"Glauben an den auferstandenen Christus weitergeben"
Wien, 16.4.06 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat beim Osterhochamt im Wiener Stephansdom die Christen aufgerufen, den Glauben an den auferstandenen Christus zu bezeugen und ihre Glaubenserfahrungen weiterzugeben. Der Erzbischof von Wien verwies auf die ersten Glaubenszeugen Maria von Magdala, Johannes und Petrus, die im Osterevangelium geschildert werden. Alle drei seien Zeugen der Auferstehung geworden, sie hätten erfahren, was es bedeutet, von Jesus beim Namen genannt zu werden. Auch heute müsse sich jeder die Frage stellen, ob er sich in diesen biblischen Gestalten wiederfinden könne. Zugleich erinnerte Kardinal Schönborn an die Bedeutung des Sonntags, der "Tag des Herrn" ist, weil er der Tag der Auferstehung sei. Der Sonntag bedeute nicht das Ende der Woche, sondern den neuen Anfang.
Im Hinblick auf Maria von Magdala wies Kardinal Schönborn nüchtern die "fragwürdigen Fantasien" zurück, die sich bevorzugt dieser biblischen Gestalt bemächtigen und sie mit Vorstellungen ausschmücken, die im Evangelium nicht zu finden sind. In Millionenauflagen würden Spekulationen angestellt, bei denen nur allzu durchsichtig sei, dass es vor allem um Geschäftemacherei geht. Wörtlich sagte der Wiener Erzbischof: "Wer das Evangelium betrachtet, kann mit solchen Spekulationen nichts anfangen".
Das Evangelium schildere, dass Maria von Magdala die entscheidende Wende in ihrem Leben erfuhr, als sie Jesus begegnete, unterstrich Kardinal Schönborn. Jesus habe sie aus vielfältigen Unfreiheiten und Fesseln befreit. Von Jesus habe sie Annahme erfahren, "sie war nicht mehr Objekt, sie war ganz und gar sie selber". Auch der Mensch von heute müsse sich fragen, ob er sich in Maria von Magdala wiederfinde, "in ihrer Sehnsucht, in ihren Enttäuschungen und Irrwegen, in ihrer Suche nach einem größeren Sinn im Leben, in dem Trost, den sie erfahren hat".
Ebenso seien die beiden Apostel Johannes und Petrus, die zum leeren Grab eilen, der eine schneller, der andere langsamer, Anfragen an den Menschen von heute: "Manche sind langsam unterwegs, bis sie zum Glauben kommen. Der eine sieht und kann doch nicht oder noch nicht glauben, der andere tut den Schritt beherzter".
Sein Osterwunsch an alle, "wo immer sie stehen, zögernd im Glauben oder doch schon bereit, den Schritt zu tun", sei, dass sie Jesus begegnen und es weitersagen, betonte der Erzbischof von Wien.