Küberl spricht von "Missbrauch" bei Tsunami-Hilfe
Wien, 21.1.08 (KAP) Scharfe Kritik an der Vorgangsweise der staatlichen Tsunami-Hilfe hat Caritas-Präsident Franz Küberl geübt und wörtlich von "Missbrauch" gesprochen. Bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien sagte Küberl: "Wenn die österreichische Bundesregierung 34 Millionen Euro für Nothilfe für Tsunami-Opfer verspricht und dann weniger als ein Drittel leistet und noch dazu Minister und Regierungsbeauftragte mit Journalisten um teures Geld stolz zur Eröffnung von Projekten reisen, die mit Privatspenden finanziert und von Hilfsorganisationen aufgebaut wurden, dann halte ich das für Missbrauch". Dieser Missbrauch richte sich sowohl gegen jene Menschen, die Hilfe brauchen, als auch gegen jene, die Hilfe leisten. Der sichtlich verärgerte Caritas-Präsident sprach von einer "obskuren Profilierungssucht".
Als Ausgleich für den "angerichteten Vertrauensbruch" forderte Küberl mehr staatliche Entwicklungshilfegelder und die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden. Im kommenden Doppelbudget 2009/10 müssten die Gelder für Entwicklungszusammenarbeit endlich 0,51 Prozent des Bruttonationalprodukts ausmachen, so Küberl. In Richtung Absetzbarkeit sagte er wörtlich: "Das muss endlich von den Sonntagspredigten des Finanzministers in die Montagsarbeit des Finanzamtes einwandern". Eine weitere Caritas-Forderung: Ein fix dotierter Auslandskatastrophenfonds im Außenministerium. Einen solchen gibt es bereits im Zusammenhang mit dem Tsunami, allerdings ohne finanzielle Dotierung. Hier müsse man endlich wegkommen von der "Hülle ohne Fülle", kritisierte Küberl.