Jesuiten wählten neuen Generaloberen
Rom, 19.1.08, (KAP) Die Jesuiten haben am Samstag in Rom P. Adolfo Nicolas zu ihrem neuen Generaloberen gewählt. Der gebürtige Spanier leitet künftig den mit 19.200 Mitgliedern größten katholischen Männerorden weltweit. Nicolas war bisher Präsident der Jesuitenkonferenz von Ostasien und Ozeanien (JCEAO) mit Sitz in Quezon City auf den Philippinen. Vor mehr als 46 Jahren ging er als Theologiestudent nach Japan, später lehrte er selbst als Professor in Tokio. Er löst den 79-jährigen P. Peter-Hans Kolvenbach ab, der sein Amt nach 24 Jahren aus Altersgründen abgegeben hatte.
Nicolas ist der 29. Nachfolger des Ordensgründers Ignatius von Loyola (1491-1556). Dessen "Gesellschaft Jesu" zeichnet sich durch ein besonderes Gehorsamsgelübde gegenüber dem Papst aus. Der Orden ist heute in 125 Ländern der Welt tätig.
Gewählt wurde Nicolas von den 217 Wahlmännern der 35. Generalkongregation, der höchsten gesetzgebenden Versammlung des Ordens, die seit dem 7. Januar in der römischen Ordenszentrale im Borgo Santo Spirito tagt. Über die Stimmverhältnisse wurde nichts bekannt, da die Wahl ähnlich wie ein Papst-Konklave unter strengem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.
Vor der Wahl feierten die Jesuiten in der Kirche Santo Spirito in Sassia eine Messe, in der sie um den Heiligen Geist baten. "Gott gebe uns einen Oberen nach seinem Herzen", formulierte P. Frank Case, ein Mitglied der Ordensleitung, der den Gottesdienst leitete. P. Kolvenbach nahm an dem vielsprachigen und von modernen Gesängen geprägten Gottesdienst als normaler Ordensmann unter seinen Mitbrüdern teil.
Bei aller Feierlichkeit herrschte eine entspannte Stimmung unter den Teilnehmern der 35. Generalkongregation, der höchsten Gesetzgebenden Instanz des Ordens. Heiterkeit kam auf, als P. Case am Ende des Gottesdienstes die technischen Hinweise zur Wahl als "Pfarrmitteilungen" ankündigte.
Korrespondentenbericht von Burkhard Jürgens
Rom, 19.1.08 (KAP) Der weltgrößte katholische Männerorden hat einen neuen Leiter: Am Samstag bestimmten die Jesuiten den Spanier P. Adolfo Nicolas zu ihrem Ordensgeneral. Der 71-jährige Leiter der Jesuiten-Konferenz für Ostasien und Ozeanien übernimmt von seinem zurückgetretenen Vorgänger P. Peter-Hans Kolvenbach die Aufgabe, die 19.200 Mitglieder zählende "Gesellschaft Jesu" in die Zukunft zu führen. Viel hängt nach Nicolas' eigenen Worten davon ab, wie sehr der Orden "dynamisch und offen" über seine Aufgabe nachdenken will.
Diskret und effizient ging die Ablösung vor sich, wie es zum Image der Jesuiten passt. Die Wahl war kürzer als eine durchschnittliche Pfarrgemeinderatssitzung. Dass die Einigung so zügig vonstatten ging, hat unter anderem mit der viertägigen informellen Beratungsphase zu tun, die der eigentlichen Wahl vorausging. Außerdem hatte Kolvenbach bereits im Dezember 2005 alle Jesuiten-Oberen der Welt an den Geburtsort des Ordensstifters Ignatius nach Loyola eingeladen. Jeder wusste, dass es bei dem Treffen auch um die Sondierung über die Nachfolge des Ordensgenerals ging. Bei der 34. Generalkongregation im Jahr 1983, als Kolvenbach gewählt wurde, hatte P. Nicolas das wichtige Amt des Kongregations-Sekretärs; schon das war kein geringer Vertrauensbeweis seiner Mitbrüder.
Der neue Ordensgeneral gehört indessen nicht zu jenen Jesuiten, die international Schlagzeilen gemacht haben. Am 29. April 1936 im zentralspanischen Palencia geboren, trat er mit 17 ins Noviziat ein und absolvierte ab 1958 ein Philosophiestudium in Madrid. 1964 setzte er seine Ausbildung mit dem Theologiestudium in Tokio fort. Dort, in der japanischen Hauptstadt, wurde Nicolas 1967 zum Priester geweiht. Abgesehen von weiteren Studienjahren in Rom (1968-71) blieb der Ferne Osten seine Welt: 1971 Professor für Systematische Theologie an der Sophia-Universität Tokio, von 1978 bis 1984 Direktor des Pastoralinstituts von Manila auf den Philippinen, 1993 bis 1999 Provinzial der Japanischen Provinz, 2004 schließlich Leiter der Jesuiten-Konferenz für Ostasien und Ozeanien - das sind die äußeren Eckpunkte seiner Laufbahn.
Nicolas steht in einer großen Tradition seines Ordens. Zu den bekanntesten Glaubensboten der katholischen Kirche überhaupt gehört der Jesuit und Asienmissionar Franz Xaver (1506-1552) - ein Landsmann des neuen Generals. Vielleicht nur zufällig erinnerte Kolvenbach in einem seiner letzten Interviews daran, dass die Jesuiten sich gerne wieder in China engagieren würden. Insgesamt hat sich der Schwerpunkt der Jesuiten ostwärts verschoben; allein Indien stellt ein Fünftel aller Mitglieder weltweit. Europa trägt die Wurzel, Asien die Zukunft.
Vor Beginn der jetzigen Generalkongregation verlangte Nicolas in einer Jesuiten-Zeitschrift mehr Realitätssinn und Pragmatismus. Bei der Versammlung vor 25 Jahren hätten 220 Jesuiten sich vorgenommen, drei Monate lang über 46 Themen zu beraten, 26 Dokumente und 416 Ergänzungsnormen zu verabschieden - dieses enorme Pensum sei zu Lasten von Inhalten gegangen und habe für Enttäuschung gesorgt. Für den künftigen Generaloberen wünschte er sich mehr Handlungsfreiheit, um künftige Generalkongregationen effizienter gestalten zu können.
Am Sonntagnachmittag wollen die Jesuiten in ihrer Ordenskirche Il Gesu im Zentrum Roms eine Dankmesse mit ihrem neuen General feiern. Montag beginnt die eigentliche inhaltliche Arbeit der obersten gesetzgebenden Versammlung. Es wird um das Gehorsamsverständnis, Identität, Mission und Nachwuchssorgen gehen. Das Ende der Beratungen ist offen; fest steht nur, dass die Delegierten P. Nicolas kein kleines Aufgabenpaket für die nächsten Jahre auf den Weg geben werden.
