dann von 1991 bis 1995 als Pfarrer von Dornbirn-Oberdorf tätig. Anschließend war er drei Jahre Militärseelsorger bei den österreichischen UNO-Truppen in Zypern und auf dem Golan.
1999 konvertierte Okoro zur altkatholischen Kirche und heiratete seine Frau Edith. Er eröffnete eine psychotherapeutische Praxis und wurde Seelsorger für die altkatholischen Diasporagemeinden in Vorarlberg.
"Mit dieser Wahl haben die Delegierten nicht nur ihre Weltoffenheit unter Beweis gestellt, mit der charismatischen Persönlichkeit von Pfarrer Okoro unterstreicht die altkatholische Kirche auch ihr Leitbild, in dem sie sich als eine offene, einladende und gastfreundliche Kirche präsentiert", heiß es nach der Wahl in einer offiziellen Mitteilung der altkatholischen Kirche.
Der neue Bischof erwartet sich einen Aufbruch in der altkatholischen Kirche. Freude habe ihm bereitet, dass die ethnische Herkunft in seiner Gemeinschaft offenbar nicht zähle: "Wir schauen nicht auf bestimmte Minderheiten, wir schauen aufs Herz". Vorteile sieht der neugewählte Bischof in seiner Ausbildung als Psychotherapeut. "Seelsorge und Psychotherapie sind zwei Arten, die Menschen zu begleiten, sie näher an die Spiritualität zu bringen undihnen Orientierung zu geben", so Okoro. Ein genauer Termin für die Bischofsweihe steht noch nicht fest.
Okoros Gegenkandidat Martin Eisenbraun gratulierte dem neuen Bischof. Auch der 51-jährige Martin Eisenbraun, ein gebürtiger Deutscher, war ursprünglich römisch-katholischer Priester und Mitglied des Karmelitenordens. Er ist Geschäftsführer der offiziellen Dialogkommission zwischen altkatholischer und römisch-katholischer Kirche.
Die altkatholische Kirche in Österreich zählt heute rund 15.000 Mitglieder. Sie erhielt 1877 die staatliche Anerkennung auf Grund des Anerkennungsgesetzes von 1874. Die altkatholische Kirche in Österreich gehört zur "Utrechter Union". In dieser Kirchengemeinschaft sind Kirchen aus verschiedenen Traditionsströmen vereint. Während die österreichische, die deutsche und die Schweizer altkatholische Kirche auf die innerkirchliche Opposition gegen das Erste Vaticanum zurückgeht, sind die Wurzeln der niederländischen Altkatholiken im Jansenismus des 17./18. Jahrhunderts zu suchen. Die größte Mitgliedskirche der "Utrechter Union", die "Polish National Catholic Church" in den USA entstand Ende des 19. Jahrhunderts, als sich viele polnische Pfarrgemeinden mit der irischen Dominanz in der damaligen katholischen Kirche der Vereinigten Staaten schwer taten. (ende)