Kirchliche Kritik an Attacken gegen Islam
Grazer FPÖ-Spitzenkandidatin stellte bei Parteitag Mohammed in Kinderschänder-Nähe. Der in der Österreichischen Bischofskonferenz für den Dialog mit den Weltreligionen zuständige Wiener Weihbischof Helmut Krätzl sagte, er sei "entsetzt"
In einer Erklärung forderte die "Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände" (AKV) die unbedingte Respektierung der Religionsfreiheit als Menschenrecht, "unter allen Umständen". Dieses Recht auf Religionsfreiheit schließe selbstverständlich auch die Freiheit der Religionsausübung in der Öffentlichkeit ein. Jede Beleidigung oder Herabsetzung einer Religionsgemeinschaft missachte dieses Menschenrecht und widerspreche dem Respekt vor der Persönlichkeit des Mitmenschen.
Jede Diffamierung des Islam, seines Verkünders Mohammed oder seiner wesentlichen Einrichtungen müsse daher entschieden zurückgewiesen werden, so die AKV. Die Äußerungen der FP-Wahlkämpferin Susanne Winter müssten daher als "grobe Entgleisungen" qualifiziert werden, die mit dem Selbstverständnis der Gesellschaft und der Verfassung Österreichs in keiner Weise in Einklang zu bringen sind. Auch die "vorgeschützte Redefreiheit" sei kein ernsthaftes Argument: Die Redefreiheit finde dort ihre Grenze, wo sie andere Menschenrechte verletzt.
Sollte das Recht auf Religionsfreiheit auch irgendwo auf der Welt nicht angemessen respektiert werden, so sei dies kein Grund dafür, auch in Österreich dieses Recht zu missachten oder einzuschränken, so die AKV.
Weihbischof Krätzl zeigte sich "entsetzt"
Wien-Graz, 14.1.08 (KAP) In den christlichen Kirchen in Österreich herrschte am Montag Besorgnis über die Aussagen der FP-Spitzenkandidatin bei den Grazer Kommunalwahlen, Susanne Winter, zum Islam. Der in der Österreichischen Bischofskonferenz für den Dialog mit den Weltreligionen zuständige Wiener Weihbischof Helmut Krätzl meinte im Gespräch mit dem ORF-Radio, er sei "entsetzt", dass eine hochrangige Politikerin sich "derart respektlos gegenüber Überzeugungen anderer äußert". Es sei zu befürchten, dass dadurch das Miteinander zwischen Menschen unterschiedlicher Weltanschauung oder Religion in Österreich erheblich gestört wird. Wörtlich meinte Krätzl: "Ich hoffe, dass durch diesen Eklat das Gespräch zwischen Christen und Muslimen in Österreich, das in den letzten Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht hat, nicht belastet wird".
Schnuderl: "Intoleranz und populistisches Kalkül"
Der Grazer Bischofsvikar Prälat Heinrich Schnuderl hat am Montag die Distanz der Kirche zu den umstrittenen Äußerungen der FP-Spitzenkandidatin Susanne Winter betont. Wörtlich stellte Prälat Schnuderl fest: "Die jüngsten Ausfälligkeiten der FP-Spitzenkandidatin für die Grazer Kommunalwahlen gegen die muslimische Glaubensgemeinschaft lassen jeglichen Respekt vor Angehörigen einer anderen Religionsgemeinschaft vermissen. Sie sind sind Ausdruck einer religiösen Intoleranz aus rein populistischem Kalkül. Im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils, das zu einer von Achtung und Wertschätzung geprägten Begegnung auch mit den Muslimen ermutigt hat, weise ich solche Entgleisungen entschieden zurück".
Theologen: "Gezielte Verhöhnung trifft alle"
Die Dekane der beiden Theologischen Fakultäten der Universität Wien, Prof. Martin Jäggle (kath.) und Prof. James Alfred Loader (evang.), sind zutiefst besorgt, dass Ausfälle gegen den Islam, wie sie Susanne Winter in Graz getätigt hat, in Österreich eine so große politische Bühne erhalten. Die gezielte Verhöhnung einer Religion treffe alle Religionen.
Die gesetzliche Anerkennung des Islam in Österreich sei europäisch beispielhaft, diese Art der Herabwürdigung, wie sie beim Wahlkampfauftritt von Susanne Winter in Unterpremstätten geschehen sei, widerspreche europäischen Standards, erinnerten Jäggle und Loader. Als Verantwortliche für die theologische Forschung und Lehre der beiden Fakultäten halten Jäggle und Loader die Auseinandersetzung mit dem Islam für "äußerst wichtig", sie betonen aber "auf Grund der Erfahrung der leidvollen konfessionellen Auseinandersetzungen im Christentum" die Notwendigkeit der Religionsfreiheit und des Religionsfriedens. Dafür sei gegenseitiger Respekt unabdingbar. "Wir würden begrüßen, wenn sich in Österreich eine Kultur etabliert, in der solche Äußerungen auf allen Ebenen inakzeptabel sind", stellten Jäggle und Loader abschließend fest. (forts)