Papst hat große Erwartungen an Weltwirtschaftsforum
Vatikanstadt-Bern, 25.1.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. hegt hohe Erwartungen an das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Die Führungspersönlichkeiten aus aller Welt, die in dem Schweizer Kurort zusammentreffen, sollten sich immer vor Augen halten, dass bei allen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen die "menschliche Würde und die grundlegenden Menschenrechte, vor allem das Recht auf Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, und das Recht auf Religionsfreiheit" beachtet werden müssen, betonte Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone in einem Schreiben, das er im Auftrag des Papstes an den Präsidenten des Forums, Klaus Schwab, richtete. Der Papst schätze "den Dienst am Frieden, an der Entwicklung, am Schutz der Umwelt und an der Menschenwürde", der in Davos durch den informellen Dialog so vieler Verantwortungsträger aus aller Welt erbracht werden könne. Keine Diskussion der irdischen Wirklichkeiten könne freilich von den ethischen Grundfragen absehen.
Manager und Politiker aus aller Welt sollten sich insbesondere die Sache des Friedens zu eigen machen, stellte der Kardinal-Staatssekretär fest. Wörtlich schrieb Bertone: "Niemand darf vom Krieg profitieren, um Wohlstand anzuhäufen". In diesem Bereich könnten gerade multinationale Unternehmen entscheidend zu den Initiativen beitragen, deren Ziel die Kontrolle des Waffenhandels ist. Die Produktion von und der Handel mit Waffen, die vom humanitären Recht verurteilt werden, sollte völlig unterbunden werden.
Das Weltwirtschaftsforum gehe von der Überzeugung aus, dass es keinen wirtschaftlichen Fortschritt ohne soziale Entwicklung geben könne und dass soziale Entwicklung ohne wirtschaftlichen Fortschritt nicht möglich sei, betonte Bertone. In diesem Zusammenhang gehe es Papst Benedikt XVI. darum, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt einige Leitlinien der katholischen Soziallehre in Erinnerung zu rufen. Vor allem gehe es darum, dass multinationale Unternehmen überall dort, wo sie tätig werden, dauerhafte Jobs für die lokale Bevölkerung schaffen. Ebenso müsse überall die natürliche Umwelt respektiert werden und wo es bereits Schäden durch industrielle Aktivitäten gebe, sollten sie umgehend behoben werden. Der Einsatz für das Wohl der Ortsbevölkerung, für deren Menschenrechte und für den Umweltschutz müsse Hand in Hand gehen mit einer "entschlossenen Zurückweisung jeder Form von Korruption". Es sei aber auch wichtig, dass die führenden Wirtschaftsleute - die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Medien stehen - ein Beispiel für einen "nüchternen und mäßigen Lebensstil" geben.
Beim Weltwirtschaftsforum sind führende Kirchenvertreter anwesend, so der Alterzbischof von Washington, Kardinal Theodore McCarrick.
Khatami erinnert an die Folgen Nietzsches
Die vieldiskutierte "Retour de Dieu", die Rückkehr der Religionen, stand am Donnerstag im Mittelpunkt des "Open Forum" des Weltwirtschaftsforums in Davos. Dabei wies Mohammed Khatami, der sich vor seiner Zeit als iranischer Staatspräsident (1997-2005) bereits als Professor für politische Philosophie und als Kulturminister einen Namen gemacht hatte, dem deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche die Schuld an der Abkehr von der Religion zu. Er erinnerte daran, dass es säkulare Staaten waren, die die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts ausgelöst hätten und nannte dabei insbesondere Nietzsches Heimatland Deutschland. Die Rückkehr der Religion sei gefährlich, weil mit ihr die Extremisten auf den Plan träten, räumte Khatami ein. Für die Extremisten gelte: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns". Die Konsequenz daraus seien Gewalt und Krieg. Das Ziel muss aus Khatamis Sicht die Verbindung von Religion, Freiheit und Menschenrechten sein - nicht der säkulare Staat.
Existenzielle Fragen hätten die Menschen immer beschäftigt, sagte Thomas Wipf, Präsident des Schweizer Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Initiator und Mitträger des "Open Forum". Fragen vor allem von jungen Menschen an die Kirchen zeigten, dass Religion wieder wichtiger geworden sei.
Das "Open Forum" wird seit 2003 parallel zum Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums durchgeführt. Es will eine kritische Auseinandersetzung mit der Globalisierung, ihren Auswirkungen und künftigen Orientierungen anbieten. Thomas Wipf: "Das 'Open Forum' ist nicht ein Fachsymposion, sondern eine Dialogplattform für zentrale Themen der gesellschaftlich-politischen Diskussion. Die Kirchen wollen dabei einen Beitrag zum beharrlichen Gespräch in der Öffentlichkeit leisten".