Kardinal Schönborn: "Jede Abtreibung ist eine zuviel"
Wien, 14.1.08 (KAP) Der Ausbau der Beratung rund um die Abtreibung und die Einführung einer Bedenkzeit seien ausdrücklich zu begrüßen, sagte Kardinal Christoph Schönborn am Montag im Gespräch mit "Kathpress". Wörtlich betonte der Wiener Erzbischof: "Es ist sehr erfreulich, dass sich nach jahrelangem Drängen endlich etwas bei der Umsetzung der versprochenen 'flankierenden Maßnahmen' zu bewegen scheint". Schon die Vorschläge im Perspektivenpapier der ÖVP hätten "erfreuliche Ansätze" gezeigt. Der Vorstoß von VP-Justizsprecher Heribert Donnerbauer hinsichtlich eines Ausbaus der Beratung vor einer Abtreibung und der Einführung einer Bedenkzeit sei "ein weiteres positives Signal". "Jede Abtreibung ist eine zuviel - und zwar nicht deshalb, weil damit das Pensions- und Sozialsystem gefährdet wird, sondern deshalb, weil es dabei um einen Menschen geht, der getötet wird", betonte Kardinal Schönborn.
Jede Maßnahme für eine kinderfreundlichere Gesellschaft sei zu begrüßen, sei es eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein verantwortungsvollerer Umgang mit Sexualität oder eine finanzielle Unterstützung von schwangeren Frauen und ihren Kindern, stellte der Wiener Erzbischof fest, der am Freitag die Bürgerinitiative der "Aktion Leben" für ein "kinder- und elternfreundliches Österreich" ("Mit Kindern in die Zukunft!") unterzeichnet hat. Keine der Positivmaßnahmen könnten aber eine Abtreibung verhindern, wenn die Frau in der Entscheidungssituation nichts davon weiß, betonte der Kardinal. Gerade deswegen seien Information und Beratung so wichtig. Wichtig sei dabei nicht so sehr, dass die Beratung verpflichtend ist, sondern dass für die Beratung gesetzlich ein "seriöses Zeitfenster" eingeräumt wird. Die Forderung nach einer Bedenkzeit sei daher "keine Hürde, sondern ein Schutz für Frauen", in Ruhe Information und Beratung beziehen zu können.
Aus den Beratungsstellen sei bekannt, dass Frauen oft aus einer Drucksituation heraus eine Abtreibung erwägen. Es gebe aber auch immer wieder Frauen, die berichten, dass sie den Schritt zur Abtreibung nicht gesetzt hätten, wenn sie vom Unterstützungsangebot gewusst oder auch nur jemanden gefunden hätten, "der sich mit ihnen auf ihr Kind freut". Deswegen seien kinderfreundliche Maßnahmen zwar immer zu begrüßen, sie müssten aber auch den Frauen in der konkreten Entscheidungssituation bekannt gemacht werden. Dies sei daher auch eine der Hauptforderungen der Bürgerinitiative der "Aktion Leben". (ende)