Große Solidarität mit Papst
Vatikanstadt, 20.1.08 (KAP) Zu einer großen Kundgebung der Solidarität mit Papst Benedikt XVI. wurde am Sonntag das Angelusgebet auf dem Petersplatz. Rund 200.000 Personen waren dem Aufruf des römischen Kardinal-Vikars Camillo Ruini gefolgt, der die Katholiken eingeladen hatte, nach dem infolge antiklerikaler Agitation gescheiterten Besuch des Papstes an der römischen Universität "La Sapienza" zum Angelusgebet zu kommen, um Benedikt XVI. Respekt und Zuneigung zu bezeugen. Auch in Mailand - wohin das Angelusgebet des Papstes übertragen wurde - versammelten sich zeitgleich Tausende auf dem Domplatz. Auf dem römischen Petersplatz waren mit zahlreichen Studenten und Professoren auch Politiker anwesend, so der stellvertretende Ministerpräsident Francesco Rutelli, der frühere Ministerpräsident Giulio Andreotti und der frühere Staatspräsident Francesco Cossiga. Auch die Kulturwelt war vertreten, so durch den blinden Sänger Andrea Bocelli.
Benedikt XVI. dankte Studenten und Professoren für ihre Solidarität. "Als emeritierter Professor, der so viele Studenten im Leben getroffen hat, ermutige ich euch, stets die Meinungen anderer zu respektieren und mit freiem und verantwortungsvollem Geist nach der Wahrheit und dem Guten zu forschen", sagte der Papst.
Er kenne die Universität "La Sapienza" gut und schätze sie, sagte der Papst. Er sei den "Sapienza"-Studenten zugetan, mit denen er mehrmals im Jahr im Vatikan zusammentreffe. Leider sei aber ein Klima entstanden, das seine Anwesenheit bei der Eröffnung des akademischen Jahres am letzten Donnerstag nicht opportun erscheinen ließ, bedauerte Benedikt XVI. Er habe den Besuch daher aufschoben, aber seinen Redetext, den er "mit großer Freude" nach Weihnachten entworfen habe, an die Universität geschickt. Wörtlich sagte der Papst: "Mit dem Universitätsmilieu, das viele Jahre auch meine Welt war, verbinden mich die Liebe zur Suche nach der Wahrheit, zur Begegnung, zum freien und respektvollen Dialog der verschiedenen Positionen". Das alles sei auch Auftrag der Kirche. Zum Abschluss der Begegnung, in deren Verlauf immer wieder Applaus aufkam, sagte Benedikt XVI.: "Danke euch allen, gehen wir voran in diesem Geist der Geschwisterlichkeit, der Liebe zur Freiheit und Wahrheit, des gemeinsamen Einsatzes für einetolerante Gesellschaft".
Auf dem Petersplatz waren u.a. katholische Bewegungen wie "Comunione e Liberazione" (CL) und Sant'Egidio mit starken Abordnungen vertreten. Zahlreiche Transparente waren zu sehen, die Polizei unterzog die Plakate an den Eingängen zum Petersplatz einer Sichtkontrolle. U.a. hieß es auf den Transparenten "Wir sind frei, Dich zu hören", "Es lebe die Gedankenfreiheit, es lebe der Papst".
Sowohl Ministerpräsident Romano Prodi als auch der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), Kardinal Angelo Bagnasco, machten am Sonntag deutlich, dass Staat und Kirche kein Interesse haben, den "Sapienza"-Zwischenfall überzubewerten. Die Sache müsse eine "Episode" bleiben und dürfe keine "dauernde Wunde" werden, sagte Prodi im heimatlichen Bologna. Die Universität sei ein "Ort des Dialogs", der Zwischenfall sei für die "Sapienza" negativ gewesen, aber jetzt müsse man daran denken, für die Zukunft zu arbeiten. Kardinal Bagnasco sagte, die Kirche habe nicht die Absicht, sich auf eine "Kraftprobe" einzulassen, niemand brauche Gegensätze, "die aus dem Nichts kommen oder von den Vorurteilen weniger".
Der Konflikt um den "Sapienza"-Besuch des Papstes war entstanden, nachdem 67 Dozenten der traditionsreichen Universität Rom I vom Rektorat eine Ausladung des Papstes gefordert hatten. Einige Studentengruppen schlossen sich der antiklerikalen Agitation an. Die Kritiker sahen durch die geplante Rede Benedikt XVI. zur Eröffnung des akademischen Jahres die "Trennung von Staat und Kirche" gefährdet. Außerdem unterstellten sie dem Papst, er habe in einer Rede als Kardinal im Jahr 1990 den Kirchen-Prozess gegen Galilei verteidigt.
Der Historiker und Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio, Prof. Andrea Riccardi, sagte am Sonntag in einer RAI-Diskussion, der Papst wäre als "maßgeblicher Kollege" und als Bischof der Stadt gekommen, aber mit einem von "Demut, Laizität, Respekt und Offenheit" gekennzeichneten Redetext. Die Universität müsse ein "freier Raum der Kultur und der Begegnung" sein, die Agitation gegen Benedikt XVI. sei eine "Schande" gewesen.
