Kardinal-Innitzer-Preis an Wiener Zivilrechtler verliehen
Wien, 15.12.07 (KAP) Die untrennbare Verbindung von Wissenschaft und Wahrheit hat Kardinal Christoph Schönborn am Samstag im Wiener Erzbischöflichen Palais bei der Verleihung der diesjährigen Kardinal-Innitzer-Preise betont. Wenn die Kirche Wissenschaftspreise vergebe, dann wolle sie damit ausdrücken, "dass wir vor der Wahrheit keine Angst zu haben brauchen", weil "Wahrheit durch die innere Kraft ihrer Argumente überzeugt", so Schönborn in seiner Ansprache. Wo es historisch Konflikte zwischen Wissenschaft und Kirche gegeben habe, da seien oft beidseitig "Grenzüberschreitungen" erfolgt, betonte der Kardinal. Die Bilder von Jesus als Kind und Jesus am Kreuz zeigten, dass sich Wahrheit nicht mit äußerer Macht durchsetzt, sondern aus der "inneren Kraft ihrer Argumente", so der Wiener Erzbischof.
Der Papst habe am 8. September bei der Festmesse zum 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell die entscheidende Bedeutung der Wahrheit betont, erinnerte Kardinal Schönborn. Es gebe eine verbreitete Haltung der Resignation, "die den Menschen als der Wahrheit unfähig ansieht", zitierte er Papst Benedikt XVI. Diese Resignation der Wahrheit gegenüber sei auch der Kern der Krise Europas. Wenn es Wahrheit für den Menschen nicht gebe, dann könne er letztlich auch nicht Gut und Böse unterscheiden. Dann würden auch die "großen und großartigen Erkenntnisse der Wissenschaft zweischneidig"; sie könnten bedeutende Möglichkeiten zum Guten, zum Heil des Menschen sein, sie könnten aber auch zu furchtbaren Bedrohungen, zur Zerstörung des Menschen und der Welt werden.
Mit dem Großen Kardinal-Innitzer-Preis wurde der Wiener Zivilrechtler Prof. Franz Bydlinski ausgezeichnet. Prof. Bydlinski lehrte lange Jahre Zivilrecht und Juristische Methodenlehre an der Universität Wien und war Vorstand des Instituts für Zivilrecht. Er ist Mitglied der philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Der Geschäftsführer des Kardinal-Innitzer-Studienfonds, Prof. Herbert Matis, erinnerte in seiner Laudatio daran, dass Bydlinski mehrfach schwere Bedenken gegen die Tendenzen zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe geäußert hatte. Bydlinski habe dabei den fundamentalen Rang des Lebensschutzes herausgearbeitet; dieser verbiete es, den Sterbewillen eines Leidenden oder das Mitleid als eine Rechtfertigung für die Tötung gelten zu lassen.
Den Würdigungspreis im Bereich Naturwissenschaft erhielt der Mediziner Prof. Georg Stingl, der an der Universität Wien Dermatologie mit dem Schwerpunkt Immundermatologie und infektiöse Hauterkrankungen lehrt. Im Bereich Geisteswissenschaft wurde Prof. Hannelore Weck-Hannemann ausgezeichnet. Sie lehrt am Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck. Einen Würdigungspreis für seine Verdienste im Bereich wissenschaftlich fundierter Publizistik erhielt der TV-Journalist Andreas Novak, der für die ORF-Abteilung Bildung und Zeitgeschehen Dokumentationen zur österreichischen Zeitgeschichte gestaltet.
Acht junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wurden mit Förderpreisen ausgezeichnet. Es handelt sich Stefan Achleitner (Umwelttechnik), Tatjana Fischer (Raumplanung), Prof. Gudrun Fritz-Schmied (Finanzwissenschaft), Prof. Michael Fuchsjäger (Krebsforschung), Dozent Georg Kofler (Steuerrecht), Dozent Rodrig Marculescu (Dermatologie), P. Dominik Markl SJ (Bibelwissenschaft) sowie Susana Ortiz Urda (Hautkrebsforschung).
Der Kardinal-Innitzer-Preis ist ein seit 1962 verliehener Wissenschaftspreis und eine der angesehensten Auszeichnungen dieser Art in Österreich. Benannt ist der Preis nach Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955), der auch Protektor der Universität Wien war.
Der Preis wird in den Kategorien "Lebenswerk", "Geisteswissenschaft", "Naturwissenschaft" und "Publizistik" vergeben. Zusätzlich werden an junge Wissenschaftler Förderpreise vergeben. (ende)
