"Wahrheitsanspruch keine Verachtung anderer Religionen"
Salzburg, 12.1.08 (KAP) Der christliche Wahrheitsanspruch und das Bekenntnis zu Jesus als den, in dem Gott unüberbietbar gesprochen hat, ist keine Verachtung anderer Religionen oder Hochmut ihnen gegenüber. Es gehe vielmehr um "Ergriffenheit von dem, der uns beschenkt hat, damit wir auch andere beschenken können": An dieses Wort von Papst Benedikt XVI. bei seinem Österreichbesuch im vergangenen September hat Kardinal Christoph Schönborn am Schlusstag der Österreichischen Pastoraltagung erinnert. Dieses "Herzstück" der Papstpredigt in Mariazell habe auch für das Tagungsthema "Missionarisch Kirche sein" höchste Bedeutung, so der Wiener Erzbischof in seinem Vortrag am Samstag im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil. Die gegenwärtig verbreitete "Resignation" hinsichtlich der Wahrheit bzw. deren Erkennbarkeit bilde den Kern der geistigen Krise Europas, konstatierte Schönborn unter Verweis auf den Papst: "Wo keine Wahrheit ist, kann der Mensch auch nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden."
Mit dem christlichen Wahrheitsanspruch sei aufgrund geschichtlicher Erfahrungen oftmals die Angst vor Intoleranz verbunden, räumte Schönborn ein. Demgegenüber gelte es auf Christus zu schauen, der den Menschen am Beginn seines Lebens als hilfloses Kind und an dessen Ende als wehrloser Gekreuzigter begegne. Recht verstandene Wahrheit sei somit demütig und vertraue auf innere statt auf äußere Macht. Sie sei kein "Besitz", sondern erweise sich in der Liebe. Dies ist nach den Worten des Kardinals auch Grundlage jeder Mission.
Schönborn erinnerte an die Apostelgeschichte des Neuen Testaments, in dem unterschiedlichste Missionserfahrungen der jungen Kirche gesammelt seien. "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben", hätten Petrus und Johannes auf das "Missionsverbot" durch den Hohen Rat in Jerusalem geantwortet. Dies führt laut Schönborn zur Anfrage an heutige Christen: "Was haben wir zu bezeugen? Wovon ist unser Herz so voll, dass der Mund davon übergeht?" Die positive Erfahrung mit der Stadtmission in Wien, die letztlich erfolgreiche Überwindung anfänglicher Skepsis in einer äußerst krisenhaften Situation der Kirche in Österreich (infolge der "Causa Groer") würden dazu ermutigen, als Christen mutig und selbstbewusst auf die Menschen zuzugehen. Schönborn erinnerte an den Schlusssatz der Apostelgeschichte, in dem es heißt, der damals unter Hausarrest gestellte Paulus habe das Reich Gottes "ungehindert und mit allem Freimut" verkündet.
Der Wiener Erzbischof wies weiter darauf hin, dass Chancen für "Mission" oft in alltäglichen Situationen gegeben seien, häufig aber nicht genutzt würden. Der Kardinal berichtete von einer solchen Chance, die er selbst vergeben habe. Bei einer Zugreise seien Innsbrucker Jugendliche in seinen Waggon gestiegen. Sie hatten gerade die Matura bestanden und traten - schon leicht angeheitert - ihre Maturareise in die Türkei an. Er habe die impliziten Einladungen der jungen Leute, mit ihm als "ihrem Kardinal" ins Gespräch zu kommen, nicht aufgegriffen, weil er Brevier beten und ein wenig abschalten wollte, berichtete Schönborn. Noch heute mache er sich Vorwürfe wegen dieses Versäumnisses, in dem er sich - wie er selbstkritisch meinte - als schlechter Apostel erwiesen habe.
Das Gegenteil habe er in einem anderen Fall erlebt, als er mit einem jungen Paar im Nachtzug nach Paris bis spät in die Nacht geredet habe - mit für heute typischen jungen Leuten, wie der Kardinal sagte: "offen und völlig unbeleckt von Glaubenswissen". Er habe damals gesagt, er würde - falls es dazu kommen sollte - gerne das erste Kind des damals "und vielleicht auch heute noch, ich weiß es nicht" unverheirateten Paares taufen. Tatsächlich hätten sich die inzwischen fast Vergessenen wieder gemeldet, die Taufe erfolge im Lauf der nächsten Woche.
"Immer auch Selbstevangelisierung"
Veranstalter der traditionsreichen Pastoraltagung ist das Österreichische Pastoralinstitut. Der Kärntner Bischof Alois Schwarz, der in der Bischofskonferenz für das Institut zuständig ist, zog gegenüber "Kathpress" eine positive Schlussbilanz der Beratungen: Die rund 350 Teilnehmer aus elf europäischen Ländern hätten eine Vielzahl an möglichen Missionsmethoden aufgezeigt, ohne in Beliebigkeit oder gegenseitige Abwertung zu geraten. Die Tagung habe die Notwendigkeit einer Präsenz der Christen im öffentliche Raum unterstrichen. Am überzeugendsten sei dabei das "Zeugnis des Lebens". Für die Kirche bedeute Evangelisierung freilich "immer auch Selbstevangelisierung", sagte Schwarz.
Die Österreichische Pastoraltagung ist die größte jährliche Bildungsveranstaltung der katholischen Kirche in Österreich. Sie gibt seit den Anfängen im Jahr 1931 alljährlich theologisch und seelsorglich Engagierten und Interessierten aus dem In- und Ausland Impulse