Papst: Ende von Krieg, Terrorismus und Ungerechtigkeit
Vatikanstadt, 16.4.06 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat in seiner ersten Osterbotschaft auch zum Ende von Krieg und Gewalt auf der Welt und zum Aufbau gerechter Strukturen aufgerufen. Vor rund 100.000 Menschen auf dem Petersplatz forderte er am Sonntagmittag ein friedliches Zusammenleben zwischen Völkern und Religionen, um die drohende Gefahr des Terrorismus fern zu halten.
Mit Nachdruck sprach sich Benedikt XVI. für Frieden im Heiligen Land und im Irak aus. In der mehrfach von Beifall unterbrochenen Ansprache unterstrich Benedikt XVI. das Recht Israels auf eine Existenz in Frieden und plädierte zugleich für die Bildung eines Palästinenserstaates. Angesichts der internationalen Atomkrise forderte der Papst - ohne den Iran beim Namen zu nennen - eine "ehrenvolle Schlichtung durch ernsthafte und aufrichtige Verhandlungen".
Mit aller Entschiedenheit beklagte Benedikt XVI. die dramatische Lage in der sudanischen Provinz Darfur und in anderen Teilen Afrikas. In Darfur handle es sich um eine nicht mehr erträgliche dramatische humanitäre Situation. Ebenso forderte der Papst neue Friedensbemühungen für die Krisenzone der "Großen Seen" in Ostafrika. In den Ländern Lateinamerikas gehe es um eine "neue Dynamik, damit die Lebensbedingungen von Millionen von Menschen verbessert und die demokratischen Institutionen gefestigt werden".
Im ersten, spirituellen Teil seiner Osterbotschaft arbeitete der Papst die kosmische Bedeutung des Ereignisses der Auferstehung Jesu heraus. Benedikt XVI. zitierte das im Lukas-Evangelium überlieferte Wort der Engel an die trauernden Frauen ("Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden") und sagte wörtlich: "Seit jenem Morgen hören diese Worte nicht auf, im Universum nachzuklingen als Verkündigung der Freude - eine Verkündigung, die unverändert die Jahrhunderte durchzieht und zugleich reich ist an unendlichen und immer neuen Resonanzen".
Im Anschluss an die Verlesung der Osterbotschaft erteilte Benedikt XVI. - der am Ostersonntag 79 wurde - erstmals den österlichen Segen "Urbi et orbi". Danach formulierte er Osterwünsche in 62 Sprachen an alle Welt. Auf italienisch nahm der Papst indirekt auf die aktuelle Situation nach den Wahlen in Italien Bezug und drückte den Wunsch nach friedvoller Gelassenheit aus. Die Politiker des Landes rief er auf, das Ziel der Eintracht zu verfolgen und an das Gemeinwohl zu denken. Auf deutsch sagte er: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit euch".
Die Osterbotschaft und der Segen "Urbi et orbi" wurden von 104 TV-Anstalten aus 65 Ländern direkt übertragen.
Um 10.30 Uhr hatte der Papst auf dem Petersplatz das Osterhochamt zelebriert. Dabei wurde in einer Fürbitte auf französisch auch des 79. Geburtstages Benedikts XVI. gedacht.