Kapellari für Dialog mit Islam ohne Redeverbote
Wien, 23.1.08 (KAP) Für einen offenen Dialog mit dem Islam ohne "Redeverbote", in dem Probleme nicht "klein- und schöngeredet" werden, hat sich der Grazer Bischof Egon Kapellari in einem Kommentar in der Wochenzeitung "Die Furche" ausgesprochen. Wie Kapellari betont, würde ein fruchtbarer Dialog über tatsächliche Probleme im Zusammenleben durch Redeverbote "im Namen einer fragwürdigen political correctness" eher behindert als gefördert. Redeverbote "begünstigen lediglich das Agieren mancher demagogischer Politiker", so der Bischof, und behinderten "das Zusammenleben integrierter oder integrationswilliger Muslime mit religiös anders- oder nichtglaubenden Menschen im Land".
Skepsis und Furcht ernstnehmen
Österreich bemüht sich laut Kapellari bereits seit vielen Jahren "um ein faires Miteinander nicht nur von Christen getrennter Kirchen, sondern auch von Christen, Juden und Muslimen". Gerade im Blick auf den "vielgestaltigen Islam" müsse man jedoch auch die "Skepsis, ja Furcht" der Bevölkerung "gegenüber manchen Ausprägungen des Islam im globalen Horizont" wahr- und ernstnehmen, so der Bischof.
Zu den "großen Problemen zwischen dem Islam und westlichen Demokratien und Gesellschaften" zählt laut dem Bischof auch die Frage der "europäischen Stabilität". Hier sei Europa aufgerufen, auf die "nicht aufgebbaren Werte europäischer Demokratie" zu pochen, die auch das Christentum - "freilich ohne Monopolanspruch" - mitgeprägt habe. Diese Werte würden mit dem "umstrittenen, aber im Kern kaum angreifbaren" Begriff "Leitkultur" bezeichnet.
Berechtigte Empörung über FP-Angriffe
Mit einem offenen Dialog hätten die Entgleisungen der FP-Spitzenkandidatin Susanne Winter im Grazer Wahlkampf freilich nichts zu tun, so Kapellari. Vielmehr handle es sich dabei um einen "sachlich höchst unqualifizierten Generalangriff gegen den Islam", der eine berechtigte Empörung nicht nur von Seiten der Muslime, sondern auch von Seiten der politischen Verantwortungsträger "und besonders auch in den Kirchen und anderen religiösen Gemeinschaften" hervorgerufen habe. Die Botschaft der spontanen "Allianz" sei ein lautes "So nicht!" und stelle der politischen Kultur in Österreich "ein gutes Zeugnis" aus, so Kapellari.
Weiters betonte der Bischof, dass es sich bei den FP-Attacken keinesfalls um eine "bloße Provinzposse" oder um ein "steierisches Sonderproblem" handelte. Vielmehr seien die Grazer Entgleisungen als Anzeichen für ein "Problem vieler Länder Europas" anzusehen.
"Epochale Herausforderung"
Der Islam stelle, so der Grazer Bischof, "eine epochale Herausforderung" an die gesamte europäische Bürgergesellschaft "und in deren Mitte besonders an das Christentum" dar. Kirchlicherseits gebe es in Europa "vom Vatikan bis zu kirchlichen Institutionen und Pfarrgemeinden in Österreich" eine "große Bereitschaft zu einem ehrlichen Gespräch mit dem Islam auf der Basis gegenseitigen Respekts und einer Toleranz, die keine Einbahnstraße ist". Für den Christen bedeute diese Offenheit jedoch zugleich auch die Herausforderung, seinen Glauben "nicht zu verstecken", so der Bischof. Um im Dialog zu bestehen brauche man als Christ eine "starke Identität", die dem Christen letztlich auch den Respekt von Seiten der Muslime einbringe.
Die Kirche sei daher zu einem "entschlossenen und missionarischen Glauben" herausgefordert, der Respekt, Toleranz und ein Bewusstsein der eigenen Identität voraussetzt und der versucht, "auch Muslimen Christus zu zeigen und das Evangelium für sie zum Leuchten zu bringen". Andererseits würde dies auch die Muslime dazu bringen, "ihre Religion einladend zu präsentieren".