Kirche wehrt sich gegen Einbeziehen in Grazer Wahlkampf
Graz, 15.1.08 (KAP) Die Diözese Graz-Seckau hat in einer Stellungnahme zum laufenden Grazer Kommunalwahlkampf dazu aufgerufen, sich auch in Vorwahlzeiten "vor groben Entstellungen von Tatsachen und Diffamierungen zu hüten". Die bevorstehende Gemeinderatswahl habe einige Politiker veranlasst, auch die Kirche in Auseinandersetzungen über den Islam und die Präsenz von Roma-Bettlern aus der Slowakei einzubeziehen. Dabei seien auch einige Tatsachen zum Teil grob entstellt worden, heißt es in der Stellungnahme.
Was den Islam betrifft, hätten Bischof Egon Kapellari und seine Diözese sich seit Jahren um ein friedliches Miteinander bemüht, ohne Probleme und legitime Erwartungen an den Islam zu verschweigen. Diesbezügliche Erklärungen von Bischof Kapellari und anderer kirchlicher Verantwortlicher seien in Medien reichlich dokumentiert.
Pfarrer Wolfgang Pucher unterstütze slowakische Roma, die in Graz um Gaben bitten, aber es gebe dabei keine Beteiligung von Kindern und daher auch keine Rechtswidrigkeit. "Pfarrer Pucher betreibt mit der Unterstützung vieler Ehrenamtlicher, von Priestern, kirchlichen und öffentlichen Einrichtungen auch viele Hilfswerke, die vor allem Österreichern zu Gute kommen und denen österreichweit Anerkennung und Dank zuteil wird", heißt es in der Erklärung der Diözese.
Auch der freiheitliche Europaabgeordnete Andreas Mölzer hat am Dienstag in einer Aussendung über das "Prinzip der Gegenseitigkeit" in den Beziehungen zwischen Christen und Muslimen Bischof Kapellari unscharf zitiert. Wörtlich hieß es in Mölzers Presseaussendung: "So wie es beispielsweise Bischof Egon Kapellari verlangt, wäre es erstrebenswert, wenn in Europa, speziell in Österreich, muslimische Gotteshäuser lediglich als dezente Bethäuser errichtet werden, und nicht als überdominante islamische Symbole in Form von Minaretten - zumindest solange, als in islamischen Ländern keine christlichen Kirchen erbaut werden dürfen".
Tatsächlich hatte Bischof Kapellari nicht von Minaretten gesprochen, sondern beispielsweise in einem Interview für die Tageszeitung "Die Presse" vom 25. August 2007 seine Sicht klar dargelegt: "So lange Christen sich in fast allen islamischen Ländern verstecken müssen, sollten Muslime in Ländern wie dem unseren auf städtebaulich dominante Moscheen verzichten". Er sei "selbstverständlich dafür", dass Muslime - "wenn sie die demokratische Rechtsordnung respektieren" - auch in einem christlich geprägten Land gemeinsam beten können und dafür geeignete Räume haben. Er erwarte aber auch von muslimisch dominierten Staaten, dass sie Anhängern anderer Religionen "Recht und Raum zur Ausübung ihres Glaubens" geben, sagte Kapellari in dem Interview. In Österreich lebende Muslime sollten sich im Sinne der Glaubwürdigkeit auch für Religionsfreiheit in ihren Herkunftsländern einsetzen.
Einstweilige Verfügung
Die Grazer FPÖ-Spitzenkandidatin Susanne Winter, die mit ihren Äußerungen vom sonntäglichen Neujahrstreffen der Freiheitlichen in Unterpremstätten bei Graz die aktuelle Islam-Debatte ausgelöst hat, nahm am Dienstag bei einer Pressekonferenz zu ihrem Streit mit dem Grazer Armenpfarrer Wolfgang Pucher Stellung. Winter erklärte, es gebe eine einstweilige Verfügung, wonach es ihr vorläufig zustehe, Pucher als "Verbindungsmann und Organisator" der in Graz bettelnden Roma aus dem slowakischen Hostice zu bezeichnen.
