Lebensschutz: Religionen üben Schulterschluss
Kardinal Schönborn, Metropolit Staikos, Bischof Bünker und Präsident Schakfeh unterzeichnen als erste Bürgerinitiative der "Aktion Leben" für ein kinder- und elternfreundliches Österreich
Wien, 11.1.08 (KAP) Ökumenischer und interreligiöser Schulterschluss für den Lebensschutz in Österreich: Mit Kardinal Christoph Schönborn unterzeichneten der neue evangelische Bischof Michael Bünker, der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, am Freitag im "Club Stephansplatz 4" die Parlamentarische Bürgerinitiative der "Aktion Leben" und setzten damit ein Zeichen für ein "kinder- und familienfreundlicheres Österreich".
Der Forderungskatalog der Bürgerinitiative unter dem Titel "Mit Kindern in die Zukunft!" sieht die Einrichtung eines öffentlich finanzierten Hilfsfonds für Schwangere in Not vor sowie eine intensivere und ständige Bewerbung der Schwangerenberatung. Weiters wird eine "vielfältige Unterstützung für Eltern von Kindern mit Behinderung" gefordert. In diesem Zusammenhang sollte laut "Aktion Leben" auch der Lebensschutz in der Verfassung verankert werden. Außerdem wird im Forderungskatalog eine weitere qualitative Verbesserung und ein Ausbau der Kinderbetreuungsplätze eingemahnt. Entscheidendes Kriterium müsse dabei die Wahlfreiheit zwischen inner- und außerfamiliärer Betreuung sein sowie die Leistbarkeit der Betreuungsplätze.
Schönborn: "Kinder bedeuten Zukunft"
Wie Kardinal Schönborn im Gespräch mit "Kathpress" betonte, sei es "in diesem Land dringend geboten, eine 'Lobby für Kinder' zu bieten". Daher unterstütze die katholische Kirche nachdrücklich die Initiative der "Aktion Leben". In diesem Zusammenhang erinnerte Kardinal Schönborn erneut an die vor mehr als 30 Jahren vom damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky versprochenen "flankierenden Maßnahmen" zur Fristenregelung. Die jetzigen Forderungen seien auch als Erinnerung an diese politischen Zusagen von damals zu verstehen. Auszubauen seien insbesondere die Beratungsangebote und die Information über bestehende Angebote, so Kardinal Schönborn.
Image (img1) invalid or missing | Kardinal Christoph Schönborn
|
Ein besonderes Anliegen stelle in diesem Zusammenhang die Errichtung eines öffentlichen Hilfsfonds zur Unterstützung Schwangerer in Not nach dem Beispiel des 1973 von Kardinal Franz König eingerichteten Hilfsfonds der Erzdiözese Wien für Schwangere in Not dar. Kardinal Schönborn: "Es darf in einem reichen Land wie Österreichnicht sein, dass Frauen aus finanziellen oder wirtschaftlichen Gründen nicht 'Ja' sagen können zu ihrem Kind".
Bünker: "Blick aus der Perspektive der Kinder"
Wie der evangelische Bischof Bünker im Gespräch mit "Kathpress" unterstrich, richte die evangelische Kirche ihr besonderes Augenmerk auf den Ausbau der Unterstützung von Eltern, der Kindern behindert sind. Hier liege es inbesondere an den Kirchen, immer wieder die Sensibilität für die Gleichheit an Würde politisch einzuklagen, so Bünker. Die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, die es ermöglichen, auch Kindern mit Behinderung eine Zukunft zu bieten und ihre Familien stärker zu unterstützen.
Image (img2) invalid or missing | Michael Bünker, Bischof der evgl. Kirche A.B.
|
Die evangelische Kirche unterstütze die Bürgerinitiative außerdem, weil sie "wie das Evangelium dazu auffordert, den Blick aus der Perspektive der Kinder einzuüben", so Bünker. Weiters erinnerte der Bischof an den Schwerpunkt "Kinderfreundliche Kirche", mit dem die evangelische Kirche vor zwei Jahren erste Schritte hin zu einer breiteren Öffnung der Kirche für Kinder und Jugendliche unternahm.
Kein Verständnis äußerte Bünker für die Diskussion um eine verpflichtende Beratung vor einem möglichen Schwangerschaftsabbruch, wie dies in Deutschland gesetzlich gefordert ist. Die österreichische Regelung entspreche dem "evangelischen Freiheitsverständnis", indem sie die Freiheitsrechte der Frau wahre, so Bünker, "und das ist etwas, zu dem ich uneingeschränkt stehen kann".
Image (img2) invalid or missing | Michael Bünker, Bischof der evgl. Kirche A.B.
|
Staikos: Integration Jugendlicher
Metropolit Staikos betonte im Gespräch mit "Kathpress", dass auch die orthodoxe Kirche die Forderungen der Initiative "mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln" unterstütze. Für eine christliche Kirche sei es "eine Pflicht und eine Selbstverständlichkeit", sich auch politisch für den Lebensschutz stark zu machen und Schwangeren in Not zu helfen, so der Metropolit.
