Christentum und Islam in Vorarlberg
Kreuz und Halbmond in Vorarlberg
Was heißt die radikale Verpflichtung zur Nächstenliebe (Thoraregel Jesu: Liebe Gott und Deinen Nächsten wie Dich selbst!) in der Praxis, im Alltag?
Die Frage lautet dann so: Wie können wir Menschen anderen Glaubens so begegnen, dass in dieser Begegnung die Liebe Christi zur Geltung kommt? Die Kirche versteht sich ja als universales Sakrament des Heils (Lumen Gentium 48 ), d.h. als Mittel und Werkzeug der innigsten Vereinigung mit Gott und der Menschen untereinander. Daher lautet die entscheidende Aufgabe: Wie können wir das Evangelium verkünden, ohne andere zu diffamieren, zu beleidigen
Dieses Verhältnis der Christen zu andersgläubigen Menschen, wie muss man sich das vorstellen?
In der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" werden die unterschiedlichen Gruppen in der heutigen pluralistischen Welt genannt, - auch Atheisten oder Gegner der Kirche. Der Leitsatz ist: die Katholische Kirche verwirft nichts von dem, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtiger Hochachtung betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, Gebote und Lehren, die nicht selten einen Strahl jener Wahrheit wiedergeben, die alle Menschen erleuchtet, - auch wenn sie von dem, was die Kath. Kirche selber vorlegt und woran sie festhält, in vielem abweichen.
Was sagen Sie aus dieser Sicht zu einem Moscheebau in Vorarlberg?
Zuerst möchte ich daran erinnern, dass das älteste Minarett in Tirol im Integrationshaus der Caritas auf kirchlichem Boden errichtet worden ist. Da die Kirche uneingeschränkt für die Religionsfreiheit eintritt ist es die Entscheidung der Muslime, in welcher Weise sie in der Öffentlichkeit auftreten. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass von der Baubehörde ein Minarett wie jeder andere Turm zu behandeln ist.
Bei einer TED-Umfrage sprachen sich von 21.000 Anrufern 92 % gegen den Bau von Minaretten in Vorarlberg aus - was sagen Sie dazu?
Auch mich als Christ kann das Minarett daran erinnern, dem Gebet mehr Raum und Gewicht einzuräumen. Wer wirklich betet tritt vor Gott, und Gott wird ihn als Bruder oder Schwester in die Welt zu seinen Nachbarn senden.
Wie beurteilen Sie die Aussagen im Grazer Wahlkampf? Das ist gezielte Strategie. Diese ist sehr alt und hat damit zu tun, dass wir unsere internen Konflikte und Rivalitäten durch Sündenböcke zu überspielen versuchen.
Es ist das Verhängnis der Menschheit, dass sie glaubt, sich nur über Abgrenzungen und Feinde definieren zu können. (...) Zwei Aufgaben haben wir daher in unserer Gesellschaft: Zum einen muss ein historisch gesichertes und realistisches Bild des Gründers des Islam, Muhammad - sicherlich einer der Großen der Menschheitsgeschichte - vermittelt werden. Zum anderen genügt die Befolgung der gängigen Regeln der Gastfreundschaft, der Höflichkeit und der guten Nachbarschaft - die niemanden deswegen ausschließt, weil er Afrikaner, Muslim oder irgendwie anders ist. Dann können wir die Menschen persönlich kennenlernen und merken, dass die Erbsünde und die Gebrechen der Menschen von Gottes lächelnder Provenienz einigermaßen gleichmäßig verteilt worden ist.
Was ist in diesem Zusammenhang das Wichtigste?
Die Thora-Regel Jesu, die von höchster Aktualität ist: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst! Und ich meine, dass es in diesem Jahrhundert keine Alternative mehr zur Bergpredigt gibt. Wenn wir seiner Lehre in unserem Alltag mehr zutrauen würden, dann könnten wir alle bald staunen, was dann alles geschehen kann.
Das ganze Interview mit Prof. Roman Siebenrock im aktuellen KirchenBlatt der Diözese Feldkirch
Wie kann Dialog mit Islam aussehen?
