Wien: Messe zum 95. Geburtstag Otto von Habsburgs
Wien, 19.11.07 (KAP) Das Universale und Vereinende der "Zeugen der Heiligkeit in Europa" hat Kardinal Christoph Schönborn am Montag im Wiener Stephansdom beim Festgottesdienst zum 95. Geburtstag von Otto von Habsburg unterstrichen. Namentlich erwähnte der Wiener Erzbischof die Heilige Elisabeth von Thüringen, aber auch den selig gesprochenen letzten österreichischen Kaiser Karl I., den Vater von Otto von Habsburg. Bei der Messfeier war auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat, anwesend. Papst Benedikt XVI. hat dem Chef des Hauses Habsburg, dessen Familie "sowie allen, die dem Haus Habsburg verbunden sind", aus Anlass des 95. Geburtstags seinen Apostolischen Segen übermittelt.
Kardinal Schönborn unterstrich in seiner Predigt, dass in keiner politischen Realität, auch nicht in der Habsburger-Monarchie, das verwirklicht wurde, was die Kirche unter Reich Gottes versteht. Allerdings sei die 1918 untergegangene Monarchie dem christlichen Gedanken einer "offenen Universalität" viel näher gewesen als viele andere staatliche Realitäten davor und danach. Das habe sicher damit zu tun gehabt, dass sich die Habsburger-Monarchie vom katholischen Glauben inspirieren ließ.
Der Wiener Erzbischof würdigte den Einsatz von Otto von Habsburg für das neue Europa. Im Blick auf das Tagesevangelium über die Heilung des blinden Bettlers Barthimäus erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass jeder die Hilfe Gottes benötige, "um das Richtige zu sehen". Otto von Habsburg habe diesbezüglich viel Gnade gehabt, Europa verdanke ihm viel.
Allerdings sei nicht sicher, in welche Richtung sich das neue Europa entwickeln werde, sagte der Kardinal. Die europäische Integration sei ein mühsamer Weg und "grundsätzlich etwas Gutes". Aber es gebe auch die Tendenz der "Diktatur des Relativismus", von der Papst Benedikt XVI. spreche. Europa sei heute in Gefahr, dass es "den Respekt vor dem Leben nicht wahrt - bis hin zur Freigabe der Tötung des ungeborenen und des behinderten Lebens".
Kardinal Schönborn trug bei der Messfeier den sogenannten "Elisabeth-Ornat", der von Kaiserin Elisabeth dem Dom gestiftet worden war.
Fahrt nach Bosnien
Am 20. November, seinem eigentlichen Geburtstag, wird Otto von Habsburg nach Banja Luka reisen. Sein Gastgeber inBanja Luka ist der katholische Bischof Franjo Komarica. Otto von Habsburg möchte mit der Reise nach Banja Luka seine Verbundenheit mit Bosnien zum Ausdruck bringen und ein "klares politisches Signal" insbesondere für das Rückkehrrecht der vertriebenen katholischen Kroaten setzen.
In einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" berichtete Otto von Habsburg über einen tief persönlichen Grund für seine Bosnien-Reise: "Dass ich überhaupt noch lebe, verdanke ich einem 'Bosniaken'". Im Juni 1934 sei plötzlich ein Unbekannter bei ihm aufgetaucht und habe sich als Gestapo-Mann vorgestellt: "Ein geborener 'Bosniak', der deutscher Staatsbürger war. Er hat mir gesagt: 'Bitte verschwinden Sie noch heute aus Deutschland'. Denn an diesem Abend ist die Anti-Nazi-Zeitung 'Der gerade Weg', bei der ich ein wenig mitgearbeitet habe, von der SA gestürmt worden. Der Chefredakteur (Fritz Gerlich, 1883-1934, Red.) wurde dabei so verprügelt, dass er ein paar Tage darauf verstorben ist. Und besagter 'Bosniak' hat aufgrund seiner Akten gesehen, dass auch ich auf der Abschussliste stehe. Also hat er mich aufgefordert, das Land zu verlassen".
"Islam ist Kind des Christentums"
In einem Interview mit Hans Rauscher im "Standard" wies Otto von Habsburg, auch im Blick auf Bosnien, auf das Engagement des Papstes für eine Verständigung mit den Muslimen hin. "Ich bin ein Freund des Islam seit langer Zeit, bin Mitglied der islamischen Akademie seit mehreren Jahrzehnten. Ich habe immer das Gefühl gehabt, wir werden uns finden. Denn der Islam ist ein Kind des Christentums. Mohammed ist in einer christlichen Gesellschaft aufgewachsen und hat dort seine neuen Ideen entwickelt", so der Kaisersohn.
Christen und Muslime hätten "sehr viel gemeinsam". Es sei auch sehr klug, dass sich Benedikt XVI. "so sehr für ein Verständnis mit dem Islam einsetzt, er selbst hat gemeinsam mit Muslimen gebetet, er baut Brücken", sagte Otto von Habsburg.
Neuaflage der Biografie
Die im Jahr 2002 erstmals erschienene Biografie Otto von Habsburgs aus der Feder von Eva Demmerle und Stephan Baier wurde aus Anlass des Geburtstags erweitert, ergänzt und überarbeitet. In der Neuauflage ist auch ein Grußwort Papst Benedikts XVI. enthalten. Die Biografie ist im "Amalthea"-Verlag erschienen. (ende)