Kräutler enttäuscht über Lebensbedingungen der Indios
Bonn, 25.1.08 (KAP) Der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler fordert mehr Einsatz für die Rechte der Indios in Amazonien. Der Vorsitzende des Indianer-Missionsrates CIMI der Brasilianischen Bischofskonferenz zeigte sich am Freitag in Bonn enttäuscht über alle bisherigen Bemühungen in dieser Frage. Die Vorgaben der brasilianischen Verfassung im Hinblick auf die Indios würden noch immer nicht erfüllt. Kräutler äußerte sich bei einem entwicklungspolitischen Fachkongress, den das deutsche kirchliche Hilfswerk "Misereor" zum Auftakt seines Jubiläumsjahrs aus Anlass des 50-jährigen Bestehens veranstaltet.
Als einen "himmelschreienden Skandal" bezeichnete der Bischof die Gesundheitsversorgung der Indios. Sie erkrankten häufiger an Krankheiten wie Malaria oder Hepatitis B und hätten eine höhere Rate an Kindersterblichkeit. Nach wie vor würden Indios zudem häufig Opfer von Gewalt; sie litten besonders unter Armut und Benachteiligung, betonte Kräutler. Großgrundbesitzer und Agro-Industrielle bemächtigten sich immer mehr des Landbesitzes von Indios, so Kräutler. Wer sich ihnen in den Weg stelle, müsse mit Unterdrückung, Verfolgung oder gar Mord rechnen.
Der Bischof erinnerte an die Ordensfrau Dorothy Stang, die 2005 ermordet wurde. Nur ein Bruchteil der Gewalttäter müsse sich vor Gericht verantworten: "Justitia ist träge und hat Sand in den Augen", so Kräutler. Gerade wenn es um die Belange von Indios gehe, werde auf Verzögerung gesetzt.