Diözese Feldkirch, 24.01.08. Die Integrationsbeauftragte der Diözese Feldkirch, Elisabeth Dörler vom Werk der Frohbotschaft in Batschuns, hält die Wahlkampfpolemiken gegen "den Islam" für gefährlich. "Da werden auf beiden Seiten Ängste und Spannungen geschürt. Die anstehenden Probleme aber brauchen eine ehrlich gemeinte Begegnung und sachlichen Dialog."
Aus diesen Versäumnissen habe sich ein brisantes Gemisch von sich überlagernden Problemen mit kulturellen, sprachlichen, sozialen und religiösen Hintergründen angestaut, meint Dörler. All diese Probleme pauschal "dem Islam" in die Schuhe zu schieben, sei unzulässig und polemisch. "Jene, die das tun, wie zuletzt in Graz, bedienen sich der Probleme, sie wollen sie aber gar nicht lösen."
Eines der jetzt drängenden Probleme sei, wie sich Muslime im säkularen, demokratischen und den Menschenrechten verpflichteten Europa integrieren, ohne dabei das preiszugeben, was ihnen heilig ist, meint die Islamexpertin Dörler.
Diese Frage stelle sich auch deshalb so akut, weil immer mehr junge Muslime sich als Österreicher/innen fühlen. Und von da her möchten sie, dass ihre Religion nicht nur gesetzlich anerkannt ist, sondern auch im Alltag institutionalisiert wird. Da gehe es dann konkret um die Errichtung von Moscheen, von Bildungseinrichtungen oder Friedhöfen. 'Und diesen Schritt vom abstrakten Gesetz zur Lebenspraxis gilt es miteinander möglichst gut zu gestalten', fordert Dörler.
Dabei sei es unerlässlich, Ängste und Vorurteile durch Begegnung - das beginnt schon beim Grüßen - abzubauen, sich gegenseitig möglichst gut zu informieren und in einem sachorientierten, geduldigen Dialog Kompromisse zu finden, die für Muslime ebenso tragfähig sind wie für die Mehrheitsbevölkerung. "Das ist ein oft mühsamer Weg, aber es ist der einzige, der in Zukunft ein gutes Zusammenleben ermöglicht."
Dass es geht, "gemeinsam tragfährige Lösungen zu erarbeiten, bei der keine Seite das Gesicht verliert und niemand über den Tisch gezogen wird", hat Dörler wiederholt erfahren. So war die Integrationsbeauftragte der Diözese Feldkirch mehrere Jahre an einem erfolgreichen Verhandlungsprozess für einen muslimischen Friedhof in Vorarlberg beteiligt. Es freut sie daher, dass es nicht nur auf Landesebene, sondern in immer mehr Gemeinden Integrationsbeiräte gebe, wo Probleme aufgegriffen und offen und ehrlich ausgeredet werden.
Wichtig ist ihr dabei, dass "wir verstehen, was Muslime warum wollen, aber auch, dass diese kennen lernen, was uns wertvoll und heilig ist. Deshalb laden wir als Diözese heuer schon zum vierten Mal mit wachsender Teilnahme Muslime in eine unserer Kirchen ein, um ihnen unsere Religionskultur näherzubringen", berichtet Dörler.
Zeig mir, was dir heilig ist! Eine Einladung zur Begegnung von Christen und Muslimen
Wir möchten Ihnen diese Begegnung sehr ans Herz legen. Geben Sie bitte diese Einladung in Ihrem Bekanntenkreis weiter. Laden Sie Christen und Muslime ein!
Wir (Katholische Kirche Vorarlberg, Bereich "Lebensgestaltung und Ethik" / Kirchliche Pädagogische Hochschule Edith Stein-IRPB Feldkirch / Pfarre Dornbirn-St. Christoph / Christlich-Muslimischen Forum Batschuns) bereiten dieses Begegnungstreffen nun das 4. Mal vor.
Eine ehrliche Begegnung und Verständigung von Christen und Muslimen soll ermöglicht werden, damit wir gemeinsam Dialog sein können.
