Wiederverheiratete: Kirche will "aufmerksam" sein
Wien, 22.11.07 (KAP) Die Wiener kirchliche "Plattform für Geschiedene und Wiederverheiratete" (WIGE) hat unter dem Titel "Aufmerksamkeiten" eine neue Broschüre für den Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten herausgegeben. Die Broschüre richtet sich sowohl an Seelsorger als auch an Betroffene selbst; Anregungen von Kardinal Christoph Schönborn werden in der Broschüre aufgegriffen. Die Frage des Scheiterns von Beziehungen sei aktueller als je zuvor und eine Realität, der sich kein Seelsorger verschließen kann, heißt es im Vorwort der Broschüre, die die wichtigsten "Aufmerksamkeiten" im Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten darstellen will. Fest stehe, dass die aufrechte sakramentale Ehe unauflöslich ist. Sie habe vor Gott die höchste Würde. Wie es in der Broschüre heißt, soll für Menschen, deren erste Ehe zerbrochen ist, aber ein "zweites Gelöbnis" möglich sein (das natürlich nicht den Rang einer kirchlichen Eheschließung hat). Dadurch erhalte diese neue Verbindung eine entsprechende Würde und hebe sich von einer nur standesamtlich geschlossenen Zweitehe ab.
An erster Stelle unter den "Aufmerksamkeiten" stehe die gegenüber den Kindern. Kinder bräuchten die Sicherheit, von Mutter und Vater geliebt zu werden, wie immer auch das Leben weitergehen mag. So müsse man sich immer die Frage stellen, ob die Rechte der Kinder wahrgenommen werden.
Die zweite "Aufmerksamkeit" betrifft jene gegenüber dem getrennten Partner, auf den noch lange viele Gefühle fixiert sind. Hier gehe es vor allem um das Bemühen, eine korrekte Gestaltung der Beziehung "abseits eines Rosenkrieges" und im Sinne der Kinder anzustreben.
Die Frage, ob Schuld und Schuldgefühle bewältigt wurden, führe zur dritten "Aufmerksamkeit" gegenüber genau dieser Schuldfrage. So gelte es zuerst, sich mit der eigenen Verantwortung für das Scheitern der Ehe auseinanderzusetzen und in einem zweiten Schritt eine "Versöhnung mit Verantwortung" anzustreben. Dabei komme auch dem Glauben eine bedeutende Rolle zu. Es gehe darum, die Hoffnung zu stärken, dass Gott Schuld und Sünde vergibt.
Die vierte "Aufmerksamkeit" gegenüber treuen Ehepaaren führe zur Frage, wie die Gemeinden deren Leistung für die Gesellschaft zu würdigen verstehen. Es gehe aber auchdarum, wie die Pfarren diesen Ehepaaren helfen können, ihre Beziehung zu vertiefen und noch glücklicher zu gestalten.
Die fünfte "Aufmerksamkeit" schließlich betrifft jene gegenüber dem Gewissen und Gott. Wer ehrlich betet, dürfe auch mit der Barmherzigkeit Gottes rechnen. Die durchlebten und im Glauben reflektierten Phasen seien für das Gewissen eine harte Prüfung und es erhalte dadurch eine Größe und Weite, "die Kraft gibt für die künftige Lebensform und für das weitere Leben innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft". Eine Weiterentwicklung der Persönlichkeit und eine Neuorientierung aus dem Glauben würden so möglich.
Die "Plattform für Geschiedene und Wiederverheiratete" besteht seit 1989 und will sich um alle kümmern, die sich durch ihre Lebensumstände in der Kirche nicht mehr beheimatet fühlen, es aber gerne sein möchten. Sie bietet Gespräche, Weiterbildung und Beratung an und fördert den pastoralen Umgang mit Menschen, deren Ehe gescheitert ist.
Neben einer Beratungsstelle im "Kardinal König-Haus" gibt es auch eine Kontaktstelle der "WIGE", die jeweils am zweiten Montag im Monat von 18 bis 20 Uhr in den Räumen der "Alten Burse" in der Sonnenfelsgasse 19 im 1. Bezirk Gespräche zu relevanten Themen anbietet. Von Februar bis April 2008 wird es einen neuen Lehrgang "Leitlinien einer verantwortlichen Pastoral mit Geschiedenen und Wiederverheirateten" geben, wie die Vorsitzende der "WIGE", Gerty Trompisch, ankündigt. (Informationen: Internet: www.beziehungsweb.at/wige). (ende)