Kardinäle: Benedikt XVI. bringt alles wieder auf Normalmaß
Hamburg, 18.4.06 (KAP) Benedikt XVI. hat in seinem ersten Amtsjahr Ruhe in die Kirche gebracht. So lautet ein Fazit von vier deutschen Kardinälen nach dem ersten Amtsjahr des neuen Papstes. Kurienkardinal Walter Kasper sagte in der ARD-Sendung "Beckmann" am Ostermontag: "Johannes Paul II. hatte es übertrieben. Er hatte zu viele Kardinäle, zu viele Heilige, zu viele Dokumente, zu viele Aktivitäten".
Benedikt XVI. bringe jetzt alles wieder auf ein "gewisses Normalmaß: weniger Heiligsprechungen, weniger Audienzen, weniger Dokumente", so der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Das alles "völlig lautlos in einem Jahr zu schaffen, nach einem solch großen Pontifikat", sei keine geringe Leistung.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, betonte, er warne schon seit längerem vor einem "falschen Ratzinger-Bild". Der neue Papst sei viel "weicher und differenzierter" als landläufig angenommen. Für ihn selbst sei klar gewesen: "Wenn er Papst wird, hat er Freude an anderen Themen und an anderen Aufgaben". Auch auf Kasper macht Benedikt XVI. einen "befreiten Eindruck". Der langjährige Präfekt der Glaubenskongregation könne jetzt nicht mehr "nur einfach Lehre verteidigen, sondern er muss integrieren und zusammenführen".
Bereits vor der Ausstrahlung hatte die Hamburger evangelische Bischöfin Maria Jepsen die Sendung kritisiert. Es sei seltsam, dass in dem gesamten Gespräch die Frage der Ökumene so gut wie gar nicht vorkomme, schrieb sie im "Hamburger Abendblatt". Dadurch entstehe der Eindruck, als habe allein die katholische Kirche die "Lizenz zur Wahrheit". Sie wünsche sich eine Fortsetzung des Gesprächs, bei dem die drängenden Fragen der Ökumene nicht ausgeblendet würden, so die Bischöfin.