Papst reist 2008 nach Lourdes, USA und Sydney
Vatikanstadt, 28.12.07 (KAP) Die wichtigste katholische Veranstaltung des Jahres 2008 findet nicht im Vatikan oder in Rom, sondern in Ozeanien statt. Mindestens eine halbe Million junge Leute werden vom 15. bis 20. Juli im australischen Sydney zum Weltjugendtag erwartet. Papst Benedikt XVI. wird die wichtigsten Gottesdienste und Begegnungen beim Weltjugendtag persönlich leiten. Ob und wo er die Anreise über zehn Zeitzonen und 20.000 Kilometer zu Zwischenstopps unterbricht - vielleicht in Korea oder auf den Philippinen - ist noch offen. Vielleicht hängt das auch von den Kontakten zu Peking ab. In seinem Brief an regimenahe wie romtreue Katholiken hatte der Papst im vergangenen Sommer Peking einen Dialog angeboten. Und offenbar bewegt sich inzwischen etwas zwischen Peking und Rom. Die jüngsten Bischofsernennungen, bislang ein Hauptstreitpunkt, erfolgten auffallend einvernehmlich.
Zuvor steht aber noch die wichtigste politische Papstrede des Jahres auf dem Programm. Vom 15. bis 20. April reist Benedikt XVI. in die USA. An seinem 81. Geburtstag (16. April) besucht er in Washington das Weiße Haus, am Tag danach spricht er in New York vor der UNO. Eine "gemeinsame Veranstaltung" mit dem Jüdischen Weltkongress kommt dagegen nicht zustande - zum Leidwesen beider Seiten. Die päpstliche New-York-Etappe fällt auf den Sabbat und das Pesach-Fest. Der ursprünglich für den Frühherbst geplante USA-Termin musste wegen der Präsidentschaftswahlen vorgezogen werden. Stattdessen fährt der Papst dann im Herbst zu den 150-Jahr-Feiern des französischen Marienwallfahrtsortes Lourdes. Ob er dann auch die Einladung zu einer Rede vor dem Europa-Parlament in Straßburg annimmt und/oder der Einladung von Präsident Nicolas Sarkozy nach Paris folgt, ist offen.
Ebenfalls drei Reisen will Benedikt XVI. 2008 als "Primas von Italien" unternehmen. Mitte Mai geht es nach Ligurien, nach Savona und Genua: auch als Rückenstärkung für den dort residierenden und noch etwas profillosen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco gedacht - und als Dank für dessen Vorgänger, Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone. Einen Monat später (14./15. Juni) besucht der Papst Apulien, Anfang September Sardinien.
Zwei große Papst-Dokumente sind für die nächsten Monate zuerwarten. Die Enzyklika über die Globalisierung - mit Aktualisierungen zur katholischen Soziallehre - war eigentlich noch vor dem jüngsten Schreiben zum Thema "Hoffnung" erwartet worden. Dann soll auch der zweite Teil des Jesus-Buches von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. erscheinen, der sicher wieder die Bestsellerlisten stürmen wird.
Benedikt XVI. wird 2008 wichtige diplomatische Akzente setzen. Für den 7. Jänner hat der Papst die Botschafter der 176 beim Vatikan akkreditierten Staaten zum Neujahrsempfang eingeladen. Seine politische Grundsatzrede dürfte schon Bezug zum UN-Besuch nehmen. Dann gehört der Brückenschlag zur Volksrepublik China zu den großen Aufgaben der Vatikan-Diplomaten. Mit besonderem Augenmerk werden sie schließlich die Entwicklung im Heiligen Land verfolgen. Mit Israel treten die schon 1993 vereinbarten Verhandlungen über Rechts- und Finanzfragen noch immer auf der Stelle. Neues Ungemach bereiten die Visa-Vorschriften, die katholischen Klerikern aus arabischen Ländern die Einreise und die Bewegungsfreiheit im Heiligen Land erheblich erschweren. Daher ist die ursprünglich für 2008 geplante Papstreise nach Jerusalem und Bethlehem erst einmal verschoben. Denn Benedikt XVI. legt Wert darauf, dass seine Besuche jenseits von politischen Interessen auch Hoffnungsperspektiven für die Christen der jeweiligen Region beinhalten.