Freitag, 22. Februar 2008 von 16:30 - ca. 19:00 Uhr
Pfarre St. Christoph, Dornbirn-Rohrbach
Diese Begegnung leiten:
Dr. Elisabeth Dörler, Islambeauftragte der Diözese
Mag. Pfr. Erich Baldauf, Gastgeber der Pfarre St. Christoph
60 Jahre "Werk der Frohbotschaft" Batschuns
Jubiläumsfeier im Bildungshaus Batschuns - Elisabeth Dörler wurde zur neuen Leiterin des Säkularinstituts gewählt
Bregenz, 5.8.07 (KAP) Im Vorarlberger Bildungshaus Batschuns wurde am Samstag das 60-Jahr-Jubiläum des "Werkes der Frohbotschaft" (eines der ersten Säkularinstitute der katholischen Kirche) begangen. Die katholische Frauengemeinschaft wurde 1947 von Msgr. Edwin Fasching gegründet. Heute unterhält das "Werk der Frohbotschaft" zahlreiche soziale und religiöse Einrichtungen im In- und Ausland. "Von Beginn an leistete die Gemeinschaft einen beachtlichen Beitrag für das soziale Leben in Vorarlberg. Das 'Werk der Frohbotschaft' war bisher ein wichtiger Partner des Landes Vorarlberg und wird es auch in Zukunft bleiben", betonte Landeshauptmann Herbert Sausgruber bei der Jubiläumsfeier. Das "Werk der Frohbotschaft" erfülle "einen wichtigen sozialen Auftrag - weltweit und mit großem Engagement". Wenige Tage zuvor wurde die Islam-Expertin Elisabeth Dörler zur neuen Leiterin des "Werkes der Frohbotschaft" gewählt. Die bisherige Leiterin, Karoline Artner, hatte dieses Amt mehr als zehn Jahre ausgeübt.
Prälat Hans Fink betonte bei der Festfeier in Batschuns in Vertretung des Feldkircher Diözesanbischofs Elmar Fischer, dass das "Werk der Frohbotschaft" das Gesicht der Diözese Feldkirch mitgeprägt habe. Er erinnerte an Projekte wie das "Haus der jungen Arbeiter", den Verlag und die Buchhandlung "Die Quelle", das Bildungshaus Batschuns und verschiedene schulische Einrichtungen. Neben diesen sichtbaren Werken gab es auch viele "unsichtbare" Tätigkeiten. Die Gemeinschaft solle ihrem Gründungscharisma - der "Option für die Armen" und der "Aufmerksamkeit für die Zeichen der Zeit" - treu bleiben, unterstrich Prälat Fink. Bürgermeister Josef Mathis betonte im Blick auf das Leitmotiv der Gemeinschaft, es gelte heute nicht nur den Armen die frohe Botschaft zu bringen, sondern "gerade auch den Reichen, denn sie haben viele Möglichkeiten, dass sich in der Welt etwas ändert".
Am 13. Juni 1947 gründete Edwin Fasching mit sieben Frauen das "Werk der Frohbotschaft" Batschuns. Es war dies nur ein paar Monate, nachdem diese neue Form von Weltgemeinschaften ("Säkularinstitute"; ohne Kloster oder äußere Kennzeichen) von Rom erlaubt worden war. Gemäß dem Leitmotiv "Den Armen die Frohbotschaft bringen" sind in diesen 60 Jahren bis heute immer wieder neue Engagements gewachsen. Die Mitglieder des "Werks der Frohbotschaft" richten ihr Leben danach aus, armen, unterdrückten und an den Rand gedrängten Menschen zu helfen und ihnen neue Ausblicke und Hoffnungen zu geben, sie setzen sich für eine gerechtere und menschlichere Gesellschaft ein.
"Frohbotinnen"
79 "Frohbotinnen" leben und engagieren sich in Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich, der Steiermark, Wien, Norddeutschland, England, Bolivien und Guatemala. Der seit 1995 bestehende "Freundeskreis des 'Werkes der Frohbotschaft' Batschuns" entspricht einer Idee des Gründers. Die Mitglieder des Freundeskreises sind der Spiritualität und Sendung der Gemeinschaft verpflichtet und versuchen diese in ihrem Alltag zu verwirklichen. Bildung für alle mit dem Hintergrund einer biblisch orientierten Spiritualität war von Anfang an eines der großen Anliegen der Gemeinschaft. Diesem Ziel dienen das Bildungshaus Batschuns, die Buchhandlung "Die Quelle" und die Schulen in Vorarlberg und Bolivien. (Informationen: Internet: www.frohbotinnen.at).