Über die unmittelbaren Forderungen der Initiative hinaus lege die Orthodoxie ein besonderes Augenmerk auf die Frage der Integration, so Staikos. Ein Großteil der orthodoxen Kinder in Österreich entstamme Migrantenfamilien. Politik und Kirche seien gleichermaßen aufgefordert, die Integration dieser Kinder zu ermöglichen, "damit es ihnen leichter gemacht wird, hier eine Heimat zu finden".
Image (img3) invalid or missing | Michael Staikos, Metropolit der griechisch-orthodoxen Kirche
|
Schakfeh: Freiheit ist "Prinzip des Islam"
Schakfeh sagte im Gespräch mit "Kathpress", dass die Familie für den Islam eine "wichtige religiöse Institution" darstelle und daher jede Initiative zu begrüßen sei, die sich um den Schutz des Lebens und der Familie bemühe. Aus Sicht des Islam sei eine Abtreibung mit medizinischer Indikation möglich, d.h. wenn die Gesundheit der Mutter unmittelbar durch die Schwangerschaft gefährdet ist. Man müsse jedoch auch die Entscheidung jener Frauen respektieren, die sich aus anderen Gründen zu einer Abtreibung entschließen. "Freiheit ist ein Prinzip des Islam, und wir müssen mit der Freiheit der Frau in dieser Frage leben", so Schakfeh. Zwang dürfe es in dieser Frage unter keinen Umständen geben. Die Entscheidung und die Verantwortung vor Gott habe jede Frau selbst zu tragen.
Schakfeh kündigte außerdem die Errichtung einer islamischen Frauenasylstätte an. Diese solle Frauen im Fall familiärer Schwierigkeiten Unterkunft gewähren.
Image (img4) invalid or missing | Anas Schakefh, Präsident der Isl. Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ)
|
Kronthaler: Beitrag zu Bewusstseinswandel
Die Bedeutung der Bürgerinitiative für einen politischen und gesellschaftlichen Bewusstseinswandel betonte die Generalsekretärin der "Aktion Leben", Martina Kronthaler. Eine Diskussion über den "Stellenwert von Kindern in der Gesellschaft" sei "mehr als überfällig". Daher müsse die Initiative auch als "Signal an die Politik" verstanden werden, so Kronthaler.
Über die Anzahl der erwarteten Unterschriften wollte Kronthaler keine Spekulationen anstellen. Sie verwies jedoch auf andere erfolgreiche Initiativen der "Aktion Leben" wie die Initiative "Für Menschenwürde und gegen Experimente mit dem Leben" aus dem Jahr 2004, die von rund 64.000 Menschen unterzeichnet wurde. Eine solche Unterstützung wäre auch für die jetzige Initiative ein Erfolg, so Kronthaler.
Jüdische Gemeinde: Grußbotschaft
Bei der Unterzeichnung der Bürgerinitiative verlas Kronthaler außerdem eine Grußbotschaft von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg. Darin betonte Eisenberg, dass die jüdische Gemeinde die Forderung nach einer stärkeren Bewerbung der Beratungsangebote unterstütze, von einer Unterzeichnung des Bürgerinitiative und aktiver politischer Einflussnahme jedoch Abstand nehme. Beratung sei begrüßenswert, schwangere Frauen dürften aber in keiner Weise unter Druck gesetzt werden, hieß es in der Botschaft.
Unterzeichnet wurde die Initiative weiters von der Vorsitzenden des Diözesanen Hilfsfonds für Schwangere in Notsituationen der Erzdiözese Wien, Katalin Haunold-Vatai. Seit seiner Gründung im Jahr 1973 durch Kardinal Franz König hat der Hilfsfonds mehr als 20.000 Frauen unterstützt. Allein im Jahr 2006 hat der Hilfsfonds über 230.000 Euro an Unterstützungszahlungen geleistet. Der größte Teil der Gelder (rund 170.000 Euro) stammt aus der jährlichen Muttertagssammlung. Unterstützt wurden damit 815 Frauen. Das kostenfreie Beratungsangebot der Beratungsstelle des Hilfsfonds nutzten im Jahr 2006 mehr als 3.000 Frauen.
Bürgerinitiative bis 30. Juni
Die parlamentarische Bürgerinitiative der "Aktion Leben" läuft bis zum 30. Juni dieses Jahres. Im Herbst sollen die Unterschriften schließlich Nationalratspräsidentin Barbara Prammer übergeben werden. Unterschriftsberechtigt sind alle österreichischen Staatsbürger ab Vollendung des 19. Lebensjahres.
Unterschriftenlisten liegen laut "Aktion Leben" in den Diözesen, in Pfarren, Eltern-Kind-Zentren und Jugendbetreuungseinrichtungen aus. Auch über die Website der "Aktion Leben" kann Informationsmaterial und die Unterschriftenliste heruntergeladen werden (http://www.aktionleben.at/).